Bücherschätze der Stifte
Mein Lieblingsbuch: Gebete und Kräuter
- Chorherr Benedikt Felsinger zeigt ein Gebetsbuch, das den Dreißigjährigen Krieg überstanden hat.
- Foto: Patricia Harant-Schagerl
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Kräuterpfarrer Benedikt, Hüter der Bibliothek des Stifts Geras, stellt sein Lieblingsbuch vor: ein Gebetsbuch aus dem 16. Jahrhundert, das die Ordensmänner durch den Dreißigjährigen Krieg trug.
Das Gebetsbuch aus dem Ende des 16. Jahrhunderts hat viel mitgemacht, das sieht man sofort. Viele Seiten sind zerrissen, der Einband beschädigt. „Dieses Buch spricht so viel“, erklärt Herr Benedikt Felsinger den Grund, warum er es als Lieblingsbuch ausgewählt hat. Das Gebet habe die Chorherren durch schwierige Zeiten getragen, das Brevier den Dreißigjährigen Krieg überlebt. „Während des Dreißigjährigen Kriegs haben die Chorherren es mit ganz einfachen Mitteln ausgebessert und dafür gesorgt, dass es verwendbar bleibt.“
Kriege haben den ursprünglichen Bestand der Stiftsbibliothek – darunter mittelalterliche Werke mit schöner Buchmalerei – vernichtet bzw. stark dezimiert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kaufte und sammelte das Stift Bücher unterschiedlicher Provenienz, z. B. aus dem nicht weit entfernten Schloss Schrattenthal. Zu den ältesten Schätzen gehört ein Graduale aus dem 15. Jahrhundert, das an anderer Stelle – verschlossen – aufbewahrt wird.
Der in Horn geborene Prämonstratenser ist zuständig für die Stiftsbibliothek Geras, jedoch vor allem bekannt als „Kräuterpfarrer“, in der Nachfolge des legendären Hermann Josef Weidinger. Deshalb zeigt uns Herr Benedikt auch ein Kräuterbuch aus der erst 1803 mit einem aufklärerischen Fokus auf die Wissenschaft erbauten Bibliothek. Das 1679 gedruckte Kräuterbuch wird derzeit als Faksimile in der Bibliothek ausgestellt. Die Traktate über die einzelnen Kräuter und ihre Anwendungsmöglichkeiten sind mit schönen Kupferstichen illustriert.
Kräuter-Wissen im Jahr 1679
„Für jemanden, der sich mit Pflanzenheilkunde beschäftigt, ist es interessant, in frühere Zeiten zurückzublicken, z. B. in die Renaissance oder ins Barock“, meint Herr Benedikt. Damals habe man oft auf antike Kenntnisse zurückgegriffen. Eigentlich basiere die europäische Medizin auf der Medizin des östlichen Mittelmeerraumes, wo jüdische, christliche und muslimische Ärzte zusammenwirkten. In das Kräuterbuch aus 1679 flossen überliefertes und aus eigenen Forschungen erworbenes Wissen ein. „Das medizinische Wissen ist im Kloster gehütet und praktiziert worden“, sagt der Kräuterpfarrer. „In der praktischen Anwendung entstehen neue Kenntnisse.“ Das Stift Geras, als das am längsten durchgehend bestehende Prämonstratenser-Kloster der Welt, könne auch auf eine lange medizinische Tradition zurückblicken, z. B. mit seinem Kräutergarten. Man könne davon ausgehen, dass es im Stift eine Apotheke gab. Die schönste Kloster-Apotheke habe aber das Stift Göttweig.
Patricia Harant-Schagerl
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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