Konzertkritik von Franz Reithner
Leuchtende Musik aus dem Mittelalter
- Krypta im Stift Göttweig
- Foto: Stift Göttweig
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Franz Reithner, Mitarbeiter in der Abteilung Kirchenmusik, über das Eröffnungskonzert von Musica Sacra im Dom zu St. Pölten.
Leuchtende Musik aus dem Mittelalter erklang beim zweiten Konzert des Festivals „Musica Sacra“ in der Krypta des Benediktinerstiftes Göttweig. Kompositionen der heiligen Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen wurden vom Ensemble Tiburtina aus Prag gesungen und auf Harfen und Dulce melos begleitet.
Die sieben Frauen aus Tschechien beschäftigen sich seit 2008 mit der Musik des Mittelalters. Ihre Leiterin, Barbora Kabátková, liefert die wissenschaftlichen Grundlagen für eine authentische Interpretation der Texte und Melodien, die das Repertoire des Gregorianischen Chorals erweitern und übernimmt solistische Aufgaben ebenso wie die improvisatorische Ergänzung mit der gotischen Harfe. Als Spezialistin für das Musizieren auf dem Hackbrett und seinen historischen Formen, zu denen auch das Dulce melos gehört, setzte Margit Übellacker präzise rhythmische Akzente und lieferte gemeinsam mit den Harfen eine Vorahnung von Harmonie, die den einstimmigen Gesang wie eine schimmernde Aura umgab.
Raumfüllende und doch homogene Tongebung der hochprofessionellen Sängerinnen beeindruckte das auf Tuchfühlung sitzende Publikum. Manches trug auch die von Gewölben geprägte Architektur des Raumes zur Faszination des Abends bei. Die Frage nach der Rolle des Menschen im Schöpfungsplan Gottes tönte in vielen Facetten durch das Werk der heiligen Hildegard von Bingen. Sie erfuhr im abschließenden Psalm 8 ihre einfach rezitierte Antwort: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott.“
Infos: www.festival-musica-sacra.at/
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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