22. Sonntag 2025: Abt Patrick Schöder OSB
Welchen Gott suche ich?
- Das Bild erinnert an das berühmte Detail aus Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle, wo sich die Zeigefinger von Gott und Adam beinahe berühren, um die Übertragung des göttlichen Lebenshauchs zu symbolisieren.
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In einem in letzter Zeit auch in kirchlichen Kreisen vielbeachteten Buch „Der neue Gott“ versucht die Theologin und Philosophin Claudia Paganini die Frage zu beantworten, „ob Menschen KI [Künstliche Intelligenz] als Gott denken können“.
Sie untersucht, wie weit die Sehnsucht nach traditionell Gott zugeschriebenen Eigenschaften wie Einzigkeit, Allgegenwärtigkeit, Allwissenheit, Allmacht, Trans-zendenz, immer verfügbare Nähe, Gerechtigkeit, Sinnstiftung und Fürsorge von der KI gestillt werden kann. So utopisch das im ersten Moment noch klingen mag, die KI ist in Form von ChatGPT und diversen Chatbots bei allen, die sich gekonnt in den digitalen Medien bewegen, ein Megatrend.
KI geht auf Fragen sinnstiftend ein
Da ist eine Maschine, die jederzeit und – so man digital versiert ist – in gleicher Weise für alle zugänglich ist. Sie geht auf ihr gestellte Fragen meist auch sinnstiftend ein, da sie ja schließlich von ihren Programmierern mit den Antworten unzählig vieler Menschen auf solche Fragen gefüttert wurde und daher natürlich ein breiteres Erfahrungsspektrum wiedergeben kann als ein Einzelner im direkten Gespräch. Sie ist auch darauf trainiert, mit ihren Benutzerinnen und Benutzern durch Lob und Bestätigung eine Art Beziehung aufzubauen, die nicht durch eine gegenteilige Sicht oder Konflikte beeinträchtigt wird. „Die Maschine berechnet statistisch, welches Wort am wahrscheinlichsten als Nächstes passt“ (Alena Buyx).
Im Gegensatz dazu, Jesus Christus, der Gott, der Mensch geworden ist, dem es nicht darum geht, unser Verhalten schön zu reden, sondern darum, uns begreiflich zu machen, wie das Reich Gottes unter uns Menschen funktionieren kann.
Im Evangelium dieses Sonntags sagt er, wie auch an anderen Stellen des Neuen Testaments, den Satz: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 14,11; Lk 18,14; Mt 23,12; Q 14,11). Diese Worte sind keine Faserschmeichler, die unser Ego bestätigen und noch weiter aufbauen. Wer sich auf die Beziehung mit ihm einlässt, dem wird einiges abverlangt. Vom Mainstream unserer Gesellschaft ist das weit entfernt. Aber bietet er nicht gerade das, was wir in einer echten menschlichen Beziehung suchen? Den offenen Dialog, der uns zu einer Stellungnahme herausfordert; ein Gespräch mit einem Du, das uns ins Herz und Hirn trifft und unser ganzes Denken, Fühlen und schließlich auch unseren freien Willen in Bewegung setzt; das uns reifen lässt. Ein Du, das um den Menschen weiß, aber auch Wege aufzeigt, wie Beziehung und Gemeinschaft gelingen kann und für alle letztlich Sinn macht.
Wir haben die Wahl, wem wir uns zuwenden: einem Götzen oder dem wahren Gott, der uns nach seinem Bild erschaffen hat.
Sein Satz ist genauso paradox wie Jesus Christus selbst. Er, der allmächtige und transzendente Gott, wird Mensch, teilt sich und seine Wahrheit uns Menschen mit, fordert seine Gegner heraus und lässt sich dann von ihnen umbringen. Das war aber nicht das Ende!
Er wirkt in dieser Welt
Er lebt, berichten uns die Zeugen seiner Auferstehung, und wirkt in dieser Welt weiter durch den Heiligen Geist. Überall dort, wo echte menschliche Begegnung passiert, Menschen einander zum Segen werden, einander Gutes wollen und tun, den anderen groß sein lassen, die eigene Wirklichkeit ehrlich wahrnehmen und annehmen können, aber auch den anderen ihre je eigene Wirklichkeit zuzugestehen, da ist er als unser Heiland dabei, der heil macht und uns heil werden lässt.
Wir haben die Wahl, welchem Gott wir uns zuwenden. Einem Götzen, den sich der Mensch (wieder) selbst geschaffen hat, oder dem wahren Gott, der uns nach seinem Bild erschaffen hat.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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