50.Todestag von Josef Andreas Jungmann
Von Hainstetten nach Rom
- Der Jesuit und Konzilstheologe Josef Andreas Jungmann
- Foto: Jesuiten Innsbruck
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Am 26. Jänner jährt sich der Todestag des Innsbrucker Jesuiten und Konzilstheologen Josef Andreas Jungmann zum 50. Mal. Mit seinem Hauptwerk, das er in Hainstetten verfasste, trug er maßgeblich zu den Liturgiereformen des Zweiten Vaticanums bei.
Die liturgische Bewegung griff die ursprüngliche Sicht der Liturgie als Feier der ganzen Kirche auf und forderte deshalb die verstehende und tätige Teilnahme aller. Josef Andreas Jungmann, einer der wichtigsten Vertreter dieser Bewegung wurde am am 16. November 1889 in Sand in Taufers (Südtirol), geboren. Schon früh hatte sich der Jesuit vorgenommen, an einer umfassenden religiösen Reform mitzuwirken. Diesem Ziel wollte er, seit 1934 ordentlicher Professor für Pastoraltheologie an der Universität Innsbruck, durch seine theologische Forschung dienen, vor allem diejenige zur Geschichte von Verkündigung, Frömmigkeit und Gottesdienst.
Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe heißt Jungmanns liturgiegeschichtliches Hauptwerk. Was darin steckte, erkannte man in Rom sofort als das Buch erschienen war: Auf Bitten der Ritenkongregation verfasste Jungmann 1948 und 1950 Gutachten zur Reform der Mess-Ordnung. Das II. Vatikanische Konzil (1962–1965) brachte für Jungmann, der wegen seiner liturgiegeschichtlichen Studien längst Weltruf besaß, neue Aufgaben: Er wurde zum Berater berufen. So hat er den Entstehungsprozess der Liturgiekonstitution maßgebend geprägt, ebenso die vom Konzil eingeleitete Reform der liturgischen Regeln und Bücher.
Liturgiegeschichte in Hainstetten
Weniger bekannt ist, dass Jungmann die Arbeit an seinem Hauptwerk im niederösterreichischen Hainstetten abschloss. Die Nationalsozialisten hatten 1938 die Innsbrucker Theologische Fakultät und das internationale Priesterseminar Canisianum und 1939 das Jesuitenkolleg aufgehoben. Mehrere Professoren führten seither in Sion (Kanton Wallis, Schweiz) einen notdürftigen Studienbetrieb fort. Andere, auch Jungmann, gingen nach Wien. 1942 übersiedelte Josef Andreas Jungmann in das Schloss Hainstetten, das seit 1931 im Besitz der Kongregation der Armen Schulschwestern vom III. Orden des hl. Franziskus ist. Dort befand sich ein Erholungs- und Pflegeheim für die Schwestern sowie eine Musterlandwirtschaft mit 90 ha Grund.
Die 1723 von Maria Theresia Zechner in Hallein gegründete Kongregation nahm sich ursprünglich den benachteiligten Kinder der Salinenarbeiter an. Auch in Amstetten waren die „Halleiner Schulschwestern“ vertreten. Dort lag das Hauptaufgabengebiet der Kongregation in der Erziehung von Mädchen. Obgleich die Schule von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde, kam es – bis auf wenige Ausnahmen – zu keinen Enteignungen von Kirchenbesitz. Dies erklärt auch, dass die Schulschwestern das Schloss Hainstetten bei Viehdorf weiter bewohnen und bewirtschaften konnten.
„Im Hügelland eine Oase“
In der Abgeschiedenheit Hainstettens verfasste Jungmann einen großen Teil seiner Liturgiegeschichte. Der Schriftsteller Peter Ebner (1932–2018) beschreibt in der Erzählung „Missarum Sollemnia“ diese produktive Zeit. Der Text gehört zu einer Sammlung mit dem Titel Für Gott und die Welt. Jesuiten zwischen den Fronten. Der angesprochene Gegensatz steht auch programmatisch für die genannte Erzählung, ein fiktiver innerer Monolog Jungmanns. Der 53-jährige sieht seinen Aufenthalt auf Schloss Hainstetten als „Geschenk“: „Ein Dorf. Eigentlich nicht einmal ein Dorf. Ein Gutshof. Ein Wirtschaftsgebäude. Im Hügelland eine Oase, und angeschlossen ein Haus, stockhoch und oben ein paar Zimmer für Priester.“
Der Aufenthalt fernab der Zeitläufte wird lediglich durch die Anwesenheit des Verwalters Simmerau getrübt, ein fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus, der wahrscheinlich aber eine fiktive Figur ist. Der Lärm aus dessen Radioapparat stört die stille Abgeschiedenheit. Marschmusik und Nachrichten über Kriegsereignisse unterbrechen immer wieder das intensive Quellenstudium für die Geschichte der Messfeier.
Jungmann versucht, sich auf sein Buchprojekt zu konzentrieren und die Geräusche der Außenwelt auszublenden. Virtuos changiert der Text zwischen den verschiedenen Ebenen: Auf die skizzenhaften Beschreibungen mittelalterlicher Gottesdienstformen folgen knappe Berichte über Hitlers Reden oder über Ereignisse an der Front. Peter Ebner erweist sich hier nicht nur als versierter Kenner der Kirchen- und Zeitgeschichte, sondern auch der Biographie Josef Andreas Jungmanns.
Literaturtipps:
Ziskovsky, Gerhard: Der Nationalsozialismus in Bezirk und Stadt Amstetten. 11 Bde. in drei Teilen. St. Pölten: Verlag des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde 2021
Ebner, Peter: Für Gott und die Welt. Jesuiten zwischen den Fronten. Fünfzehn Erzählungen. Graz: Schnider 1991.
Autoren:
Rudolf Pacik war bis 2012 Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Salzburg.
Ulrike Tanzer ist Professorin für österreichische Literatur und Leiterin des Brenner-Archivs an der Universität Innsbruck gewählt.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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