Sommerserie: Maria Dreieichen
Aus starken Wurzeln leben
- Maria Dreieichen liegt am großen Mährischen Pilgerweg, der von Znaim kommend über Krems nach Lilienfeld führt, wo er sich mit der Via Sacra vereinigt und weiter nach Mariazell geht.
- Foto: Leopold Schlager
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Seit bald 350 Jahren pilgern Menschen nach Maria Dreieichen. Die namensgebenden Eichen sind fest im Erdreich verwurzelt – durchaus ein Symbol für Hoffnungspilger. Folge 6 unserer Sommerserie.
Auf einer Anhöhe des Manhartsberges erhebt sich über dem Horner Becken inmitten dichter Baumkronen weithin sichtbar die Wallfahrtsbasilika von Maria Dreieichen. Sie ist eine der 13 diözesanen Hoffnungskirchen im Heiligen Jahr 2025.
Die Wallfahrt begann recht unscheinbar damit, dass der Horner Bürger Matthias Weinberger vor seinem aus Wachs gegossenen Marienbild täglich betete. Als er erkrankte, erschien ihm die Muttergottes im Traum und gebot, dass Weinberger das Wachsbildnis an einer dreistämmigen Eiche am Molderberg zur öffentlichen Verehrung aufstellen sollte. Der Mann legte ein Gelöbnis ab und gesundete, aber er vergaß zunächst sein Versprechen. Erst als er zufällig bei einer Reise genau neben jener Eiche ausruhte, wurde er im Schlaf an sein Gelöbnis erinnert.
1656 ließ Weinberger das Wachsbildnis an der Eiche anbringen. 1680 zerstörte ein von Blitzschlag ausgelöstes Feuer das Marienbildnis. In der Folge wurde an der Stelle eine Kapelle aus Holz und später aus Stein errichtet, die von einem Einsiedlerbruder betreut wurde. 1740 übernahmen die Benediktiner aus dem nahen Stift Altenburg die Seelsorge für die Wallfahrer, und schon 1744 wurde unter Abt Placidus Much mit dem Bau der barocken Wallfahrtskirche nach dem Vorbild der Stiftskirche von Altenburg begonnen. Die Türme fielen jedoch bereits dem Wallfahrtsverbot unter Kaiser Joseph II. (1784) zum Opfer und wurden erst Jahrzehnte später fertiggestellt.
„Die Hoffnung kann man nicht festmachen, sie ist nicht verfügbar, und trotzdem trägt sie.“
Dem Kirchenbau ist die Hoffnung gewissermaßen ins theologisch-künstlerische Programm geschrieben. Viermal kommt der Gottesname in Form des Tetragramms (die vier hebräischen Buchstaben JHWH) in der Kirche vor, sagt Wallfahrtsseelsorger Pfarrer P. Michael Hüttl – ein Suchspiel, zumal sich die schon stark renovierungsbedürftigen Deckenmalereien dem heutigen Betrachter nicht unmittelbar in ihrer Aussage erschließen.
Viele machen sich auch gar nicht erst die Mühe, den Blick nach oben zu wenden. Doch genau darum ging es den Erbauern – so wie König Salomo bei der Weihe des Tempels betet: „Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.“ Und doch ist es die „Stätte, von der du (Gott) gesagt hast, dass dein Name hier wohnen soll“ (vgl. 1 Könige 8,27.29).
P. Michael hat in diesem Himmelsgewölbe eine Lieblingsszene: „David tanzt vor der Bundeslade – und Michal, seine Frau und Tochter Sauls, verlacht ihn deshalb. David aber sagt: Vor meinem Gott hab’ ich getanzt“ (vgl. 1 Chr 15,29). Für ihn als Seelsorger heiße das, „Frömmigkeitspraktiken anderer nicht zu beurteilen, denn sonst wird mein Wirken unfruchtbar bleiben“, so P. Michael Hüttl.
Die Hoffnung trägt
Was bedeutet Hoffnung für den Seelsorger im Wallfahrtsort Maria Dreieichen? Der Benediktinerpater, der auch Prior des Stiftes Altenburg ist, antwortet mit einem Psalmvers aus dem kirchlichen Stundengebet: „In te Domine speravi, non confundar in aeternum“ (Ps 71,1 – Herr, ich suche Zuflucht bei dir. Lass mich doch niemals scheitern!). „Die Hoffnung ist das, was uns im ganzen Kirchenjahr trägt.“ Sie öffne aber auch den Blick auf jene Menschen, „die ohne jede Hoffnung leben, ja leben müssen“.
Und P. Michael fügt noch ein biblisches Beispiel hinzu – die Heilung des Lahmen am Teich Betesda (Joh 5): „Da ist der Lahme, der dasitzt. Und das Aufwallen des Wassers. In diesem Bild gesprochen, habe ich jeden Tag die Chance, dieses Aufwallen des Lebenswas
sers zu sehen. Ich muss bereit sein, dort einzutauchen, wo dieses Lebenswasser aufwallt. Die Hoffnung kann man nicht festmachen, sie ist nicht verfügbar, und trotzdem trägt sie. Sie ist so viel größer als das Thema eines Heiligen Jahres.“
Kurz notiert
Pilgerweg: Ausgehend beim Gasthaus Vlasaty folgt man zunächst dem „Grasl-weg“ (Markierung 27) hinunter bis zum Landgasthaus Knell. Dort geht es nach rechts und in wenigen Minuten führt der Weg zum sagenumwobenen „Riesenstein“ in Mold. Hier zweigt man abermals rechts ab und gelangt der Markierung 44 folgend wieder zurück nach Maria Dreieichen. Gehzeit ca. 1 1/4 Stunden. Eine Karte beim Parkplatz südlich der Wallfahrtsbasilika informiert über weitere Rundwege um Rosenburg-Mold.
Die Türen offen halten
Ein besonderer Hoffnungsmoment war es für P. Michael, als ihn in der Karwoche 2013 der Abt gebeten hat, in Maria Dreieichen zu wirken. Er „habe in der Pfarre damals niemanden gekannt“, so P. Michael. Inzwischen ist er „einer von einem ganzen Team, die dazu da sind, die Türen offen zu halten. Der Gastgeber ist Gott“, sagt Hüttl. Zur Sonntagsmesse kommen oft an die 400 Mitfeiernde – etwa so viele, wie die Pfarre Maria Dreieichen Einwohner hat. „Menschen haben hier eine geistige Heimat gefunden. Da hat sich Hoffnung erfüllt – und erfüllt sich immer wieder“, so der Pfarrer. Er erlebe das, wenn Menschen anlässlich von Ehejubiläen um Segen bitten. Auch heute kommen Menschen in ihrer Not, wenn sie von einem plötzlichen Schicksalsschlag getroffen wurden, wie z. B. eine Frau nach einem schweren Unfall ihres Sohnes. Oder jener Mann, der mit Rucksack in die Kirche kommt, vor dem Hochaltar niederkniet, betet und – unauffällig wie er gekommen ist – weiter seines Weges geht.
Der Ort an der Grenze von Wald- und Weinviertel hat heute auch eine verbindende Qualität. Für die heimatvertriebenen deutschsprachigen Südmährer und inzwischen auch deren Nachkommen ist Maria Dreieichen seit 1945 zu einem fixen Treffpunkt bei den jährlichen Wallfahrten geworden. Papst Pius XII. hat dem Gotteshaus 1957 den Titel einer „Basilica Minor“ verliehen. Eine Kapelle ist dem besonderen Gedenken an die von Papst Johannes Paul II. ernannten Patrone Europas gewidmet. Und auch Papst Leo XIV. ist bereits im Waldviertel angekommen, sein Porträt im Kirchenraum ist kaum zu übersehen.
Mächtige Kronen – tiefe Wurzeln
Im Motiv der Eiche liegt eine Verbindung zu zwei anderen Hoffnungskirchen im Waldviertel: Zur Gründungslegende von Maria Taferl gehört ein an einer Eiche angebrachtes Marienbild. Für das Stift Zwettl wiederum ist die im Winter grünende Eiche der Hinweis auf jenen Ort, an dem das Kloster errichtet werden sollte – darum die geradezu überdimensionale Eiche im Zentrum des Hochaltars der dortigen Stiftskirche. Mächtige Eichen und Kiefern säumen in Maria Dreieichen den Weg von der Basilika zur nahen Bründlkapelle. Auch wenn man es ihnen nicht sogleich ansieht: Ihre Kraft kommt aus ihren Wurzeln. Leopold Schlager
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.