Familie
„Onkel Mis“

Schenken Onkel, wie am Symbolbild, oder die Tante ihren Nichten 
oder Neffen Zeit, dann ist damit für Groß und Klein oft viel Spaß verbunden. 
 | Foto: Dusan Petkovic – stock.adobe.com
  • Schenken Onkel, wie am Symbolbild, oder die Tante ihren Nichten
    oder Neffen Zeit, dann ist damit für Groß und Klein oft viel Spaß verbunden.
  • Foto: Dusan Petkovic – stock.adobe.com
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

Den ersten Nachwuchs in der Großfamilie zu haben, ist aufregend und für jedes Familienmitglied anders. Ein Erfahrungsbericht, wie es ist, das erste Mal Onkel zu werden.

Dass ich zum Studieren in eine Stadt gezogen bin, die vier Stunden von meinem Heimatort in Bayern entfernt liegt, habe ich immer für eine gute Idee gehalten. Mit voller Überzeugung konnte ich sagen: Ich habe nie bereut, nach Wien gezogen zu sein. Das erste Mal aber, dass ich es bereut habe, war, als meine Schwester ihren Sohn zur Welt gebracht hat. Zu wissen, dass ich durch diese große Distanz nur wenig Gelegenheit hätte, ihn zu sehen, tat weh.

Mein Neffe ist der erste der „neuen Generation“ in meiner Familie – und dementsprechend groß war die Vorfreude. Jetzt ist er bereits fast zwei Jahre alt und sieht aus, als wäre er einem Bilderbuch entsprungen. Vielleicht bin ich voreingenommen, aber ich habe noch nie ein fröhlicheres, lustigeres und süßeres Kind gesehen. Meine ganze Familie ist in ihn vernarrt, meine Schwester und ihr Mann natürlich, meine Brüder und meine Eltern – besonders mein Vater, der schon ganz früh eine sehr enge Bindung zu seinem ersten Enkel hatte. „Opa Auto Brumm“, ruft mein Neffe fröhlich, wenn ihm seine Mutter sagt, dass der Opa ihn heute abholen und sie einen Tag gemeinsam verbringen werden. Dass sein Diesel-Skoda „Brumm“ macht, im Gegensatz zum E-Auto meiner Schwester, ist ein besonderes Highlight für den Kleinen.

So wie es ihn irrsinnig freut, jemandem etwas „schenken“ zu können: einen Stein, den er im Garten gefunden hat, eine Blume, ein Stück Breze – sein Lieblingsessen, das er mit jedem teilen möchte. Mit seinen Bechern und kleinen Gläsern prostet er uns zu, wenn wir gemeinsam essen. Wenn sein Vater Kaffee an seiner Siebträgermaschine macht, schaut er ihm interessiert dabei zu und imitiert die Geräusche der Maschine. Es gibt so viele kleine Dinge, die durch seine Freude daran so viel bedeutender werden.

Sich hineinzuversetzen in die Freude, die Welt zum ersten Mal zu entdecken ...

Als Eltern sieht man das jeden Tag – ich erlebe das nur hin und wieder und trotzdem zeigt es mir einen ganz anderen, neuen Blickwinkel auf die alltäglichsten Dinge. „Mit den Augen der Kinder sehen“ klingt nach einer Plattitüde, aber es ist schon etwas dran: Sich hineinzuversetzen in diese Freude, die Welt zum ersten Mal zu entdecken, berührt einen unweigerlich.

Meinen Vornamen „Matthias“ kann mein Neffe nicht aussprechen, dafür hat der Name für ihn wahrscheinlich zu viele Konsonanten und ist zu lang. Das stört mich nicht, eigentlich ganz im Gegenteil. Während er meine übrigen Familienmitglieder mit ziemlicher Präzision benennen kann, bin ich für ihn „Onkel Mis“. Er hat seinen eigenen Namen für mich gefunden und irgendwie ist das fast noch schöner, als hätte er schon früh einen Spitznamen für mich.

Was mir mein Neffe gibt, kann ich sagen: eine tiefe Freude darüber, mit diesem kleinen, wunderbaren Menschen durch unsere Familien verbunden zu sein. Was Onkel und Tanten ihren Nichten und Neffen geben können, ist – im Gegensatz zum Beispiel zur Mutter-Kind-Beziehung – ein noch unerforschtes Gebiet. Das ändere sich zwar, erklärte der Wiener Psychologe Harald Werneck unlängst, sei aber empirisch komplex, weil viele Faktoren zusammenspielen, die die Beziehung zwischen beispielsweise einer Tante und einer Nichte beeinflussten. Was man aber ziemlich sicher sagen könne, sei laut Werneck, dass der Kontakt mit Onkeln und Tanten den Kindern schon früh lernen helfe, mit unterschiedlichen Charakteren umzugehen.

Hilfe für die Eltern

Daneben können natürlich auch die Eltern von ihren Geschwistern und Schwagern profitieren, indem diese ihnen z. B. bei der Betreuung der Kinder ab und zu helfen. Das gebe es auch im Tierreich: Menschenaffen und Elefanten kümmern sich auch um fremde „Kinder“. „Das scheint sich in der Evolution bewährt zu haben“, sagt Werneck.

Eine ganz einfache Hilfe kann ein gelegentliches Geschenk sein. Eine nicht repräsentative Umfrage unter jungen Eltern in meinem Familien- und Freundeskreis ergibt, dass Gutscheine das beliebteste Geschenk sind: Drogerien, Supermarkt, etc. – ständig braucht man irgendwas.

Das besonders „Komfortable“ am Onkel-sein, ist: Man bekommt die vielen schönen Dinge rund um die Kinder mit. Darum, Windeln zu kaufen, muss man sich als Onkel oder Tante nicht kümmern. Ich kann mich darauf freuen, wieder „Onkel Mis“ genannt zu werden. Und ich kann mich freuen, dass meine Schwester im März ihr zweites Kind bekommen wird.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ