Ostersonntag: Bischof Alois Schwarz
Das Noch-nie-Dagewesene

Maria von Magdala hält den Auferstandenden Jesus für den Gärtner. Fresko im Stift Göttweig.  | Foto: Archiv
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Mit meiner Botschaft vom Aschermittwoch habe ich versucht, Sie in eine Fastenzeit, die aus der Fülle lebt, zu begleiten. Vielleicht sind diese Gedanken noch präsent bzw. möglicherweise haben Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, von dieser Fülle auch erfahren. Die Fastenzeit als Prozess des Platzmachens für das Größere, das Noch-nie-Dagewesene.

Die Schrifttexte zum Ostersonntag kon-frontieren uns mit der ungeheuerlichen Zumutung Gottes an uns Menschen, das Noch-nie-Dagewesene, ein Leben nach dem Tod, zu erleben, um daran glauben zu können.

Auferstehungserfahrung

Diese Erfahrung machen die Jünger am offenen Grab Jesu. Simon Petrus und der „andere“ Jünger, wie es im Evangelium heißt, liefen zum Grab. Der andere Jünger sah das Unfassbare und zunächst war er nicht einmal in der Lage, das Grab zu betreten. Dann heißt es in der Schrift: „Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern daneben an einer besonderen Stelle“ (Joh 20,6-7). Danach getraute sich auch der andere Jünger ins Grab hinein und da heißt es: „Er sah und glaubte“ (Joh 20,8b). Die beiden Männer haben sich davon überzeugt, dass Jesus nicht mehr da war, und ihr Verstand, die Logik, dass er nicht mehr im Grab war, ließ sie glauben.

Ganz anders erleben wir die Glaubenserfahrung von Maria Magdalena. Während sie in dieser großen Aufregung die beiden Männer allein am Grab zurückließen, stand sie „draußen vor dem Grab und weinte“ (Joh 20,11a). Bei ihr ging das alles nicht so schnell. Das, was sie mit eigenen Augen gesehen hatte, überzeugte sie nicht. Sie verstand nicht, was geschehen war, und das machte sie unsagbar traurig. Sie spürte aber, dass sie das leere Grab noch nicht verlassen mochte. Sie hielt es aus, am Grab zu bleiben. Sie stellte sich ihrer Traurigkeit und aus einer tiefen inneren Verbundenheit mit Jesus, erkennt sie zunächst zwei Engel, die Vorboten des Auferstandenen. Sie spricht mit ihnen, als wären es irdische Wesen. Damit zeigt Maria Magdalena eine mögliche Gebetshaltung. Im Aussprechen ihrer Sorge dringt sie schließlich bis zu Jesus vor, den sie aber noch nicht erkennen kann. Dann aber heißt es im Evangelium: „Jesus sagte zu ihr: Maria!“ (Joh 20,16a). Als Jesus sie anspricht, sie beim Namen nennt, erkennt sie ihn. Unser Gott ist einer, der uns beim Namen nennt. Deshalb ist auch der Name, den wir einem Kind bei der Taufe zusprechen, so entscheidend. Er macht den Menschen zum Kind Gottes, das dann später in allen Lebenssituationen in Gott sein DU erfährt.

Ihre Traurigkeit, ihr Leid über den Verlust hat sie im betenden Dialog vor Gott gelegt.

Maria Magdalenas Einfühlsamkeit führte sie hin zu einer Glaubenserfahrung, die zu einem Glaubenserlebnis wurde. Dieser Moment, den sie nicht planen konnte, wird zu einem Neu-geboren-Werden in Gott, ein Geburtsvorgang, der das punktuelle und zeitlich begrenzte Geschehen des Todes öffnet in eine neue Weite und einen neuen Lebensraum bei Gott. Maria Magdalenas einfühlsames Hinhören hat sie zu heilsamen Antworten und einem besonderen Gotteserlebnis werden lassen. Das ist Ostern!

Wenn wir Gottes Zuwendung und Liebe in dieser Weise erleben dürfen, dann können wir gar nicht anders als mit Paulus zu sagen: „Und wir sind Zeugen“ (Apg 10,39a), so wie es in der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte heißt.

Zunächst wird die Glaubenserfahrung der beiden Jünger nicht ausformuliert, sondern es wird im Evangelium ausführlich von der Glaubens- und Ostererfahrung von Maria Magdalena erzählt, gleichsam so, als sollten wir an ihr lernen. Sie hat den Satz aus der zweiten Lesung, wie Paulus im Brief an die Kolosser schreibt, durch ihr einfühlsames Hinhören verstanden, wenn es heißt: „Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2). Sie hat ihr Herz und damit ihr Fühlen und Denken auf Gott gerichtet, weil sie ganz von der Idee beseelt war, Jesus wiederzufinden, auch dann, wenn er gestorben war. Ihre Traurigkeit, ihr Leid über den Verlust hat sie im betenden Dialog vor Gott gelegt. Dadurch geschah in ihrer Wahrnehmung das Noch-nie-Dagewesene, nämlich die Erfahrung, dass Jesus über den Tod hinaus in ein Leben bei Gott hineinverwandelt wurde.

Sie hat durch ihre Intuition und Einfühlsamkeit als erste erleben dürfen, was Auferstehung von den Toten bedeutet. Sie hat gelernt, dass es ein Wechselspiel braucht zwischen dem irdischen Dasein und dem Eintauchen in die göttliche Welt.

Möge an diesem Osterfest Ihnen allen diese wechselseitige Erfahrung durch Empathie und Einfühlsamkeit im Miteinander geschenkt werden.

Gesegnete Ostern wünscht
Ihr Bischof Alois Schwarz

Ihr
Bischof Alois Schwarz

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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