Wo Kunst aus Hitze entsteht:
Weißes Gold und heißes Feuer
- Porzellankreuz aus der Manufaktur Paquier, hergestellt in Wien um 1730. Das Kreuz ist in der aktuellen Ausstellung „Im Feuer geboren“ im Museum am Dom zu sehen. Das Porzellankreuz ist eine Leihgabe des Dominikanerklosters Wien.
- Foto: Museum am Dom
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In der Jahresausstellung „In Feuer geboren“ befasst sich das Museum am Dom neben der christlichen Bedeutung des Elementes auch mit Sakralkunstwerken, die durch Feuer entstanden sind. Dazu gehören auch die Objekte aus Porzellan, die diese Woche im Fokus stehen.
Porzellan ist eine besonders feine Variante der Keramik. Die ältesten Porzellanstücke findet man bereits im alten Ägypten, trotzdem gilt China als Erfinder des Porzellans (ca. 7. Jahrhundert). Über den Seeweg gelangt es ab dem Mittelalter nach Europa, wo es als Luxusgut gehandelt wird – allein der lange Transportweg aus Asien führt zu enormen Preisen. Aus diesem Grund wird über Jahrhunderte versucht, selbst in Europa Porzellan herzustellen – denn wer als Erster das „weiße Gold“ produzieren kann, kann es selbst zu einem hohen Preis weiterverkaufen.
Im frühen 18. Jahrhundert kommt es zum Durchbruch: Ohne mit den jahrhundertealten chinesischen Rezepturen vertraut zu sein, gelingt es Johann Friedrich Böttger in Dresden, erstmals in der europäischen Geschichte Porzellan zu brennen. 1710 wird die erste Porzellanmanufaktur Europas in Meißen gegründet, 1718 gründet Claudius du Paquier die Wiener Porzellanmanufaktur (ab 1923 Porzellanmanufaktur Augarten).
Sakrale Kunstwerke aus
Porzellan sind hingegen
sehr selten.
Aufgrund der Feinheit des Materials und des aufwendigen Herstellungsprozesses in Handarbeit sind Porzellanfiguren vor allem in der Barockzeit beliebte Sammlerstücke in den europäischen Herrscherhäusern. Porzellan ist aufgrund seiner Rohstoffzusammensetzung und der hohen Brenntemperaturen besonders dicht und hart sowie beständig gegenüber Säuren und Laugen. Es kommt daher auch häufig im technischen sowie im Sanitär- und Geschirrbereich zum Einsatz. Sakrale Kunstwerke aus Porzellan sind hingegen sehr selten
Eines dieser wenigen christlichen Kunstwerke ist aktuell im Museum am Dom zu sehen: Es handelt sich um ein spektakuläres Porzellankreuz mit einer beachtlichen Höhe von knapp einem Meter. Das Objekt ist eine Leihgabe des Dominikanerklosters in Wien und stammt aus dem 18. Jahrhundert, wie die barocken Formen sofort erkennen lassen.
Die Tatsache, dass dieses Kreuz gänzlich aus dem „weißen Gold“ besteht, ist etwas ganz Außergewöhnliches – die Herstellung eines so großen Gegenstandes aus Porzellan ist eine Herausforderung. Deshalb ist das Kreuz aus mehreren zylindrischen Teilen zusammengesetzt, die auf einem Sockel mit Reliefs (von links: Kreuztragung, Kreuzabnahme, Verspottung) montiert sind. Der feine Dekor macht das Kreuz zu einem beinahe einzigartigen Objekt. Ganz einzigartig ist es allerdings nicht: Vor wenigen Monaten wurde im Gartenpalais Liechtenstein ein sehr ähnliches Kreuz aus dem Besitz des Cleveland Museum of Art (USA) gezeigt. Dieses stammt vom bereits angesprochenen Wiener Hersteller du Paquier, weshalb auch das in St. Pölten gezeigte Porzellankreuz dieser Manufaktur zugeschrieben werden kann. Im Gegensatz zum ausgestellten Objekt besteht das Kreuz aus Cleveland nicht gänzlich aus Porzellan, sondern hat Balken aus Holz.
Barockobjekte aus der Manufaktur du Paquier in Wien
In der Ausstellung ist noch ein weiteres Barockobjekt der Manufaktur du Paquier zu sehen: Es handelt sich um einen figürlichen Weihwasserbehälter, der die heilige Veronika darstellt. Diese reichte dem kreuztragenden Jesus ein Tuch, um sich Blut und Schweiß abzuwischen. Dabei prägte sich das Antlitz Christi auf wunderhafte Weise in das Textil ein. Die Heilige wird daher auch auf dem Weihwasserbecken mit diesem Schweißtuch dargestellt, das das Gesicht Jesu zeigt. Derartige Weihbrunnkessel werden ab dem 18. Jahrhundert immer populärer. Wegen der Dichtheit werden dabei neben Porzellan auch Steingut und Steinzeug als Materialien verwendet.
Porzellan ist zwar im Vergleich zu Edelmetallen, Holz und Glas ein in der Sakralkunst eher selten verwendeter Werkstoff, dennoch entstehen immer wieder spannende künstlerische Positionen aus dem „weißen Gold“. Davon kann man sich bei einem Besuch im Museum am Dom überzeugen. Maximilian Zach
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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