Gesundheit
Pollen-Allergie: kein Aufatmen im Sommer
- Pollen machen keine Sommerferien
- Foto: ChiccoDodiFC - stock.adobe.com
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Pollen machen vielen Menschen zu schaffen - auch im Sommer. Auch Kinder sind betroffen. Was können Eltern tun, um ihnen zu helfen? Christopher Erben hat Allergologin Erika Jensen-Jarolim befragt.
Es ist heiß. Ein herrlicher Sommertag liegt über dem Land. Doch Martin macht die Nase zu schaffen, die die ganze Zeit rinnt. Der Zwölfjährige ist Pollenallergiker – und das schon seit Jahren. „Seine Allergie beginnt im Frühjahr mit den Baumpollen, und endet im Herbst mit den Unkräutern“, sagen die Eltern des Buben aus Altlengbach. „Aber am meisten macht ihm der Heuschnupfen durch Gräser im Sommer zu schaffen.“
Mit diesem Problem ist er nicht allein: Schätzungen zufolge ist rund ein Viertel der Bevölkerung von Pollenallergien betroffen – jedoch in sehr unterschiedlichen Schweregraden. Während manche Menschen Beschwerden kurzzeitig wahrnehmen, werden andere wie Martin davon substantiell und fast das ganze Jahr über gequält. Drei Arten von Pollen werden prinzipiell unterschieden: Insektenpollen (Entomophilie): Diese Körner sind groß, klebrig und skulpturiert. In die Atemwege gelangen sie nur selten. Wasserpollen (Hydrophilie) kommen vor allem bei Meerespflanzen vor. Bei AllergikerInnen jedoch sind fast ausschließlich Windpollen (Anemophilie) relevant: Deren Pollen sind klein, glatt und trocken. Typischerweise stammen sie von Bäumen, Gräsern oder Unkräutern. Produziert in riesigen Mengen, werden sie vom Wind verbreitet.
„Das Risiko steigt z. B. mit dem Genuss industriell gefertigter Nahrungsmittel.“
„Allergikerinnen und Allergiker befinden sich durch die allergischen Entzündungen in ihrem Körper in einem Ausnahmezustand, was deren Lebensqualität sehr einschränkt“, erklärt Erika Jensen-Jarolim, Fachärztin für klinische Immunologie mit Spezialisierung in Allergologie und ehemalige Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie. Das Risiko steigt durch Umweltverschmutzung und geänderte Lebensbedingungen, wie zum Beispiel durch den Genuss industriell gefertigter Nahrungsmittel. Eine Diagnose sei sehr wichtig, so die Medizinerin. „Tritt bei ihnen ein Verdacht auf, sollten Eltern bei ihren Kindern einen Allergietest durchführen lassen.“
Soforttyp-Allergie am häufigsten
Die Einteilung der unterschiedlichen Überempfindlichkeiten erfolgt nach dem Typ der Immunreaktion des Körpers. Dabei werden unterschieden: der Soforttyp, der Zytotoxischer Typ, der Immunkomplex-Typ und der Spättyp. Am häufigsten tritt die sogenannte Soforttyp-Allergie auf, die unmittelbar nach dem Kontakt mit dem spezifischen Allergen ausgelöst wird. Häufigste Auslöser sind eben die Pollen, Hausstaubmilben, Tierallergene oder Insektengifte. Bei den Betroffenen kommt es zu Nasenjucken, Schwellungen der Schleimhäute, Niesreiz oder Hautausschlägen. Von Mai bis Juli dominieren die Gräser wie das Wiesen-Lieschgras, der Roggen, das Knäuelgras, das Deutsche Weidelgras und das Wiesen-Rispengras das Pollenfluggeschehen.
Lutschtabletten am Abend
Am besten schützen kann man sich vor einem „Pollenangriff“, wenn die Wohnung oder der Raum am Abend gut durchlüftet wird, weil dann die Pollenbelastung geringer ist. Auch Pollenschutzgitter an den Fenstern oder ein Luftfilter können Abhilfe schaffen. Nach Abklärung empfiehlt Erika Jensen-Jarolim Antihistaminika in Form von Tabletten oder Nasensprays, um die Beschwerden rasch zu lindern. Die dreijährige Antiallergen-Immuntherapie (auch als Hypersensibilisierung bezeichnet) kann die Symptome um etwa 40 Prozent nachhaltig lindern und einen „Etagenwechsel“ zu Asthma verhindern.
Martin spült auch mehrmals täglich die Nase mit Salzlösung. Zusätzlich nimmt er eine beta-Lactoglobulin Lutschtablette. „Ja, danach geht es mir deutlich besser.“
Christopher Erben
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.