Trauer
Alleine weiter leben

Nach 48 Jahren Ehe ist seine Ehefrau Maria an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben. Die Besuche im Trauercafé halfen Herrn F., doch der fehlende Gesprächspartner macht ihm das Alleinsein schwer. Ein berührender Bericht.

Wir wollten nicht, dass Maria ins Hospiz geht, sondern dass sie zu Hause bleibt. In unserer Familie kommen alle gut miteinander aus und alle halfen mit. Es war immer jemand bei ihr, sie war niemals allein. Eine unserer Töchter lebt mit ihrer Familie im selben Haus, die andere etwas entfernter. Diese drei Wochen, die wir noch zusammen hatten, möchte ich nicht missen. Der Hausarzt kam regelmäßig und stellte die Medikamente ein. Wenn Besuch kam, setzte sich dieser auf das Sofa, Maria lag im Bett und bekam alles mit. Die Enkelin hat ihr nach der Schule immer etwas vorgelesen. Auch in der Nacht haben wir uns abgewechselt, einer war auf dem Sofa, der andere neben ihr am Bett. Sie hat weiterhin an allem Anteil genommen, fast nie geweint oder sich beklagt. Nur einmal hat sie gesagt: „Weißt du, ich würde ja schon gern dableiben …“
Zwischen der Diagnose und ihrem Tod blieben uns fünf Monate.

Die Trauer (mit-)teilen
Meine Schwägerin empfahl mir, ins Trauercafé zu gehen. Zuerst war ich nicht sicher, ob es das Richtige für mich ist. Aber es hat mir gutgetan, mit anderen zu reden, denen es ähnlich ging; bei manchen lag der Tod des Partners schon viel länger zurück. Denn sonst kann man eigentlich mit niemandem darüber reden. Ich glaube, manche Leute trauen sich nicht, zu dem Trauernden etwas zu sagen. „Wie geht’s dir? Gut, oder?“, heißt es dann oft. Manchmal habe ich so darauf reagiert: „Gesundheitlich geht’s mir gut. Aber es ist eine beschissene Sache, wenn dir jemand wegstirbt.“ (…)
Warum kommt eigentlich der Nachbar, den man doch schon so lange kennt, nicht einmal vorbei? Das hat mich enttäuscht. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute Anteil nehmen, denn ein Trauernder wird zu einem Nichtbetroffenen nie sagen: „Ich brauche dich, komm doch mal vorbei.“ Man möchte den anderen nämlich nicht belasten. (…) Bevor ich mich aber jemandem anvertraue, der es nicht hören will, gehe ich lieber allein spazieren. Dass mir so oft zum Heulen zumute ist, sieht man mir nicht an. Meine Trauergefühle haben sich nicht geändert, obwohl Marias Tod doch schon ein paar Jahre her ist. Ich habe daraus gelernt, dass ich andere, die jemanden verlieren oder in Trauer sind, darauf anspreche. So wie gerade einen Bekannten, dessen Frau im Sterben liegt. (…)
Bei uns im Ort wurde eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut, an der ich mich nun beteilige. Ich kümmere mich einmal die Woche ein, zwei Stunden um einen Nachbarn, der Hilfe braucht, bis seine Frau nach Hause kommt. Er freut sich darüber – und ich kann mich nützlich machen.

Ich versuche, zu glauben
Die Kirche ist wichtig für mich, und auch wenn ich manchmal zweifle – ich versuche, zu glauben. Ich denke auch, dass es nach mei-nem Tod ein Wiedersehen mit Maria geben wird. Wir haben uns in der katholischen Jugend kennengelernt. Alles machten wir zusammen, im Berufsleben arbeiteten wir sogar die letzten 17 Jahre zusammen.
Ich versuche oft, über Maria zu reden, denn mir fällt auf, dass man im Allgemeinen wenig über Verstorbene spricht. Aber wir sollten sie nicht vergessen!

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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