Lieblingsbuch: Markus Bürscher, Seitenstetten
Stolzer Hüter der Bücher
- Bibliothekar Markus Bürscher in der Bibilothek vom Stift Seitenstetten
- Foto: Patricia Harant-Schagerl
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Seit 2024 ist Markus Bürscher Bibliothekar des Stifts Seitenstetten. Als sein Lieblingsbuch stellt er eine großformatige Bibel vor, die im 10. oder 11. Jahrhundert geschrieben wurde.
Es ist später Nachmittag und fahles winterliches Licht fällt durch die Fenster. Nicht ideal für einen Besuch der Stiftsbibliothek – denn hier gibt es nach wie vor keinen Strom und kein elektrisches Licht! Das tut aber dem ansprechenden Design der Bibliothek mit den einheitlich weißen Bücherrücken und den weißen Gestalten an den Deckenfresken keinen Abbruch – im Gegenteil.
Bibliothekar im Stift Seitenstetten ist Mag. Markus Bürscher, studierter Theologe und Altphilologe. Gefragt nach einem Buch, das ihm besonders am Herzen liegt, präsentiert er eine ungewöhnlich große mittelalterliche Handschrift, den Codex 79 a. Eine Besonderheit an ihr ist, dass sie nicht leicht zu finden ist. Eigentlich ist ihr Platz zwischen den kleinen Büchern 79 und 80, doch aufgrund ihrer Größe passt sie nicht ins Regal.
Die mittelalterlichen Handschriften werden in vergitterten Schränken aufbewahrt. „Ursprünglich waren das die ,Giftschränke‘, nehme ich an“, erklärt Bibliothekar Bürscher, „in denen die verbotenen Bücher standen, wie etwa Werke von Luther, Jan Hus oder Melanchton.“ Die wunderschöne großformatige Bibel-Handschrift aus dem 10./11. Jahrhundert liegt derzeit auf einem Tisch in einem abgeschlossenen und alarmgesicherten Raum. Geschrieben wurde sie auf makellosem Pergament – „für ein Doppelblatt starb eine Ziege“ –, was sie im Mittelalter sehr wertvoll machte.
Als „Lieblingsbuch“ ausgewählt hat Bürscher sie auch deshalb, weil sie die Geschichte der Bibliothek repräsentiert. Sie wurde nicht im Stift Seitenstetten geschrieben – sie ist deutlich älter als das Stift selbst –, sondern von der Philosophischen Fakultät Wien im Jahr 1765 angekauft. Weil das Stift im 18. Jahrhundert sowohl personell als auch wirtschaftlich einen Aufschwung erlebte, investierte man auch in Wissenschaft und Bildung und kaufte Handschriften und Bücher. „Man wollte das gesamte Wissen der damaligen Welt hier sichtbar machen.“ In Fachkreisen berühmt ist z. B. Codex 34, die älteste Abschrift (10. Jh.) – und wichtigster Textzeuge – der Parallelbiografien des Plutarch, eines um 125 n. Chr. gestorbenen griechischen Schriftstellers. PH
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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