Glaubenszeugnis
Ich habe ‚Ja‘ gesagt und es nie bereut

Schwester Serafine Hechfellner: „Das schönste ist die Nähe, die ich zu Jesus erfahren darf“.
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Schwester Serafine Hechfellner, Barmherzige Schwester vom hl. Karl Borromäus, ist seit fast sieben Jahrzehnten Ordensfrau.

Ihren Ruf ins Ordensleben beschreibt die fast 88-Jährige als Ziehen, dem sie als junge Frau nicht widerstehen konnte. Zweifel hatte sie nie. Viele Jahre arbeitete die Ordensfrau als Hauptschullehrerin in Oberösterreich, heute lebt sie im Schwesternaltenheim ihrer Ordensgemeinschaft im 23. Wiener Bezirk. Und genießt im Alter, dass sie so viel Zeit zum Beten hat.

  • Sr. Serafine, Sie sind mit 20 Jahren in den Orden eingetreten, also seit 68 Jahren Ordensfrau. Was ist für Sie das Schönste am Ordensleben?

Das Schönste ist die Nähe, die ich zu Jesus erfahren darf. Und es wird immer schöner, je älter ich werde. Denn jetzt habe ich mehr Zeit für ihn. Man muss Jesus nämlich etwas von seiner Zeit geben. Nur im Vorübergehen entsteht keine tiefere Freundschaft.

  • Sie haben als junge Frau gespürt, dass „die Liebe mehr wollte“. Woher wussten Sie, dass Sie nicht heiraten, sondern ins Kloster gehen sollten?

Das kann man nicht erklären. Es drängte mich schon in der 4. Klasse Hauptschule, täglich die heilige Messe zu besuchen. Da lag wohl der Keim der Berufung. Dort habe ich Jesus immer mehr gefunden. Wenn Jesus jemanden in seiner Nachfolge möchte, dann zieht er ihn. Ich habe also „Ja“ gesagt und es nie bereut.

  • Wahrscheinlich ist auch ein Kloster keine Insel der Seligen. Was ist Ihnen schwer gefallen? Gab es Krisen?

Schwierigkeiten gibt es in jeder Gemeinschaft, wo Menschen verschiedener Charaktere zusammenleben, auch in der Ehe. Das ist unvermeidlich. Mit Schwierigkeiten umzugehen, habe ich schmerzvoll lernen müssen. Ich habe gelernt, meinen Stolz zurückzustellen und mein Problem vor dem Tabernakel Jesus zu übergeben. Er schenkt immer die Lösung, ich muss es nur erwarten können. Er gibt wieder den Mut, um Verzeihung zu bitten oder eine Beleidigung in Demut hinzunehmen.

In einer Krise kann letztlich nur Gott helfen … vor dem Kreuz Christi und im Wissen: „Ich habe dir ja in den Gelübden die Treue versprochen.“ Das große Glück in all den Schwierigkeiten ist: Christus ist da. Hilfreich war für mich auch, wenn einen eine Mitschwester auffängt und begleitet.

  • Sie beten jeden Tag für die Sterbenden. Wie sieht denn für Sie ein gutes Sterben aus? Was wünschen Sie sich für Ihre eigene Sterbestunde?

Für die Sterbenden zu beten ist mein besonderes Anliegen. Und jetzt im Alter habe ich auch die Zeit dafür. Mein Gebet für die Sterbenden ist, dass sie ruhig und versöhnt mit Gott sterben können, dann ist das Sterben leichter.

Für mich bitte ich Gott, dass er es schnell und gut mit mir macht. Ich gehe mit großem Vertrauen und bewusst auf diesen Tag zu. Ich bin in dem Alter, in dem ich jederzeit dazu bereit sein muss. Ich habe damit begonnen, meine Schätze, zum Beispiel meine Bücher, zu verschenken, damit ich mit offenen Händen gehen kann.

Was mich dort, auf der anderen Seite des Daseins, erwartet, hat Jesus schon vorausgesagt: eine Verklärung und Herrlichkeit, die ich mir noch nicht vorstellen kann. Aber als Erstes werde ich meine Eltern und Geschwister begrüßen. Das wird ein Fest sein!

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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