Bischof Alois Schwarz kündigte an:
Seligsprechungsverfahren für Leopold Figl

Österreich ist frei! Unterzeichnung des Staatsvertrags. Außenminister Leopold FIGL - Adolf SCHÄRF - Wjatscheslaw MOLOTOW (UdSSR) - Julius RAAB am Balkon des Belvedere. Wien. 15. Mai 1955.
  • Österreich ist frei! Unterzeichnung des Staatsvertrags. Außenminister Leopold FIGL - Adolf SCHÄRF - Wjatscheslaw MOLOTOW (UdSSR) - Julius RAAB am Balkon des Belvedere. Wien. 15. Mai 1955.
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Bischof Alois Schwarz kündigte an, für Leopold Figl, den ersten Bundeskanzler der Zweiten Republik, ein Seligsprechungsverfahren einzuleiten.

Leopold Figl ist für mich ein Politiker – je mehr ich mich da hineinvertiefe in diese Gestalt – umso innerlich sicherer werde ich: Wir müssen und sollten hier einen Seligsprechungsprozess einleiten“, kündigte Bischof Alois Schwarz in einem Interview für den Privatsender P3tv.
Als Gründe für diesen Schritt führte Schwarz die versöhnliche Persönlichkeit des christlichsozialen Politikers an, und deutet auch ein Martyrium Figls an, der im Jahr 1965 an den Spätfolgen der Misshandlungen im Konzentrationslager gestorben ist: „Der Mann hat so viel Hoffnung gebracht. Er war nie nachtragend. Und hat im KZ Schläge erhalten, die ihn eigentlich das Leben gekostet haben.“ Figl sei ein Politiker gewesen, der weit über die ideologischen Grenzen hinweg Brücken gebaut habe, so Schwarz.

Vorbereitungen haben bereits begonnen

Die Vorbereitung zur Einleitung des Seligsprechungsprozesses sei bereits im Gange, ein Priester sammle derzeit alle nötigen Informationen, so Schwarz. Zur Frage, wie lange der Seligsprechungsprozess für Leopold Figl dauern könnte, wollte sich Bischof Schwarz nicht festlegen: „Das hängt davon ab, wie schnell uns Leopold Figl das eine oder andere Wunder schenkt im Selig­sprechungsprozess.“ Der Bischof deutet aber an, dass es bereits Menschen gäbe, denen Figl Kraft in schwierigen Situationen gegeben habe.

Österreich gedachte 2020 des Weltkriegsendes und der Befreiung vor 75 Jahren. Diese Zeit und die ersten beiden Jahrzehnte der Zweiten Republik sind dabei untrennbar mit Leopold Figls (1902-65) verbunden. Die Befreiung Wiens durch die Rote Armee im April 1945 rettete ihn vor der Exekution. 20 Jahre später und fast auf den Tag genau zehn Jahre nach Unterzeichnung des Staatsvertrags verstarb der Staatsmann am 9. Mai 1965.

Der christlichsoziale Politiker wurde als prominenter Funktionär des Ständestaates schon am 12. März 1938 verhaftet und mit dem sogenannten Prominententransport vom 1. April 1938 in das KZ Dachau gebracht. Nach fünf Jahren im KZ wurde Figl am 8. Mai 1943 entlassen, aber schon ein Jahr später schien sein Leben besiegelt: Er wurde am 8. Oktober 1944 neuerlich verhaftet und ins KZ Mauthausen verbracht. Angeklagt des Hochverrats war seine Hinrichtung beschlossene Sache und nur mehr eine Frage der Zeit. Allein dem raschen Vorrücken der Roten Armee war es zu verdanken, dass Figl am 6. April 1945 aus dem Wiener Landesgericht entlassen wurde.
Bereits wenige Tage später wurde Figl zum Mitbegründer der ÖVP und war dann ab 27. April 1945 als Staats­sekretär Mitglied der provisorischen Staatsregierung unter Karl Renner. Am 20. Dezember 1945 wurde Figl schließlich zum ersten Bundeskanzler der Zweiten Republik gewählt. In diesem Amt und dann ab 1953 als Außenmi­nister war sein politisches Hauptziel die Wiedererlangung der vollen Freiheit und Souveränität des von den Alliierten besetzten Österreich.

In diesen Jahren war Figl schon unter den frühen Mitgliedern des Rosenkranz-Sühnekreuztugs, einer vom Franziskanerpater Petrus Pavlicek 1947 gegründeten Gebetsbewegung. Figl war zeitlebens davon überzeugt, dass die Freiheit Österreichs nicht nur durch politisches Geschick, sondern auch durch das Gebet erreicht werden könne. Zeugnis davon sind die Bilder von marianischen Lichterprozessionen über die Wiener Ringstraße mit hunderttausenden Teilnehmern und Bundeskanzler Julius Raab sowie Außenminister Leopold Figl an der Spitze. Zehn Jahre nach Kriegsende konnte Figl nach Unterzeichnung des Staatsvertrags am 15. Mai 1955 die lang ersehnten Worte sprechen: „Österreich ist frei.“

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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