Nicht in der Kirche - heuer sind wir die Kirche!
Ostern ohne uns?

Andreas Kaiser feiert Ostern in diesem Jahr in einer praktisch leeren Kirche. Damit es nicht gar so leer aussieht, kleben Fotos der Pfarrmitglieder in den Bänken.
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  • Andreas Kaiser feiert Ostern in diesem Jahr in einer praktisch leeren Kirche. Damit es nicht gar so leer aussieht, kleben Fotos der Pfarrmitglieder in den Bänken.
  • Foto: Pfarre Ober St. Veit
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Keine Ostergottesdienste wie wir sie kennen, maximal vier Gläubige in der Kirche und die in jedem Fall mit einem Mindestabstand von einem Meter, keine großen Familienfeiern – die Regeln für Ostern in Zeiten von Corona sind klar. Und die Kar- und Ostertage damit für alle Gläubigen eine besondere Herausforderung. DER SONNTAG hat sich umgehört.

Das heurige Osterfest hat sich Richard Hansl eigentlich ganz anders vorgestellt. Im vergangenen Jahr wurde der 34-jährige gebürtige Oberösterreicher im Stephansdom zum Priester geweiht. Im Herbst begann er als Kaplan in der Pfarre Ober St. Veit zu arbeiten. „Das erste Osterfest als Priester, das ist schon etwas, auf das man geradezu hinfiebert“, erzählt er im Gespräch mit dem SONNTAG: „Dass ich das erste jetzt ;digital‘ feiern muss, war im ersten Moment schon schwer verdaulich. Ohne Feiergemeinde in einer Kirche Gottesdienst zu feiern, ist sowieso schon eine Herausforderung. Und dann auch noch zu Ostern! Aber natürlich tun wir es – es ausfallen zu lassen ist keine Option!“

Gemeinsam mit Andreas Kaiser, dem Pfarre von Ober St. Veit – Wien 13, feiert Richard Hansl bereits seit dem „Shutdown“ via YouTube Gottesdienste. „Wir halten uns mit unserem Livestream genau an die behördlichen Vorgaben – sind nie mehr als 5 Personen in einem Raum: Die Mesnerin, jemand der die Kamera bedient, jemand der das Tonpult bedient, Richard Hansl und ich. Und das natürlich mit dem entsprechenden Abstand.“, sagt Andreas Kaiser. Ein „Notgottesdienst“ sei es aber im Grunde natürlich schon. „Aber wir feiern ganz im Geiste des II. Vatikanums den Gottesdienst als Feier der Gesamtkirche. Das einander sehen fällt halt weg, aber Gott hat ja erfreulicherweise mehrere Ebenen auf denen er spricht.“

Aus diesem Bewusstsein heraus feiern die beiden Priester auch die Kartage und Osterfeierlichkeiten. „Wir verzichten nicht auf die klassische Liturgie“, sagt Richard Hansl. „Wir feiern Gründonnerstag und Karfreitag. Wir ziehen in der Osternacht mit der Osterkerze ein und es gibt ein kleines Osterfeuer.“

Telefon statt Ratsche

Ostern mit Abstand feiert auch Nicole Meissner, Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung für Müttern und Kindern in Not, in diesem Jahr. „Die vergangenen Jahre bin ich immer mit meinen Jungscharkindern ratschen gegangen, habe mit ihnen im Pfarrheim übernachtet und ich hab das sehr genossen“, erzählt sie: „Heuer ist das anders. Heuer verbringe ich Ostern am Telefon.“ Die Corona-Krise treffe die Klientinnen der Elisabethstiftung mit großer Wucht. „Und unsere Beraterinnen stehen vor großen Herausforderungen, weil sie keine persönliche Beratung machen können“. Alles laufe derzeit über Telefon und Skype. „Zu Ostern können wir das nicht unterbrechen – die Frauen brauchen uns. Natürlich sitze da auch ich am Telefon und berate Mütter und Familien. Das ist mir wichtig und in diesem Jahr meine persönliche Art Auferstehung zu feiern.“

Wir sind die Kirche

Ganz anders als in den vergangenen Jahren feiert auch Elisabeth Seidl, Leiterin der Kommunikation der Kategorialen Seelsorge in der Erzdiözese Wien, das heurige Osterfest. „Ich bin Benediktiner Oblatin, einer Laiengemeinschaft des Benediktinerordens, und habe in den vergangenen Jahren immer mit den Mönchen auf der Freyung gefeiert.“ Da das heuer nicht gehe, feiert sie Ostern „in meiner Zweierbeziehung zu Gott. Ich bete und setze mich mit den biblischen Texten intensiv auseinander, ich entzünde eine Osterkerze, esse ein Osterfrühstück und ich freue mich darüber mit einem Stück Schokolade das Ende der Fastenzeit zu begehen.“ Ihr Taufkind habe ihr vor kurzem einen Strudel vor die Türe gelegt und einen Bibelspruch dazu. „Es war eine Zeile aus dem Korintherbrief: ,Wachet, steht im Glauben, seid mutig und stark.‘ Und ich denke, genau das ist jetzt unsere Aufgabe – im Glauben zu stehen, mutig und stark zu sein.“

Als echte Herausforderung bezeichnet Johannes Ojak, Leiter der Seelsorge in Beziehungen, Ehen und Familien, das diesjährige Osterfest. „Eine gewisse Wehmut spüre ich schon“, sagt er: „die Kar- und Ostertage zu feiern ist mir, ist uns als Familie wichtig.“ Gerade deshalb hat sich Familie Ojak dazu entschlossen, dieses Jahr ganz bewusst Ostern zu feiern. „Heuer wird sichtbar: Wir gehen nicht in die Kirche, sondern wir sind Kirche“, sagt Johannes Ojak. Seine Frau und er, sowie 2 seiner 3 Kinder leben in einem gemeinsamen Haushalt und bilden damit die Feiergemeinschaft. Der Älteste lebe momentan leider auswärts. Und auch das Treffen in der größeren Familie ist in diesem Jahr nicht möglich. „Aber wir daheim, wir feiern miteinander Gottesdienst, lesen die Texte, versuchen die Symbolik, die Ostern mitbringt, aufzugreifen – das Wasser etwa oder das Licht. Vielleicht bekommt Ostern ja durch diese ungewöhnliche Art des Feierns heuer Hoffnung in einer ganz anderen Dimension.“

Die Osterliturgie bleibt wertvoll

„Hoffnung zu haben. Und sie auch anderen zu geben – das ist gerade in schweren Zeiten so wichtig“, sagt Maria Schoiber, die seit vielen Jahren die Veranstaltungen rund um die Woche für das Leben koordiniert und den Blog „Briefe an Leonie“ (briefeanleonie.net) schreibt. Ostern sieht auch bei ihr in diesem Jahr ganz anders aus als in den Jahren davor. „3 meiner 5 Söhne wohnen nicht mehr zu Hause – die sind also nicht hier“, erzählt sie. „Aber mein Mann, meine zwei jüngeren Söhne und ich: Wir sind da. Und wir halten die Traditionen auch so gut es geht hoch.“ Es gibt ein kleines Osterfeier erzählt Maria Schober. Außerdem eine Osterjause. Und die Bibeltexte dieser Tage bekommen auch ihren Platz. „Die Osterliturgie ist für mich so unwahrscheinlich wertvoll“, sagt sie: „in diesem Bewusstsein, muss ich das Beste daraus machen. Mehr denn je liegt es an mir, liegt es an uns, wie Ostern ist.“

Überzeugt davon, dass „wir auch heuer eine gute Auferstehung feiern“, zeigt sich Annemarie Fenzl, die ehemalige Leiterin des Diözesanarchivs und Sekretärin von Kardinal König: „Natürlich aber müssen wir uns anders darauf einlassen als sonst.“ Sie selbst schaut alle Feiern im Fernsehen an: „Ich freue mich über die Zeremonien mit Kardinal Schönborn. Neben mir steht eine kleine Osterkerze – die zünde ich an. Ich bete mir, lese im Schott, höre zu.“ Nicht direkt in einer Kirche sein zu können, inmitten einer Schar von Gläubigen, gehe ihr natürlich schon ab: „Ich mag das speziell zu Ostern so gern. Aber das geht halt heuer nicht.“

Hoffnung in der Krise

„Am Ende des Tages muss man wohl versuchen der Situation so mühsam, beängstigend, unbefriedigend und Leid bringend sie für viele auch ist, doch auch irgendetwas Gutes abzuringen“, sagt Andreas Kaiser, der Pfarrer von Ober St. Veit: „Da und dort lernen wir vielleicht wieder mehr miteinander zu beten. Viele Familien sind jetzt mehr zusammen und können daraus vielleicht auch Kraft ziehen. Vielleicht besinnen wir uns auf den religiösen Liederschatz, den wir haben. Vielleicht lesen wir miteinander in der Bibel.“ Und es ist jetzt ganz bestimmt auch die Zeit „für ein ganz stark gelebtes gemeinsames Priestertum“, sagt Andreas Kaiser: „Wir haben eine Verantwortung füreinander – auch im religiösen Sinn. Und das ist schon auch so etwas wie eine Hoffnung in der Krise – dass der Glaube sich anders bewähren wird.“

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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