23. Sonntag 2025: Abt Patrick Schöder OSB
Liebe und Leid
- Jesus geht es nicht darum, Familien zu spalten, sondern um die Entschiedenheit, ihm nachzufolgen und das (eigene!) Kreuz zu tragen. Bild: Detail vom Kreuzweg bei der Piaristenkirche in Krems.
- Foto: Leopold Schlager
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder … ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein“, sind nicht nur heftige Worte, sondern sie stehen auch im Widerspruch zum Gebot in Ex 20,12: „Ehre deinen Vater und deine Mutter.“
Jesus meint es ernst
Wie ist dieses Dilemma zu lösen? Wegdiskutieren geht nicht. Dazu sind diese und sinngemäß ähnliche Worte viel zu oft auch an anderen Stellen im Evangelium überliefert. Jesus meint es also ernst, anscheinend sogar sehr ernst.
Eine gewisse Loslösung vom Elternhaus in der Pubertät, die Gründung einer eigenen Familie, berufliche Weiterentwicklung bringen mit sich, dass bei aller Verbundenheit zum Elternhaus eigene Wege zu gehen sind. Das bewegt sich alles in sozial anerkannten Bahnen.
Von denen, die sich bewusst für einen Weg in Jesu Nachfolge entscheiden, fordert er aber mehr. Christentum ist eine Beziehungsreligion zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen. Sein Angebot ist vorhanden. Es liegt am Menschen, nach dieser Beziehung zu Gott zu suchen, sie zu entwickeln und schlussendlich zur Reife zu bringen. Das wäre das Ziel. Christus hat es vorgelebt und weist uns den Weg.
Was ist meine Berufung?
Unweigerlich kommen wir dann an der sehr individuellen Fragestellung, worin Gottes Wille und Plan für mein Leben besteht, nicht vorbei. Was ist meine individuelle Berufung? Wie finde ich sie? Unsere je eigene Identität zu entwickeln, ist unsere Aufgabe im Leben. Für sich hat es Jesus offensichtlich, als er zwölf Jahre alt war, erfasst. Die Szene im Tempel, als er sich von seinen Eltern getrennt hat, um im Haus seines Vaters zu sein, ist nur der erste Hinweis darauf. Seine von ihm erkannte Berufung führte ihn über die Jahre seiner Verkündigung bis zur Vollendung seiner Hingabe an den Willen seines Vaters am Kreuz.
Auch für uns gilt es, gleichsam wie bei der Entwicklung eines Schmetterlings über das Stadium von Raupe und Puppe, zu eng gewordene Abhängigkeiten in unserem Leben zu sprengen, um die eigenen Flügel entfalten zu können. Dazu muss der Mensch erkennen, was ihn in seiner Entwicklung behindert.
Gottes Angebot ist vorhanden. Es liegt am Menschen, nach der Beziehung zu Gott zu suchen und zur Reife zu bringen.
Die Hindernisse auf diesem Weg sind zahlreich und vielfältig. Fehlerhafte Entscheidungen auf dem Weg zur eigenen Berufung sind unvermeidbar und oft sind es sogar die vermeintlichen Um- und Irrwege, auf denen uns Gott dem Ziel näherführt. Das ist Teil der menschlichen Natur.
Mahnende Worte beherzigen
Im Evangelium des Sonntags weist uns Jesus darauf hin, dass auch Liebe in menschlichen Beziehungen nur in voller gegenseitig geschenkter Freiheit gelebt werden kann. Ansonsten ist sie mehr Hindernis als Hilfe auf dem Weg zu einem freien Ja des Menschen zu seiner persönlichen Verwirklichung. Die mahnenden Worte im Evangelium sollten wir nicht zur Seite wischen, sondern sie beherzigen und im Hinblick auf das eigene Leben und das unserer Lieben bedenken. Loslassen schmerzt, heilt aber.
Vielleicht hilft uns der Gedanke von Sören Kierkegaard dabei: „Das Leben kann nur in der Schau auf rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.“
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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