4.Fastensonntag/26: Dr. Isaac Padinjarekuttu
Fastenzeit als Einladung zu lernen, wie Gott sieht

Gott sieht unser Herz. Weil er das Herz sieht, handelt er anders, als es Menschen oft tun.  
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Das „Sehen“ ist das Thema dieses vierten Fastensonntags. Jesus begegnet einem Mann, der von Geburt an blind ist, und öffnet ihm die Augen. Zum ersten Mal in seinem Leben kann er sehen. Doch diese Erzählung spricht nicht nur vom körperlichen Sehen. Sie führt uns tiefer, hin zu einem Sehen des Herzens.
Die Jünger stellen zunächst eine Frage, die auch uns vertraut ist: Wer hat gesündigt, dass dieser Mann blind geboren wurde? War er es selbst oder seine Eltern? Sie suchen nach einer Ursache, nach einer Schuld. Jesus aber weist diesen Blick zurück. Für ihn geht es nicht darum, die Vergangenheit zu analysieren oder moralische Schuld zuzuweisen. Er schaut nach vorne. Er fragt nicht: Wer ist schuld? Sondern: Wie kann Gottes Wirken hier sichtbar werden? Und so heilt er den Mann.

„Der Menschen sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

Der Geheilte kehrt als neuer Mensch zurück. Seine Nachbarn sind verwirrt. Ist er es wirklich? Der Mann aber weiß, was geschehen ist. Er bekennt schlicht und kraftvoll: „Ich war blind, und jetzt kann ich sehen.“ Dieses einfache Zeugnis trägt ihn durch alle Verhöre. Die Pharisäer können das Wunder nicht annehmen, weil es nicht in ihr religiöses Schema passt. Für sie steht fest: Jesus ist ein Sünder. Also darf durch ihn nichts Gutes geschehen sein. Ihre vermeintliche Klarheit macht sie blind.

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Hier erfüllt sich das Wort aus der ersten Lesung, in der Gott zu Samuel sagt: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ Gott urteilt anders. Er schaut nicht auf äußere Erscheinung, nicht auf gesellschaftliche Stellung oder religiöse Zugehörigkeit. Er blickt in die Tiefe. Daran erinnert auch der bekannte Satz aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Der ehemals Blinde lernt genau dieses Sehen. Während seine körperlichen Augen geöffnet werden, öffnen sich auch seine inneren Augen. Er erkennt, wer Jesus ist. Zunächst nennt er ihn einen Menschen, dann einen Propheten und schließlich bekennt er ihn als den Herrn. Sein Glaube wächst im Konflikt. Seine Eltern ziehen sich aus Angst zurück. Die religiösen Führer setzen ihn unter Druck. Schließlich wird er aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Doch er bleibt standhaft. Er lässt sich nicht einschüchtern. Seine Freiheit gründet in der Wahrheit, die er erfahren hat. Am Ende sucht Jesus ihn erneut auf und offenbart sich ihm als der Menschensohn, als der Messias. Die Begegnung wird zur Vollendung seiner Heilung: körperlich sehend und innerlich glaubend.

Barmherzig, hoffnungsvoll und auf das Herz gerichtet

Diese Geschichte ist ein Sinnbild für unseren Weg durch die Fastenzeit. Die Einladung für uns heute ist, zu lernen, wie Gott sieht. Das Äußere zu überschreiten und in das Herz zu schauen, mit dem Herzen sehen zu lernen, vor allem die Wahrheit zu sehen, wie der Mann im Evangelium, dafür einzustehen und wenn nötig zu leiden. Wir sind auch eingeladen, uns von falschen Bildern, vorschnellen Urteilen und innerer Blindheit heilen zu lassen. Wie oft bleiben wir an der Oberfläche stehen, beurteilen Menschen nach dem, was sichtbar ist, und suchen nach Schuldigen! Gott hingegen lädt uns ein, mit seinem Blick zu sehen: barmherzig, hoffnungsvoll und auf das Herz gerichtet. Ganz gleich, wie unser Leben bisher verlaufen ist und wie unterschiedlich unsere Lebenssituationen sind: Gott sieht unser Herz. Weil er das Herz sieht, handelt er anders, als es Menschen oft tun.

Gott sieht unser Herz. Weil er das Herz sieht, handelt er anders, als es Menschen oft tun.  
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Dr. Isaac Padinjarekuttu | Foto: zVg
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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