10. Sonntag i.JK26: H. Sebastian Schmölz
Um Christ zu sein, bedarf es der persönlichen Begegnung mit Jesus

Jesus sendet die Apostel aus, zwei und zwei zusammen, als Boten des nahen Gottesreiches (äthiopische Kirchenkunst). | Foto: zVg
  • Jesus sendet die Apostel aus, zwei und zwei zusammen, als Boten des nahen Gottesreiches (äthiopische Kirchenkunst).
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Das Christliche ist letztlich keine Wahrheitslehre oder Deutung des Lebens. Es ist auch das; aber darin besteht nicht sein Wesenskern. Den bildet Jesus von Nazaret, dessen konkretes Dasein, Werk und Schicksal – das heißt also eine geschichtliche Person.“ So hat Romano Guardini in seinem Buch „Das Wesen des Christentums“ geschrieben.

Jesus Christus sagt von sich selbst, er ist Weg, Wahrheit und Leben. Das heißt, um Christ zu sein, bedarf es einer persönlichen Begegnung mit Christus. Es geht nicht darum, schöne Lehren oder gefällige Worte zu verkünden, auch nicht darum, das Leben auf vage Vermutungen zu orientieren, sondern Jesus selbst in den Fokus des Lebens zu stellen, ja sogar das Leben auszurichten auf Jesus, um ihm damit nachzufolgen. „Folge mir nach“ ist sein Wort an uns, das einlädt, Antwort zu geben.

Jesus ist der Gott-mit-uns

Im Sonntags-Evangelium bekommen wir eine wunderbare Vorlage: die Aussendung der zwölf Apostel. Mitleidig blickt Jesus auf die müden und erschöpften Menschen, sie sind orientierungslos wie Schafe ohne Hirten. Mitleid im Hebräischen hat wenig mit Gefühl oder Überhöhtsein zu tun. Das Wort für Mitleid ist „rechamim“ von „rechem“ (Mutterschoß). Mitleid hat folglich derjenige, der es mit einem anderen so gut meint, dass er dessen Leben schützen, ja ihn sogar in sich selber bergen möchte. Mitleid haben versteht sich dann am besten so: für den anderen mit allem, was man selber ist und hat, einstehen und aufkommen. Jesus ist für den Evangelisten Matthäus der Immanuel, der Gott-mit-uns, der mit seinen weit ausgebreiteten Armen alle aufnehmen und an sein göttliches Herz drücken möchte.

So beruft der „Gute Hirte“ zwölf Apostel – das ist seine Antwort auf die Not des Volkes Israels. Mitleid bei Jesus ist kein Gefühl, das aufregt, aber bald wieder zur Tagesordnung übergeht, sondern es ist Auftrag zum konkreten Handeln.

Diese zwölf Männer haben den Herrn begleitet, haben seine Bergpredigt gehört, haben seine Heilstaten gesehen, nun werden sie bevollmächtigt, gleich ihm zu handeln. Aus Schülern werden nun Lehrer und Sendboten der Frohen Botschaft. Sie, die dem Herrn Jesus begegnet sind und ihn erlebt haben, dürfen ihn nun in seinem Namen bezeugen. Es sind wahrlich keine Schriftgelehrten und Pharisäer, Jesus beruft Fischer, Zöllner und Sünder in seine Gemeinschaft. Er erhöht die Niedrigen, heißt es im Magnificat, dem großen Lobgesang der Gottesmutter Maria.

Jesu Apostel werden ausgesendet zu allen Menschen, um ihnen die Frohe Botschaft zu verkünden.

So ziehen die Apostel nun aus, um den Menschen Hilfe und Orientierung anzubieten, das nahende Himmelreich zu verkünden, zuzuhören, zu heilen und aufzurichten. Am Ende des Matthäusevangeliums wird Jesus dann das universelle Apostolat verkünden, die Seinen werden ausgesendet zu allen Menschen, um ihnen die Frohe Botschaft zu verkünden.

Orientierungslosigkeit, Zerstreuung, Menschen, die müde und erschöpft und wie Schafe ohne Hirten sind, gibt es auch in unserer Zeit.

Der Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg (1901-1976) verglich die moderne Welt mit einem wundervollen Ozeandampfer, die Maschinen funktionieren, alle sind vergnügt, Tanz und Spaß ist in vollem Gange, Bier und Wein fließen in Strömen, doch das Schiff hat keinen Anker und der Kompass funktioniert nicht. Es treibt hilflos auf dem Ozean und ist dem Untergang geweiht.

Der nochmalige Blick auf das heutige Evangelium zeigt uns, wer wirklich Anker und Kompass unseres Lebens ist.

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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