Wort zum Sonntag von GR Mag. Josef Pichler
Das dreifaltige Geheimnis – im Menschen Gott begegnen

Andrej Rublev (um 1360 bis 1430) legte seiner Dreifaltigkeits­ikone (um 1411) die biblische Überlieferung vom Besuch der drei Männer bei Abraham und Sara zugrunde. In dem Besuch der drei Gäste ist ihnen Gott selbst begegnet.
  • Andrej Rublev (um 1360 bis 1430) legte seiner Dreifaltigkeits­ikone (um 1411) die biblische Überlieferung vom Besuch der drei Männer bei Abraham und Sara zugrunde. In dem Besuch der drei Gäste ist ihnen Gott selbst begegnet.
  • Foto: The Yorck Project (2002) – 10.000 Meisterwerke der Malerei/Public domain
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Als Theologiestudent durfte ich in zwei Externsemestern in Innsbruck noch die letzten Vorlesungen des berühmten Konzilstheologen Karl Rahner hören. Die Vorlesung über das Geheimnis der Dreifaltigkeit begann er mit den unvergesslichen Worten: „Meine Damen und Herren. Wir werden uns nun ein ganzes Semester mit der Lehre über die heilige Dreifaltigkeit beschäftigen. Ich kann Ihnen versichern, dass am Ende meiner Vorlesungen dieses Geheimnis für Sie noch größer sein wird, als es schon jetzt für Sie ist.“

Durch meine Zeit in einer ökumenischen Kommunität in Deutschland ist mir die Dreifaltigkeitsikone des heiligen Malermönchs Andrej Rublev sehr ans Herz gewachsen, die für diese Gemeinschaft die Zusammenfassung ihrer Spiritualität darstellte.

Rublevs Dreifaltigkeitsikone – der biblische Hintergrund

Der Hintergrund von Rublevs wohl bekann­tes­ter Ikone ist die im Buch Genesis geschilderte Begegnung Abrahams mit seinen drei Gästen bei den Eichen von Mamre. Abraham sitzt zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. Er blickt auf und sieht vor sich drei Männer stehen. Ganz selbstverständlich geht er auf sie zu, lädt sie ein zu bleiben, sich zu stärken, auszuruhen. Er lässt seinen Gästen die Füße waschen, und seine Frau Sara muss eiligst ein Mahl zubereiten. Zunächst also ganz selbstverständliche, orientalische Gastfreundschaft für drei noch dazu unbekannte Besucher.

Erst beim Abschied kommt ein ganz neues Licht in diese Begegnung: Die drei Gäste haben Abraham noch etwas auszurichten, eine unglaubliche Botschaft: in einem Jahr werden sie wiederkommen, und Sara wird dann einen Sohn geboren haben. Sara kann darüber zu­nächst nur lachen. Wohl erst im Nachhinein mag es den beiden aufgegangen sein: Durch diese drei Gäste hat Gott selbst zu uns gesprochen, in diesem Besuch ist uns Gott selbst begegnet.

Menschliche und göttliche Dimension der Gastfreundschaft gehen ineinander, ein unbegreifliches Geheimnis. – Soweit der biblische Hintergrund dieser Ikone.

Die Botschaft der Ikone

Auch Andrej Rublev war sich wohl bewusst, dass man sich vom dreifaltigen Gott nicht so einfach ein Bild malen kann. Jeder Ikonenmaler betrachtet seine Aufgabe als einen heiligen Dienst, der von Gebet und Fasten begleitet ist. Aber was ist nun die tiefere Aussage und Botschaft dieser Ikone? Es geht um Gemeinschaft, um liebende Zuwendung, um Einheit, die in Gott ist. Wir können Gemeinschaft mit Gott haben, weil Gott in sich selbst schon Gemeinschaft, liebende Zuwendung ist. Und Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern das ewige Leben hat.

So wie Gott Abraham besuchte, so klopft er auch heute bei uns an die Tür unseres Herzens durch sein Wort, durch Begegnungen mit Menschen, die sein Bild und Gleichnis sind. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ (Offb 3,20)

Im Menschen Gott begegnen

Wenn Sie heute Besuch erwarten oder selbst einen Besuch geplant haben, was wird da passieren? Wir werden miteinander essen, es wird Neuigkeiten zum Erzählen geben, wir werden einen kleinen Spaziergang machen. Dabei kann mir ein Licht aufgehen: dass in der Liebe eines Menschen die liebende Zuneigung Gottes spürbar wird. Dass in den ermutigenden Worten eines Menschen Gott selbst mir Mut zuspricht.

Darin liegt die Chance aller menschlichen Begegnung: dass sie durchsichtig wird für die tiefere Dimension der Begegnung mit Gott, dass sie zu einem sonntäglichen Fest der Freude werden kann.

Mögen uns Augen und Herzen dafür aufgehen, dass uns in der Güte eines Menschen die Güte Gottes selbst begegnet.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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