Zeit für meinen Glauben
Man denkt als Polizist

Martin W.: „Mein erster Gedanke war: Was ist da los? Mein Ziel war, so rasch wie möglich an die Dienststelle zu gelangen."
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  • Martin W.: „Mein erster Gedanke war: Was ist da los? Mein Ziel war, so rasch wie möglich an die Dienststelle zu gelangen."
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Der Polizist Martin W. war in der Terrornacht am 2. November rund um den Stephansdom im Einsatz. Dass er in seinem Beruf in brenzlige Situationen geraten kann, ist ihm bewusst. Er weiß: Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.

Er ist das, was man umgangssprachlich einen „Grätzelpolizist“ nennt. Martin W. ist seit fünfzehn Jahren Streifenpolizist der Polizeiinspektion Brandstätte nahe dem Wiener Stephansdom und als solcher zuständig für die Anliegen der Anrainer.

In der Terrornacht am 2. November ist der 36-Jährige eigentlich nicht im Dienst und zuhause in Niederösterreich. Er erfährt aus den Medien, dass es in der Wiener Innenstadt einen Schusswechsel gibt. „Ich habe mich sofort in mein Privatauto gesetzt und bin hingefahren. Mein Kommandant hat mich gebeten, Dienst zu tun.“

Martin weiß zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als die Menschen, die das Geschehen im Internet oder Fernsehen mitverfolgen. „Mein erster Gedanke war: Was ist da los? Mein Ziel war, so rasch wie möglich an die Dienststelle zu gelangen.“ Angst, so Martin, hat er keine. „Aber natürlich spielt da eine große Aufregung mit.“

Direkt zum Stephansdom
An seiner Dienststelle zieht sich Martin die Schutzausrüstung an und legt seine Waffe an. Immer noch ist unklar, wie viele Attentäter unterwegs sind. „Ich wurde dann zum Stephansdom gerufen, weil die Menschen dort – Chormitglieder – wissen wollten, was los ist. Also bin ich direkt zum Dom, habe Infos weitergeleitet und gebeten, die Tore verschlossen zu halten.“ Alles Mögliche geht einem in so einer Situation durch den Kopf, sagt Martin.

„In erster Linie denkt man da als Polizist, versucht so rasch wie möglich Passanten in Sicherheit zu bringen. Natürlich war ich verunsichert, weil ich auf den Straßen unterwegs war und niemand wusste, wie viele Bewaffnete es gibt. Aber eigentlich hatte ich nicht viel Zeit zu überlegen.“

Sicherheit ausstrahlen
Ein Einsatz wie jener am 2. November ist für Martin außergewöhnlich. Herausfordernde Situationen erlebt er aber immer wieder. „Als Polizist hat man zum Beispiel immer wieder mit Leichen zu tun, mit Menschen, die zu Hause gestorben sind und deren Angehörige uns verständigen, weil sie sich Sorgen machen. Ich habe in meiner Polizeilaufbahn schon viele Leichen gesehen, und keine einzige davon vergessen.“

Nach so einem Einsatz hilft es, mit Kollegen darüber zu sprechen. „Außerdem besteht die Möglichkeit, den Polizeiseelsorger zu holen und mit ihm zu reden.“ Dass Martin bei seiner Arbeit in brenzlige und gefährliche Situationen kommen kann, ist ihm bewusst. „Das wird in der Ausbildung immer wieder thematisiert.“

Von Angst will er sich aber nicht leiten lassen: „Die Polizei soll ja Sicherheit ausstrahlen. Es wäre ein schlechtes Bild, wenn der Polizist total verängstigt ist. Ich versuche, so gut und professionell wie möglich zu handeln. Und ich weiß: Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.“

Martin W.: „Mein erster Gedanke war: Was ist da los? Mein Ziel war, so rasch wie möglich an die Dienststelle zu gelangen."
„Natürlich war ich verunsichert, weil ich auf den Straßen unterwegs war und niemand wusste, wie viele Bewaffnete es gibt.“ (Martin W.)
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Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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