Synodaler Prozess
„Fit for mission“ werden

Generalvikar Christoph Weiss und Ressortleiterin Ursula Hirsch leiten das Synodalteam der Diözese St. Pölten
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Papst Franziskus will mit einem Synodalen Prozess neuen Schwung in die katholische Kirche bringen und lud alle Diözesen weltweit zur Vorbereitung der Weltsynode ein. In der Diözese St. Pölten übernahm ein Synodalteam rund um Generalvikar Dr. Christoph Weiss und Ressortleiterin Ursula Hirsch die Vorbe­rei­tungs­arbeiten. Im „Kirche bunt“-Interview sprechen sie über ihre Arbeit, die Herausforderungen sowie die Ziele des Vorbereitungsprozesses.

Im Herbst 2021 startete Papst Franziskus in allen Diözesen der Welt einen Synodalen Prozess. Seither wird auch in unserer Diözese daran mitgearbeitet. Doch viele wissen nicht, was das Ziel dieses Synodalen Prozesses ist.

Generalvikar Christoph Weiss: Synode heißt „gemeinsamer Weg“, Synoden wurden und werden weltkirchlich zu unterschiedlichen Themen abgehalten. Nun widmet Papst Franziskus eine Synode dem Thema „Synodalität“ selbst und wird dabei ganz grundsätzlich: Was heißt das? Wie kann das gehen? Was braucht es dafür? Prägend dafür sind dem Heiligen Vater die drei Begriffe Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung – mit einer klaren Zielperspektive auf den Begriff der Sendung, also auf „Mission“! Es geht darum, als Gemeinschaft zu begreifen, dass jeder einzelne Christ und jede einzelne Christin in der Gemeinschaft der Kirche teilhat an der Sendung der Kirche.

Ursula Hirsch: Im Synodalen Prozess geht es um die Grundfrage: Wo würde Jesus heute hingehen? Was würde er tun? Da geht es darum, für den anderen da zu sein. Synodalität zielt darauf ab, dass wir als Jüngerinnen und Jünger Jesu daran erkannt werden, dass wir einander lieben und auch miteinander so umgehen. Und dass wir dann auch mit der Frohen Botschaft hinausgehen.

Was ist in den drei Phasen in unserer Diözese geschehen?

Generalvikar Weiss: In der Phase 1 – Gemeinschaft – waren Familien, Pfarren, Gemeinschaften usw. eingeladen, gemeinsam Gottes Stimme zu hören. Dazu haben wir Videoimpulse und Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt. In der Phase 2 haben wir über die Nöte gesprochen, die wir sehen. Davon ausgehend haben wir uns in der Phase 3 gefragt: Was machen wir jetzt konkret? Das bedeutet, Neues in den Blick zu nehmen, neue Kontakte zu knüpfen, neue Aufgaben anzugehen.

Die Diözese hat alle Pfarren, Gläubigen, Gemeinschaften in der Diözese zum Mittun aufgerufen. So wurde z. B. ein Fragebogen ausgeschickt bzw. auf der Synoden-Webseite „aufsendung.at“ bereit gestellt. Wie zufrieden war man mit der Beteiligung?

Generalvikar Weiss: Wir haben uns bemüht, aufgrund der Perspektive, die der Heilige Vater vorgegeben hat, zu erfragen, wie Synodalität aktuell praktiziert wird. Wir sehen – auch aufgrund des Fragebogens –, dass Synodalität sehr stark im Pfarrgemeinderat gelebt wird. Gleichzeitig gibt es immer noch Entwicklungspotenzial – also nicht nur zu sagen: Wir sitzen eh’ beieinander und reden, sondern sich zu fragen: Was ist unsere Perspektive, unser Ziel? Mitunter wurde der Fragebogen wie ein Wunschzettel an den Papst gesehen, das war jedoch nicht Sinn der Sache, sondern es ging darum, in eine Selbstreflexion zu kommen und zu hinterfragen: Wie leben wir Sy­no­dalität? Wie steht es um unsere Teilhabe an Christus durch die Taufe? Da geht es wesentlich um die Frage: Wie können wir gemeinsam diese Sendung als Kirche ausführen?

Und was soll das nun in der dritten Phase konkret geschehen?

Ursula Hirsch: Dass wir ganz deutlich unterscheiden und ausprobieren: Wie ist es, wenn wir im Vertrauen auf den Heiligen Geist und mit einem Gebet etwas tun und hinausgehen? Wie ist es, wenn wir die Pfingstnovene beten und uns wirklich vom Heiligen Geist senden lassen? Was passiert da? Da sind wir schon neugierig. Und es ist genial, dass wir wissen, wenn wir in der Sendung solche Ini­tiativen setzen, dass viele andere mit derselben Motivation unterwegs sind. Es geht darum, dass wir nicht den eigenen Glauben im eigenen Namen hinaustragen, sondern wirklich die Frohe Botschaft von Jesus. Wenn wir das im Vertrauen auf den Heiligen Geist tun, dann ist das keine Last, sondern dann ist da Freude, Motivation und ein Feuer!

Generalvikar Weiss: Ich denke mir, vielleicht sind wir oft mutlos, wie es auch die Apostel mitunter waren. Oder wir schauen auf das, was wir schon alles probiert haben. Und ich verstehe das auch: Man probiert so vieles und irgendwann sagt man: Da geht nichts weiter, das bringt nichts … Wir möchten Mut machen, Erneuerung zuzulassen, Neues auszuprobieren – die Sendungswoche, die nach Pfingsten beginnt, bietet sich dazu an. Da muss man jetzt nicht etwas auf die Beine stellen, was in den nächsten drei Jahren läuft, sondern es ist gut, wenn man einen spontanen Akzent setzt. Ich war in der Fas­tenzeit in der Pfarre Wösendorf und dort wurde die Frage gestellt: Wo würde Jesus hingehen, mit wem würde er reden und was würde er tun? Letztlich geht es darum, zu konkreten Menschen zu gehen, an konkreten Orten für die Menschen da zu sein – im Wirtshaus, am Sportplatz … Denn: Die Idee zu haben ist das eine, aber sich den Ruck zu geben und das konkret umzusetzen, ist etwas anderes – das macht den Unterschied aus.

Das braucht ganz schön Mut und Kraft!

Generalvikar Weiss: Ich glaube, es wird uns ähnlich gehen wie den Jüngern – sie sind aus dem Raum, in dem sie um den Heiligen Geist gebetet hatten, hinausgegangen und haben Überraschungen erlebt. Überraschungen, die sie nie erwartet hätten. Da wirkt der Heilige Geist, der uns diesen Mut gibt, hinauszugehen und etwas auszuprobieren. Die Dynamik des Synodalen Prozesses könnte unter dem Motto „fit for mission“ stehen: dass wir uns als Gemeinschaft bewusst werden, dass wir einen wichtigen Auftrag in dieser Welt haben: das Evangelium zu leben und zu verkünden.

Wie wird man „fit for mission“?

Ursula Hirsch: Das ist schon eine Herausforderung – da verlassen wir schon unsere Komfortzone und wenn jeder das hinausträgt, wovon er begeistert ist und wovon er Kraft schöpft, dann kann das nur wertvoll sein. Wenn ich z. B. eine Bibelstelle kenne, die mir persönlich schon so viel Kraft gegeben hat, dann wäre es z. B. eine Möglichkeit, genau diese Bibelstelle – gemeinsam mit anderen – auf dem Bahnhof zu verteilen – vielleicht sogar mit einem Kipferl dazu. Das Wichtige ist, dass man nicht alleine geht, sondern mindes­tens zu zweit unterwegs ist. Denn Jesus hat ja auch die Jünger mindestens zu zweit ausgesandt. Am Anfang steht immer das Gebet und die Frage: Heiliger Geist, was dürfen wir tun?

Gibt es da in der Diözese schon konkrete Ansätze?

Ursula Hirsch: Im Jugendhaus K-Haus in Eggenburg haben Jugendliche einen „Touch point mit Gott“ eingerichtet. Sie haben bunte Kärtchen ausgeteilt und die Menschen haben darauf ihre schönsten Momente mit Gott festgehalten. Mit diesen bunten Kärtchen wurde ein Baum vor der Kirche sehr schön geschmückt. Dann gibt es z. B. die Tratschbankerln der Caritas in vielen Pfarren. Oder Jugendliche haben Büchertische am Markt gemacht, dann Kerzen verteilt und die Menschen in die Kirche zum Lobpreis eingeladen. Auch der „Gebetsdienst“ ist eine schöne Möglichkeit, um Menschen zu fragen: Darf ich für Sie beten?

Welche Erkenntnis hat das Synodalteam durch den Synodalen Prozess?

Generalvikar Weiss: Wir haben gemerkt, es braucht für Synodalität Zeit. Eigentlich war das jetzt auch eine Testphase: Wir selber – auch als Synodalteam – haben Erfahrungen gesammelt. Jeder und jede lernt in und von einem Synodalen Prozess. Es ist wichtig, das Thema der Syno­dalität in der Zielperspektive der Sendung der Kirche in die Welt weiterhin wach zu halten.

Wie wichtig ist Synodalität für die Diözese, die Kirche und uns Gläubige?

Generalvikar Weiss: Der Synodale Prozess ist nicht da, damit die Leute uns etwas schenken, sondern dass wir ihnen etwas schenken – und letztlich, dass sie sich selber beschenken lassen. Nämlich mit dem Glauben an den Auferstandenen – in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Und dass sich die Menschen bewusst sind, dass sie von Gott geliebt sind.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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