Fest der Epiphanie
„Wir haben seinen Stern gesehen“

Anbetung der Könige. Spätgotische Darstellung von einem Altar in der romanischen Stiftskirche von Innichen im Pustertal, Südtirol.
  • Anbetung der Könige. Spätgotische Darstellung von einem Altar in der romanischen Stiftskirche von Innichen im Pustertal, Südtirol.
  • Foto: Leopold Schlager
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Zu Weihnachten ist die Krippe noch nicht vollständig. Am 6. Jänner erst werden die „Heiligen Drei Könige“ dazugestellt. Das alte Fest Epiphanie an diesem Tag bringt noch einmal das Geheimnis der Christnacht zum Leuchten.

Der 6. Jänner ist seit der Frühzeit eines der ganz großen Feste im Kirchenjahr. Es war im Orient – von Ägypten bis Syrien – das Weihnachtsfest schlechthin, lange bevor der Tag des „Unbesiegten Sonnengottes“ (Sol Invictus) am 25. Dezember im Abendland als Datum der Geburt Jesu Verbreitung fand. Seit Papst Gregor dem Großen († 604) beging die abendländische Kirche Epiphanie als Fest mit einem dreifachen Inhalt: der Anbetung der Weisen, der Taufe Jesu im Jordan und dem ersten Wunder Jesu, dem Weinwunder auf der Hochzeit zu Kana. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Anbetung der Weisen zum Hauptakzent dieses Tages gemacht, den Festnamen aber beibehalten. Im Fest Epiphanie oder „Erscheinung des Herrn“ finden so die weihnachtlichen Ereignisse um die Ankunft des Gottessohnes in Menschengestalt eine abschließende Bündelung.

Nur der Evangelist Matthäus erzählt von den „Magiern“ aus dem Osten. „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (Matthäus 2,1-2). Darin steckt eine zentrale Aussage: Jesus ist ein, ja der König schlechthin. Deshalb wird er mit königlichen Gaben beschenkt. Königen näherte man sich mit einem Kniefall. Diese ehrfurchtsvolle Geste war in Israel Gott allein vorbehalten.

Ein Licht, das über den Völkern aufstrahlt

Für Matthäus erfüllt sich so eine Weissagung aus dem Alten Testament. Es heißt im Psalm 72: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben.“ Damit ist aber auch bereits die Mission unter den „Völkern“, d. h. auf dem ganzen bewohnten Erdkreis, angedeutet, zu der die Jünger nach der Auferstehung Jesu beauftragt werden. Der Missionsauftrag ist also schon in der Menschwerdung Jesu grundgelegt, Epiphanie gilt als ältestes Missionsfest der Kirche. Die Magier wurden schon bald als Vertreter eben dieser (Heiden-)Völker gedeutet, denen das Licht des wahren Glaubens erschienen ist. Auf frühchristlichen Reliefs etwa werden die Magier übrigens mit phrygischen Mützen dargestellt, die zur kultischen Kleidung der Priester des persischen Gottes Mithras gehörten.

Epiphanie, also das „Aufscheinen“ Gottes vor allen Völkern, darf nicht auf die in der Kunst oft idyllisch verklärte Szenerie an der Krippe Jesu eingeengt werden. Albrecht Dürer und andere große Meister haben in ihre Gemälde stets auch schon im Hintergrund das Kreuz als die Zielperspektive im Leben Jesu angedeutet. Das Kommen Gottes in die Welt, sein Erscheinen in armseliger Menschengestalt ist ein Ereignis, das die Welt verändert, vor dem die Mächtigen erzittern: Es erschraken „Herodes und mit ihm ganz Jerusalem“, heißt es bei Matthäus. Schon an der Krippe wird deutlich, was sich später immer klarer zeigen wird: Herodes der Große (er starb bald nach der Geburt Jesu und war selbst kein Jude, somit also ein mit Gunst der Römer agierender Fremdherrscher) und in besonderer Weise dessen Nachfolger Herodes Antipas (4 v. Chr. – 39 n. Chr.) und die religiösen Führer Israels nehmen Jesus nicht an, die Heiden dagegen wenden sich ihm zu – auch sie gehören zur Kirche, dem neuen Volk Gottes.
Gold, Weihrauch und Myrrhe

Was aber hat es mit den Gaben auf sich, die die Magier dem neugeborenen König bringen – Gold, Weihrauch und Myrrhe? Gold leuchtet wie die Sonne, es war Königen vorbehalten, diente vor allem zur Ausstattung des Tempels in Jerusalem. Es bringt also eine besondere Nähe zu Gott zum Ausdruck. Kostbar und teuer war auch Weihrauch, der gleichsam vom Ende der Welt herangebracht wurde. Streut man Weihrauch auf Glut, werden intensive Duftstoffe freigesetzt. Weihrauch war ein Zeichen der Verehrung der Anbetung Gottes oder auch des als Gott verehrten Kaisers in Rom. Die Botschaft ist klar: Das Kind, das die Weisen aus dem Orient finden, ist nicht irgendein Kind – es ist der Sohn Gottes. Myrrhe wurde ebenfalls als Räucherwerk verwendet, fand aber auch im Bestattungsritual bei der Salbung des Leichnams Verwendung. Die dritte Gabe der Weisen kann damit als ein Hinweis auf den Kreuzestod Jesu gedeutet werden, aber eben nur im Kontext der beiden anderen: Als Sohn Gottes und göttlicher Herrscher ist er auch Herr über den Tod.
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Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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