6. Sonntag im JK, 16.2.2025: Msgr. Herbert Döller
Die Welt kann keine Seligkeit bieten – das kann nur Gott
- Kirche der Seligpreisungen im Heiligen Land.
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Jesus steigt herab vom Berg und steht in der Ebene den Menschen Aug in Aug gegenüber, den Jüngern ebenso wie den Israeliten und den anwesenden Heiden. Bei Lukas spricht Jesus nur vier Seligpreisungen (gegenüber acht bei Matthäus) und stellt ihnen parallel vier Weherufe gegenüber. Damit sagt er sehr deutlich, worin seiner Meinung nach das WOHL und das WEHE der Menschen liegt.
Wenn wir die Seligpreisungen hören, konfrontiert uns die Kritik, dass Religion eine Vertröstung sei, mit der Frage: Muss es mir zuerst schlecht gehen, damit es mir dann einmal gut geht? Und bei den drohenden Wehrufen drängt sich die Frage der Jünger, die sie einmal stellten, auf: Wer kann da noch gerettet werden?
Die erste Frage lässt sich mit den Worten des Jeremia in der heutigen ersten Lesung beantworten, die aus Psalm 1 (heutiger Antwortgesang) zitiert. Das ewige Heil wird Menschen nicht deswegen geschenkt, weil es ihnen in diesem Leben schlecht geht, sondern weil sie sich in diesem Leben auf Gott verlassen, selbst dann, wenn es ihnen schlecht geht: in Armut, Hunger, Traurigkeit und Verachtung. Wie ein Baum am Wasser überstehen solche Menschen nicht nur dürre Zeiten ihres Lebens, sondern ihr Leben bringt reiche Frucht. Es dürfen sich davon also auch alle angesprochen fühlen, denen es in diesem Leben gut geht und die in diesem Wohlstand dennoch auf Gott vertrauen.
In der Dreigroschenoper von Bert Brecht heißt es: „Der eine steht im Dunkel, der andre steht im Licht, man sieht nur die im Lichte, die andern sieht man nicht.“ Die Reichen stehen im Licht: Anerkennung ist ihnen sicher, weil sie Geld haben. Der Satte hat schon alles. Er braucht nichts mehr. Der sich ins Fäustchen lacht, hat seine Schäfchen schon im Trockenen. Er hat es sich gerichtet. Und die sich beliebt gemacht haben in den Augen der Menschen, haben ihr Gewissen beruhigt. Aber diese Haltungen sind in den Augen Jesu, um es auch hier mit dem Psalmisten zu sagen: Spreu, die im Wind verweht, kein wertvolles Korn.
Gott im Blick haben
Wer sich alle seine Wünsche in dieser Welt erfüllen kann und erfüllt, läuft Gefahr, die Sehnsucht seiner Seele nach dem Ewigen, nach dem Letztgültigen zu verlieren. Und wer weiß und sich dessen klar ist, dass die ewige Seligkeit dauerhaft nur im Himmel zu haben ist, wird nicht darauf aus sein, alles und jedes in diesem Leben haben zu wollen und schon besitzen zu wollen. Wehe – sagt darum Jesus, wehe, wenn ihr so handelt und so lebt, denn das ist von den falschen Propheten infiziert, das ist eine falsche Richtung, die ihr da geht. Das Wehe, das sagt Jesus nicht als Bedrohung, sondern als Warnung! Seid aufmerksam! Denn diese Haltungen bedrohen das wahre Glück, das sind Haltungen, die sich nur an diese Welt klammern, und nicht den Himmel und nicht Gott im Blick haben.
Gerade in der letzten Seligpreisung und im letzten Wehruf gibt uns der Hinweis auf das Schicksal der wahren und der falschen Propheten Anlass, auf Jesus selbst zu schauen und dessen Schicksal angedeutet zu sehen. Der gehasst, ausgestoßen, geschmäht und schließlich sogar getötet wurde, ist auferstanden, wie es am letzten Sonntag hieß. Paulus sagt in der zweiten Lesung dieses Sonntags, da Christus auferstanden ist, ist unser Wohl und Wehe schicksalhaft mit ihm verbunden. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Jesus setzen, dann sind wir ärmer dran, erbärmlicher als alle anderen Menschen. Dann wäre all unser Bemühen um ein christliches Leben eine einzige Enttäuschung. Denn die Welt kann keine Seligkeit bieten, Momente vielleicht, aber keine Seligkeit. Das kann nur Gott. Dafür ist Christus gestorben und auferstanden! Und so erhalten diese Seligpreisungen ihr Gewicht gerade durch diese Auferstehung Jesu, die uns Paulus so eindringlich vor Augen stellt: Weil Christus auferstanden ist, darum haben auch diese Seligpreisungen Sinn und Wirkung für uns alle.
Denn bei diesem unserem Wohl, da geht es nicht um ein Wohlgefühl im Bauch hier auf der Erde, da geht es nicht um eine Wohlfühl-Atmosphäre, sondern bei seinen Worten da geht es um das ewige Leben, den Himmel!
Zum Autor
Msgr. KR Mag. Herbert Döller wirkte von 1994 bis zur Pensionierung 2024 als Stadtpfarrer in Waidhofen /Ybbs sowie einige Jahre in Zell. Er war Dechant des Dekanats Waidhofen/Ybbs und ist Kanonikus des Domkapitels. Diözesanweit hat er viele Aufgaben übernommen, derzeit bringt er mit Vorträgen vielen das Heilige Jahr näher. Herbert Döller lebt im Stift Seitenstetten.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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