Ein Beitrag für Jugendliche - aber nicht nur ...
Fasten? Wozu?

Seit über zwei Wochen lächeln sie mich bei jedem Einkauf an: Die Schokoladen, milchig bis zartbitter, diverse Kekssorten und reduzierte Süßbackwaren. Ja, sogar die Chipssackerl scheinen mir zuzuzwinkern – und das, obwohl ich diese eigentlich nie kaufe. Doch ich widerstehe schweren Herzens, denn: Ich faste auch heuer wieder – und das ist an manchen Tagen gar nicht so einfach. Ja, ich weiß, Jesus predigt: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler!“ (Mt 6,16). Dennoch fällt es manchmal schwer ohne Jammern zu verzichten. Da hilft es, jetzt, da die halbe Fastenzeit beinahe geschafft ist, innezuhalten und das Wesentliche in den Blick zu nehmen: Warum faste ich?

Fastenzeit aus biblischer und kirchlicher Perspektive

Greift man bei der Auseinandersetzung mit dem Fasten zur Bibel, so liest man: Im Buch Esra fasten die Israeliten, um sich Gott gegenüber de­mütig zu zeigen. Der Prophet Joël zeigt auf, dass das Fasten ein Weg zur Umkehr sein kann. Und auch Jesus bereitet sich auf sein Wirken mit 40-tägigem Fasten in der Wüste vor. Und wie sieht es mit den aktuellen Regelungen in der katholischen Kirche aus? Seit der Liturgiereform, die in den frühen 1960er-Jahren auf das Zweite Vatikanische Konzil gefolgt ist, sind erwachsene Gläubige zur „österlichen Bußzeit“ angehalten, in der man sich mit dem Verzicht bestimmter Speisen, Gebet und Spenden an jene, die weniger haben, auf das Osterfest vorbereiten soll.

Wieso also faste ich (auch weiterhin sicherlich noch)?

Demut zu zeigen, umzukehren, sich vorzubereiten, das waren biblische Ziele des Fastens. Darauf heute, in globalisierten Zeiten, in denen sich Informationen wie auch Krankheiten blitzschnell weltweit verbreiten, zurückzugreifen und zu verzichten, kann, so denke ich, dazu beitragen, dass wir ruhig werden und das Gute in unserem Leben erkennen. Dabei helfen können Gespräche mit Gott, Treffen mit lieben Menschen, das bewusste Genießen alltäglicher Kleinigkeiten oder eine Wanderung in der Natur. Verzicht und Innehalten können bereichern, glaube ich, und darum faste ich auch noch die restlichen vier Wochen.

Auch Orthodoxe fasten...

... und das ganz schön oft. Meine serbisch-orthodoxe Freundin Joka fastete beispielsweise 40 Tage in der vorweihnachtlichen Zeit. Und Äthiopisch-Orthodoxe halten etwa 200 Fast­tage in einem Jahr – 55 davon vor Ostern, wie Debora aus der Pfarre Haag erzählt. Die zwanzigjährige Studentin des Umweltingenieurwesens verbrachte ein Jahr als Volontärin in der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes, Addis Abeba. Über äthiopisch-orthodoxe Bekannte berichtet sie: „Diejenigen, die sich streng an die Fastenvorschriften halten, nehmen die erste Mahlzeit des Tages teilweise erst um 15 Uhr ein.“ Weiters erzählt sie: „Während der Fastenzeiten ernähren sich viele vegan und Alkohol wird gar keiner konsumiert.“ Wie früher oft auch in Österreich praktiziert, essen zahlreiche Menschen in Äthiopien mittwochs und freitags wegen ihres Glaubens kein Fleisch.

Sarah Triml

P.S.: Ein breites Angebot richtet sich an Jugendliche, die fasten wollen: Dabei begleiten möchte etwa das KJ-„Fastenjournal“ oder auch die App Boomerang, die mit der „Aktion plusminus“ zum Fasten in Teams einlädt.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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