Wort zum Sonntag von Dechant P. Georg Haumer OSB
Gottes Geduld mit uns Menschen

Mit dem Gleichnis vom Unkraut im Weizen lässt uns Jesus in unsere eigene Seele blicken: Das Ideal vom makellosen Menschen, das allzeit erstrebenswert ist, und die dunklen Abgründe der menschlichen Seele wollen einfach nicht zusammenpassen.
  • Mit dem Gleichnis vom Unkraut im Weizen lässt uns Jesus in unsere eigene Seele blicken: Das Ideal vom makellosen Menschen, das allzeit erstrebenswert ist, und die dunklen Abgründe der menschlichen Seele wollen einfach nicht zusammenpassen.
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Was tun mit dem vielen Unkraut?“ „Wie es bekämpfen?“ So hört man jedes Jahr die leidgeprüften Gartenfreunde reden. Auch Schädlinge wie die Schnecken oder der Borkenkäfer können einem die Freude an der Natur verderben. Ganze Industriezweige bieten über die althergebrachten Hausmittel hinaus Möglichkeiten an, dieser unliebsamen Realität in Fauna und Flora Herr zu werden. Das Bild vom ideal gepflegten Garten oder vom kraftstrotzenden Wald wird immer wieder von kleinen und großen Katastrophen erschüttert. Wie mit dem so genannten Unkraut umgehen? Es radikal, also von der Wurzel her, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen oder seine Existenz einfach hinnehmen?

Das Sonntagsevangelium greift dieses immer wiederkehrende Problem aus der Natur auf, um eine Brücke zu schlagen zu dem, was im zwischenmenschlichen bzw. geistlichen Leben als kostbares Getreide einerseits und als unliebsames Unkraut andererseits angesehen wird. Das Ideal vom makellosen Menschen, das allzeit erstrebenswert ist, und die niederen Laster und dunklen Abgründe der menschlichen Seele wollen einfach nicht zusammenpassen. Oder um es mit dem Bild des Evangeliums auszudrücken: das hoffnungsvoll heranwachsende Weizenfeld und das aufkommende Unkraut, welches nicht nur optisch eine Beeinträchtigung darstellt, sondern vor allem auf die Qualität und Quantität der Ernte Auswirkungen hat. Viele Menschen leiden selbst genau unter dieser Spannung zwischen dem erstrebenswerten Ideal und der selbst verspürten eigenen Unvollkommenheit.

Überraschende Antwort der Bibel

Die Antwort der Bibel auf diese Problematik ist ein unerwartetes Gottesbild, das in der ersten Lesung gezeichnet wird. Nicht ein Gott, der akribisch nach den kleinsten Fehlern sucht, um sie gleich auch zu bestrafen, wird hier vermittelt, sondern ein Gott, der für alles Sorge trägt, der gegen alles Nachsicht übt und den Sündern die Umkehr gewährt. Mit anderen Worten: Gott lässt auch dem Unkraut in unserem Leben seinen Platz und erst wenn die Zeit reif ist, wird es ausgesondert. Ein schwer nachzuvollziehender Gedanke in einer Leistungsgesellschaft, die immer nach absoluter Perfektion strebt und keine Fehler zulassen will.

Auch im kirchlichen Denken tun wir uns da oft nicht leicht. Wie sollen wir mit dem Unkraut, das doch die reine Frucht bedroht und das wir Sünde nennen, umgehen? Zuschauen, wie es wuchert und sich ausbreitet und vielleicht großen Schaden anrichtet? Oder ist es geboten, das Unkraut der Sünde bei der kleinsten Regung sofort niederzuspritzen? Ein schwieriges Unterfangen, denn Jesus nennt selbst die Gefahr, dass bei allem gut gemeinten Eifer die eigentliche Frucht Schaden nimmt. Seine Streitgespräche mit den Pharisäern haben genau dieses Verhalten zum Thema. Diese suchen nämlich mit Vorliebe nach dem vordergründigen Unkraut im Leben der anderen Menschen, um es selbstgerecht aufzuzeigen und sofort zu entfernen. Dabei übersehen sie oft die Hintergründe und zerstören dabei viel Gutes.

Ich denke, wir sind heute auch versucht, im Garten der Seele unserer Mitmenschen Unkraut und Schädlinge schnell wahrzunehmen, dabei ist es uns selbst unangenehm, wenn wir von anderen auf unsere Unvollkommenheiten, Schwächen und Sünden angesprochen werden. Wir wollen darüber eher hinwegsehen und sie lieber mit positiven Dingen kompensieren, als sie sogleich bloßzulegen.

Das in diesen Sonntagstexten angesprochene Gottesbild spiegelt die väterliche Geduld Gottes mit uns Menschen wider, seine unendliche Liebe zu jedem einzelnen, wobei ihn das wachsende Unkraut nicht hindern kann. Er wird es zu gegebener Zeit entfernen, damit nichts Gutes verloren geht. Gebe Gott uns die Gnade, die gebotene Entschlossenheit, aber auch das richtige Maß im Umgang mit dem geistlichen Unkraut zu finden, auf dass wir durch unser Denken, Reden und Tun für andere zum Segen werden.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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