30. Sonntag 2025: P. Sebastian Dumont
Barmherigkeit Gottes für die Demütigen

Der Pharisäer und der Zöllner im Tempel – das Gemälde von Lucas Cranach (vermutl. 1472-1553) befindet sich im Museo Lázaro Galdiano in Madrid. 
 | Foto: Foto: Madrid, Museo Lázaro Galdiano
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  • Der Pharisäer und der Zöllner im Tempel – das Gemälde von Lucas Cranach (vermutl. 1472-1553) befindet sich im Museo Lázaro Galdiano in Madrid.
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Einer von den Gesichtspunkten der Frohen Botschaft, die der Evangelist Lukas betont, ist die Barmherzigkeit Gottes, die den Demütigen erwiesen wird. Der Herr sehnt sich danach, uns an sich zu ziehen, indem er seine Barmherzigkeit in jene demütigen Herzen ergießt, die sich ihrer Sünde bewusst sind und die in seine bedingungslose Liebe vertrauen. Das können wir an drei Texten sehen, die nur im Evangelium nach Lukas zu finden sind.

Vielleicht sind das wir und
der Herr will uns ändern ...

Vor allem ist es das Evangelium dieses Sonntags, in dem Jesus das Gleichnis des Pharisäers und des Zöllners erzählt. Es richtet sich an „einige, die in ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten“. Vielleicht sind das wir und der Herr will uns ändern ...

Der Pharisäer vergleicht sich mit den anderen und da er sieht, dass er nicht solche Bosheiten begeht, hält er sich selbst für gerecht und glaubt, er wäre gut. Der Zöllner dagegen stellt sich in die Gegenwart Gottes und ist sich seiner Sünde bewusst, er weiß, dass er im Bösen verstrickt ist, und schlägt sich an die Brust zum Zeichen seines Schmerzes und seiner Reue.

Der erste (Pharisäer) steht aufrecht, seiner selbst sicher, der zweite (Zöllner) wagt nicht, seine Augen zum Himmel zu erheben, und ist sich nur seiner eigenen Armseligkeit sicher.
Der erste lobt sich selbst und seine guten Werke, der zweite bekennt seinen Glauben in die Güte Gottes, da er seine Barmherzigkeit und sein Mitleid erfleht.

Der erste erhebt sich selbst, macht sich etwas vor und meint, aus eigener Kraft Gutes getan zu haben. Der zweite ist demütig, geht den Weg der Wahrheit und bittet Gott, mit seiner Macht zu Hilfe zu kommen. Wenn der böse Feind uns raffiniert zum Hochmut versucht, weil wir gute Werke vollbracht haben, dann sollten wir an die Worte des heiligen Paulus angesichts seiner großen apostolischen Werke denken: „... nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir“ (1 Kor 15,10).

Am Ende empfängt nur der Zöllner, der offen für die Barmherzigkeit Gottes ist, das Heil mit Freude, während der Pharisäer, verschlossen in seinem eigenen Ich, allein und traurig zurückbleibt. „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 18,14).

Ein weiterer Text, der auch nur bei Lukas steht, spricht von der göttlichen Barmherzigkeit angesichts zweier sehr verschiedener Personen: das Gleichnis vom barmherzigen Vater mit seinem „verlorenen Sohn“ (Lk 15,11-32). Wie sollte man nicht im verlorenen Sohn den Zöllner wiedererkennen? Der Sohn, der reuig zu seinem Vater heimkehrte und sagte: „Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.“

Am Ende empfängt nur der
Zöllner, der offen für die Barmherzigkeit Gottes ist,
das Heil mit Freude.

Und wie sollte man nicht im älteren Bruder jenen wiedererkennen, der sich im Tempel für gerecht hielt? „Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten ...“ Auch hier erfuhr nur der jüngere Bruder das Heil, da er seinen Vater von Mitleid erfüllt sah, der sich ihm an den Hals warf, ihn mit Küssen bedeckte und ihm verzieh, voll Freude darüber, seinen so geliebten Sohn gefunden zu haben. Wiederum erfüllt sich das Evangelium: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Der dritte Text, wiederum dem Evangelisten Lukas eigen, ist das Magnificat der Jungfrau Maria. Sicher, sie demütigte sich nicht aufgrund ihrer Sünde, da sie doch nicht einmal den Makel einer lässlichen Sünde hatte, sondern sie anerkennt, dass alles, was sie hat, aus der göttlichen Barmherzigkeit fließt: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“. Nicht nur, dass Maria sich nicht hochmütig erhebt, sondern sie bekennt das Werk der Barmherzigkeit Gottes in ihr und sehnt sich danach, dass es allen zuteil werde. In ihr ist wirklich „erhöht, wer sich erniedrigt“.

Abschließend ein kleines Zeugnis: Es war der Anblick der vielen Armen in der Kirche von Santa Teresa in Cusco in Peru, die sich zum Beichtstuhl drängten. Da entdeckte ich einen Schlüssel für die Mission der Kirche: die Barmherzigkeit Gottes verkünden und erfahrbar machen. Dieses Sakrament zu spenden, ist eine der schönsten „Dienstleistungen“ des Priesters. Darin verwirklicht sich, dass wir an Christi statt bitten: „Lasst euch mit Gott versöhnen“ (2 Kor 5,20).

Lassen wir nicht nach, regelmäßig und demütig zu beichten, indem wir dieses Gebet wiederholen: „O Gott, sei mir armen Sünder gnädig!“ Auf diese Weise werden wir das barmherzige Herz Gottes besser kennenlernen und uns danach sehnen, dass es von allen gekannt und geliebt werde. Mögen uns die Demut und die Freude in dieser kommenden Woche begleiten!

Der Pharisäer und der Zöllner im Tempel – das Gemälde von Lucas Cranach (vermutl. 1472-1553) befindet sich im Museo Lázaro Galdiano in Madrid. 
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Pater Sebastian Dumont  | Foto: zVg
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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