Pilgerorte der Welt: Međugorje
Geistlicher Ort des Friedens

Pilger auf dem Erscheinungsberg | Foto: zVg
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Međugorje ist der „Beichtstuhl der Welt“ und gibt Zeugnis davon, wie ein geistlicher Ort Früchte des Friedens und der Nächstenliebe wachsen lassen kann. Ein Beitrag von Pfarrer i. R. Norbert Burmettler

Wallfahrten können dem Leben wichtige Richtungsweisungen geben: Bei einer Wallfahrt 1968 nach Maria Taferl habe ich mich zum Beispiel endgültig entschlossen, in das Priesterseminar St. Pölten einzutreten. Ich führe diesen Ruf auf die Fürsprache Mariens zurück. Ein weiterer Wallfahrtsort, der bis heute mein persönliches und seelsorgliches Leben prägt, ist Međugorje in Bosnien-Herzegowina. Ein Vorbeter aus der Pfarre Haugschlag hatte mich eingeladen, mit ihm und einigen Pilgern dorthin zu fahren. Dort machte ich einprägsame Erfahrungen: einfache und gläubige Bevölkerung, die durch Rosenkranzgebet Kraft für den schwierigen Alltag erhält.

Die Berichte von Marienerscheinungen an sechs Kinder, begonnen am 24. Juni 1981, sind nicht von Wundersucht oder übertriebener Frömmigkeit geprägt. Ich konnte einige von ihnen kennenlernen: junge Leute, die trotz Drohungen und Misshandlungen durch die Kommunisten sich nicht abbringen ließen zu bezeugen, dass ihnen die Muttergottes erscheint. Der Pfarrer von Međugorje, Jozo Zovko, der die Kinder verteidigte, wurde für einige Jahre ins Gefängnis gesteckt, wo er ’brutal gefoltert wurde.

Mehr als zwanzig Mal bin ich seither als geistlicher Begleiter mit Pilgergruppen dorthin gefahren. Fünf Schwerpunkte hat eine Pilgerfahrt nach Međugorje: die Heilige Messe als Quelle und Höhepunkt, Rosenkranz als Gebet mit dem Herzen, Bibel, Fasten, Beichte. Ziele sind bewusste Hingabe an Gott, tätige Nächstenliebe und Impulse für den Frieden aufzunehmen.

Die Botschaften lauten: ausgestreckte Hände der Liebe zu sein, für den Frieden zu beten.

Die Botschaften von Maria, der Königin des Friedens lauten: ausgestreckte Hände der Liebe zu sein, in Demut für den Frieden zu beten, an der Versöhnung unter den Menschen zu arbeiten, weil das Gift des Egoismus und des Hasses die Menschen beherrscht.

Die „Einsprechungen“ an die Seher werden monatlich veröffentlicht. Ein bischöflicher Administrator von Rom begutachtet die Aussagen. Am 19. September 2024 erfolgte das „nihil obstat“, die offizielle kirchliche Bestätigung, dass nichts der Bibel und dem kirchlichen Lehramt widerspricht.

Es gibt ein jährliches Jugendfestival, bei dem sich ca. 60.000 Jugendliche treffen. In jugendlicher Weise wird gesungen und gebetet, Gottesdienste mit hunderten Priestern und Bischöfen gefeiert, eucharistische Anbetung besinnlich gestaltet, Beichtangebote werden reichlich genützt und Katechesen gehört. Die jeweiligen Päpste geben ihnen immer eine Grußbotschaft. Eine lebendige weltumspannende Kirche ist erlebbar! Auch haben viele in Međugorje den Ruf zum Priester- und Ordensstand erkannt.

Verschiedene Orden sind dort vertreten, z. B. die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, „Gemeinschaft Maria, Königin des Friedens“, „Oase des Friedens“. Diese betreuen Pilger, bieten Vorträge an, gestalten Gottesdienste, die vormittags in jeweiligen Sprachgruppen gefeiert werden. Abends ist am Außenaltar der Kirche die sogenannte „internationale Messe“, an der tausende Gläubige teilnehmen. Die Messtexte werden simultan übersetzt. Anschließend ist eucharistische Anbetung, an manchen Tagen Kreuzverehrung und Heilungsgebet.
Die Pilger gehen gerne auf den Erscheinungsberg. Dort hatten die Seher die ersten Begegnungen mit der „Gospa“. Mehrmals hat Maria zu ihnen gesagt, es „soll Friede herrschen zwischen Gott und den Menschen!
Durch das Sakrament der Buße erfahren manche eine persönliche Heilung. In mehr als 30 Beichtstühlen und im Freien bieten Priester in verschiedenen Sprachen das Sakrament an. Man bezeichnet Međugorje als „Beichtstuhl der Welt“.

Früchte Međugorjes

Ob eine Gruppe oder eine Spiritualität menschlichen Ursprungs ist oder von Gott inspiriert wurde, erkennt man an den „Früchten“, die sie hervorbringen. Dazu zählen in besonderer Weise die sozialen Einrichtungen von Međugorje. Hoffnungsvoll ist das „Cenacolo“, eine Stätte für suchtkranke Jugendliche, von der es Ableger in über 70 Ländern gibt, unter anderem auch in Österreich. In Međugorje geben diese Jugendlichen bewegende Glaubenszeugnisse, wie sie aus ihren Dunkelheiten herausgekommen sind: durch Gebet, Arbeit, Gemeinschaft und geistliche Betreuung. Die innere Heilung wird der Fürsprache von Maria zugeschrieben und der gegenseitigen Ermutigung. Ein Jugendlicher, der von den Süchten losgekommen ist, betreut einen Neuankömmling als „Schutzengel“, der ihn durch eigene Lebens- und Glaubenserfahrung Mut zuspricht.

Bei jeder Pilgerfahrt besuchen wir das „Mutterdorf“. Waisenkinder und alleinstehende Mütter erfahren dort Geborgenheit und zugleich Unterstützung für schulische Ausbildung. Auch künstlerische Begabungen werden gefördert.

Ein weiteres weltweites soziales Projekt ist ebenfalls durch Međugorje entstanden: Mary’s Meals, ein Schulernährungsprogramm, das täglich mehr als 2,4 Millionen Kinder in 18 der ärmsten Länder speist. Der Schotte Magnus MacFarlane-Barrow hat 2002 diese Aktion begründet, nachdem er als Jugendlicher Međugorje kennengelernt hatte.

Die Rückkehr von Međugorje in den Alltag soll ermutigend sein, als hoffnungsvoller Christ zu leben: Maria hat sich durch ihr „Ja-Wort“ vom Heiligen Geist beschenken lassen, dass sie Mutter von Jesus wurde. Auch wir dürfen uns der Wirkkraft des Heiligen Geistes ausliefern – dazu bestärkt uns Međugorje.

Terminhinweise:

Pilgerfahrt nach Međugorje:
von 10. bis 15. September; Auskünfte und Anmeldung bei Margret Pöchhacker, Tel. 0664 635 68 97 oder bei Reisebüro Kerschner, Tel. 0676/833 36 621
Wallfahrt nach Maria Taferl:
am Sonntag, 28. Juni: für alle Međugorje Pilger und für alle, die für den Frieden beten wollen: 14.15 Uhr Rosenkranz und Beichtgelegenheit. 15.00 Uhr: Wallfahrtsgottesdienst und Primiz-Segen von P. Dominik Akash, anschließend Heilungsgebet.

Gebet am Wallfahrtsort

Gib, dass mein Herz wie eine Blume sei,
die sich entfaltet, wächst und Frucht trägt in Fülle.
Heiliger Geist,
durch Maria
erwähle ich dich zum Herrn meines ganzen Wesens.
Ich weihe dir alle meine Kräfte und Fähigkeiten.
Maria, ich übergebe dir mein Leben in Liebe.
Ich weihe mich dir, dass ich betend Frieden, Liebe und Kraft zur Versöhnung finde.
Ich übergebe dir meine Familie und alle meine Freunde,
mit denen ich lebe und arbeite. Darum bitte ich mit Maria durch Jesus Christus
P. Slavko Barbaric, langjähriger geistlicher Begleiter der Seher und Pilger


Autor

Norbert Burmettler, wurde am 7. Februar 1949 in Loich geboren und wurde am 29. Juni 1973 in Krems durch Bischof Franz Žak zum Priester geweiht. 1973 war er Kaplan in Lunz, es folgten Pfarrstellen in Litschau, Haugschlag und Gaming. Anschließend war er Dompfarrer und Mitglied des Domkapitels St. Pölten. 2020 trat er in den Ruhestand, seither hilft er als Pfarrer im Pfarrverband „Ötscherland“ mit.

Pilger auf dem Erscheinungsberg | Foto: zVg
Pilger bei einer Messe auf dem Erscheinungsberg | Foto: zVg
Kreuz auf dem Erscheinungsberg | Foto: zVg
Gläubige in Medjugorje vor der Basilika | Foto: zVg
Muttergottes-Statue in Medjugorje | Foto: zVg
Gottesdienst in Medjugorje | Foto: zVg
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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