Angelus Silesius
Weihnachten in uns

Roratemesse vor dem Bild der schwangeren Maria in der Kirche von Karl dem Großen in Prag. | Foto: zVg
  • Roratemesse vor dem Bild der schwangeren Maria in der Kirche von Karl dem Großen in Prag.
  • Foto: zVg
  • hochgeladen von Matthias Wunder

Ist Weihnachten nur Punschstand und Geschenkeshopping? Angelus Silesius sagte schon vor 400 Jahren, dass Weihnachten ohne eine richtige Innerlichkeit, ohne Vergegenwärtigung im Einzelnen immer nur oberflächlich bleibt.

Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.“ Wer kennt nicht diese aufrüttelnden Zeilen aus der Hand des großen Mystikers und Dichters Angelus Silesius? Sie fassen in Kürze zusammen, was er als sein Lebensziel auserkor: Die weihnachtliche Ankunft des Gottessohnes in der Welt nicht bloß äußerlich zu verstehen, sondern Christus auch in sich selbst ankommen zu lassen.

Vielleicht war dieser Zugang der Tatsache zu verdanken, dass Johannes Scheffler, der später als Angelus Silesius bekannt werden sollte, ausgerechnet am Weihnachtstag, dem 25. Dezember 1624, im schlesischen Breslau geboren und getauft wurde. Scheffler, der sein Leben letztlich dem Kampf für den katholischen Glauben verschrieb, war jedoch zunächst Protestant. Sein Vater Stanislaus, ein Angehöriger des polnischen Adels, war wegen seines protestantischen Glaubens von Krakau nach Breslau gekommen.

Scheffler besuchte das traditionsreiche Breslauer Elisabeth-Gymnasium und begann dort, erste Gedichte zu schreiben. Nach Absolvierung des Gymnasiums besuchte er die Universitäten von Straßburg, Leiden und Padua, um Medizin zu studieren. Anschließend kehrte er nach Schlesien zurück und verdiente als Leibarzt des protestantischen Herzogs in Oels (heute: Oleśnica, Polen) seinen Lebensunterhalt.

Neben seinem Brotberuf widmete sich Scheffler zunehmend der mystischen Dichtkunst, kam deswegen jedoch in Konflikt mit dem Hofprediger von Oels, der – nach protestantischer Manier – nichts von Mystik hielt. Nach diesem Streit kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und praktizierte dort als Arzt.

Scheffler beschäftigte sich intensiv mit Fragen des christlichen Glaubens und kam immer mehr in einen Zwiespalt mit der Lehre seiner Konfession. Am 12. Juni 1653 kam es schließlich zu etwas im damaligen Breslau Unerhörtem: Er bekannte sich öffentlich in der Matthiaskirche zum katholischen Glauben, wurde gefirmt und nahm den Namen Angelus Silesius („schlesischer Engel“) an. Dieser Schritt erregte größtes Aufsehen unter der mehrheitlich protestantischen Stadtbevölkerung. Scheffler veröffentlichte daher eine Schrift, in der er seinen Schritt erklärte. Im „Lutherthum“ sah Scheffler eine „Abgötterei der Vernunft“. Es sei ihm zufolge nicht auf das Wort Gottes gegründet, „sondern ein bloß eigensinniges Vernünfteln der unerleuchteten und von zuvor eingebildetem falschen Wahn eingenommenen Lehrer“.

Innere Suche nach Gott

Seine innere Suche nach dem richtigen Weg, den er im Katholizismus gefunden hatte, verarbeitete Scheffler in seinem berühmten Gedicht „Ich will dich lieben, meine Stärke“, das heute als Lied im Gotteslob (Nr. 358) bekannt ist. Dort heißt es in der dritten und vierten Strophe:

Ach, dass ich dich so spät erkannte,
du hochgelobte Schönheit du,
dass ich nicht eher mein dich nannte,
du höchstes Gut und wahre Ruh;
es ist mir leid, ich bin betrübt,
dass ich so spät geliebt.

Der Konvertit wurde zu einem der energischsten Vertreter der schlesischen Gegenreformation. Durch polemische Streitschriften versuchte er, die Argumentation der protestantischen Theologie zu widerlegen. Bei Prozessionen trat er auf wie ein „Engel und Gottes-Both, unerschrocken und unüberwindlich, mit einer brennenden Fackel in der Lincken, mit einem Crucifix in der Rechten, mit einer dörnern Cron auff dem Haupt, mit einem Seraphischen Eyfer und Resolution im Hertzen“, wie ein Zeuge schilderte.

Seine Dichtkunst hingegen setzte er dazu ein, um den Menschen den Aufbau einer persönlichen Gottesbeziehung zu erleichtern. Dabei zieht sich ein Thema durch viele seiner Gedichte: die Bitte um die Ankunft Gottes in einem selbst, um Weihnachten im eigenen Herzen. Das bekannteste Gedicht ist diesbezüglich zweifellos das eingangs Zitierte, in dem es in weiteren Strophen heißt:

Ach könnte nur dein Herz zu einer Krippe werden,
Gott würde noch einmal ein Kind auf dieser Erden.
Ist deine Seele still und dem Geschöpfe Nacht,
so wird Gott in dir Mensch und alles wiederbracht.

Auch das weitere bekannte Gotteslob-Lied aus der Feder Schefflers, „Morgenstern der finstern Nacht“ (Nr. 372) ist von dieser Bitte getragen:

Morgenstern der finstern Nacht,
der die Welt voll Freuden macht.
Jesu mein, komm herein,
leucht in meines Herzens Schrein.

Zu Weihnachten wurde Johannes Scheffler vulgo Angelus Silesius geboren, nach seinem persönlichen Weihnachten suchte er zeitlebens. Er verbrachte auch seinen Lebensabend in Breslau und verstarb dort am 9. Juli 1677. Seit seiner Bekehrung strebte er in all seinem Wirken nach der Verwirklichung der christlichen Ideale, sodass er über sein Leben sagen konnte: „Ich habe als ein aufrichtiger Christ gehandelt, indem ich, was ich in meinem Herzen getragen, in gänzlicher Überzeugung meines Gewissens mit dem Munde öffentlich bekannt habe“. Felix Deinhofer

Autor:

Felix Deinhofer aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ