Inlandskampagne
Caritas macht auf Frauenarmut aufmerksam
- Caritas-Pressegespräch in St. Pölten, v. l.: Generalsekretär Christoph Riedl, Beate Wildthan (Sozialberatung), Klientin Lisa, Beate Schneider, Leiterin Caritas Inlandshilfe, Energiesparberater Wolfgang Studeny.
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Rund 170.000 Menschen sind in Niederösterreich armutsgefährdet. Österreichweit sind es 1,3 Millionen, 336.000 Menschen gelten als absolut arm. Vor allem Frauen haben ein hohes Risiko, von Armut betroffen zu sein, darauf machte die Caritas der Diözese St. Pölten bei einem Pressegespräch zum Auftakt der Inlandskampagne „Weil’s deine Nachbarin ist, die ihren Strom nicht bezahlen kann“ aufmerksam.
Sie zahlen die Miete zu spät. Sie drehen die Heizung im Winter ab. Ihre Kinder können nicht am Schulausflug teilnehmen, sie haben nicht genug zu essen. An Kino oder Urlaub ist nicht zu denken. Die Rede ist von Frauen. „Besonders betroffen sind Alleinerziehende sowie Frauen in der Pension“, so Caritas-Generalsekretär Christoph Riedl.
Ein Umstand, den die Caritas auch in den Sozialberatungsstellen bemerkt. Seit der hohen Inflation bleibt die Nachfrage nach Hilfe und Unterstützung hoch. Auch im Jahr 2025 werden es an die 12.000 Kontakte sein, die die Sozialberatungs- und Nothilfestellen in der diözesanen Caritas verzeichnen.
Teuerung, gestiegene Mieten und die hohen Energiepreise sind für viele eine große Herausforderung. „Strom, Gas, Wärme, Holz, Öl – diese Wörter kommen in den meisten der oft verzweifelten Anrufe bei der Sozialberatung vor. Vor allem, wenn es um die Begleichung von Jahresabrechnungen und hohe Nachzahlungen geht“, erzählt Beate Schneider, Leiterin der Caritas-Inlandshilfe.
„Es sind vorwiegend alleinstehende Frauen, die mit 1.000 Euro im Monat Miete, Energie und Lebenshaltungskosten stemmen müssen. Wenn wir in der Sozialberatung gemeinsam ausrechnen, wie der Lebensalltag zu bewältigen ist, kommt meist eine Null oder eine Zahlungsunfähigkeit heraus“, berichtet Schneider. Mit 2.000 Klienten gab es heuer erstmals Kontakt. 810.129 Euro wurden bereits an Unterstützungszahlungen ausgezahlt, das meiste entfiel auf Unterstützung beim Wohnen, Energie und Soforthilfen.
Die Existenzängste sind immer da
„Diese Existenzängste, wie geht es weiter, werden die Kinder genug zu essen haben usw. – darum kreisen ständig die Gedanken“, erzählt Lisa, Klientin bei der Sozialberatung. Ausschlaggebend war die Trennung von ihrem Mann, danach war sie Alleinerzieherin von drei Kindern. „Das Geld hat nicht gereicht, für das Heizen war nichts mehr übrig. Ich bin dann mit den Kindern spazieren gegangen und habe immer meine zwei großen Taschen dabeigehabt, um Klaubholz zum Heizen zu sammeln“, erzählt Lisa.
„In intensiven Gesprächen haben wir mit Lisa ihre Lage aufgearbeitet“, schildert Caritas-Sozialberaterin Beate Wildthan. Es gab für Lisa Unterstützung beim Ankauf von Holzbriketts und bei offenen Rechnungen. Besonders wichtig waren die psychosoziale Unterstützung, die Energiesparberatung, die Klärung der finanziellen Situation, um eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln.
Politische Vorhaben wie die Streichung der Familienbeihilfe für Sozialhilfebezieher oder die Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrags für Mindestpensionisten hätten die Situation für Frauen zusätzlich verschärft, so die Caritas.
Hilfsmöglichkeiten
- Stromspenden sind von Privatpersonen und Unternehmen möglich. Infos: www.caritas-stpoelten.at/stromspende.
- Spenden zur Inlandskampagne:
Caritas Spendenkonto: IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000; Kennwort: Inlandshilfe.
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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