Heilig in der Politik: Johanna von Orléans
Das Mädchen in der Rüstung

Auf ihre Stimme gehört: Jeanne d’Arcs Marmorplastik von François Rude im Pariser Louvre.
  • Auf ihre Stimme gehört: Jeanne d’Arcs Marmorplastik von François Rude im Pariser Louvre.
  • Foto: Marie-Lan Nguyen / Wikicommon
  • hochgeladen von Der SONNTAG Redaktion

Das Leben der Johanna von Orléans zeigt, wie nahe Gunst und Missgunst, Erfolg und Misserfolg, in der Politik beieinander liegen und wie vergänglich Ruhm und Glanz sind.

Sie hingegen wollte das Richtige tun, dabei hatte sie ein ausgezeichnetes Gehör,
vor allem auf die Stimme Gottes in ihrem Herzen.

Es ist eine ungewöhnliche Geschichte, die 1426 im Dorf Domrémy an der Maas
in Frankreich beginnt:

Eine 13-jährige Bauerntochter nimmt Stimmen von Heiligen wahr, die ihr Unglaubliches sagen: Sie sollte helfen, Frankreich von den Engländern zu befreien und den Thronfolger, genannt Dauphin, zur Krönung nach Reims zu begleiten. Die verhassten Engländer
belagerten damals Teile des Landes im Zuge der Auseinandersetzungen während des 100-jährigen Krieges. Ihr Name ist Johanna, in die Geschichtsbücher geht sie als Jeanne d’Arc oder als Johanna von Orléans ein.

Die Ereignisse gehen ungewöhnlich weiter. Man glaubt dem Kind, das aufgeweckt und überzeugend auftritt. Drei Jahre später schlägt sich Johanna durch vom Feind besetztes Gebiet zum Dauphin durch. Karl empfängt die Jugendliche und lässt ihre Glaubwürdigkeit genau prüfen. Schließlich glaubt auch er ihren Ausführungen. Der Kronrat lässt für Jeanne eigens eine Rüstung anfertigen. Als strahlende Erscheinung im Kampf ist dieses Bild von ihr überliefert. Und die tapfere Johanna bewährt sich, lässt sich nicht von Pfeilen abhalten und bleibt auch, nachdem sie vom Pferd abgeworfen worden war, am Feld. Sie wird zum moralischen Vorbild der Franzosen und sie hat Erfolg: Die Engländer müssen sich zurückziehen.

Am 17. Juli 1429 begleitet sie den Dauphin in die Kathedrale von Reims. Karl VII. wird zum König geweiht, Johanna steht neben ihm. Sie ist am Höhepunkt ihrer Popularität, ihre ohnehin schon wohlhabende Familie wird in den Adelsstand erhoben. Johanna darf ein eigenes Wappen führen. Darauf dargestellt ist ein Schwert, das die Königskrone hält.

Doch sie will weiterkämpfen, nach Paris ziehen.
Der König zögert, Widersacher beeinflussen ihn und so geht wertvolle Zeit verloren. Johannas Versuch, Paris einzunehmen scheitert. Karl VII. trennt sich von seiner Heldin, die in Gefangenschaft gerät. Nach mehrmonatiger Haft wird ihr, der Unbequemen, der Prozess gemacht wegen „ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche Majestät“. Das Urteil: schuldig und lebenslange Haft. Doch das ist nicht genug, um dem König weiter zu denunzieren.

Die Nationalheilige

Johanna wurde am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ein Zeitzeuge berichtete: „Und als man genügend und nach Belieben sie ganz tot, an den Pfeiler gebunden, gesehen hatte, da schürte der Henker das Feuer wieder hoch über ihre arme Leiche, die bald ganz verbrannt war, und Knochen und Fleisch zu Asche geworden.“ Schon 25 Jahre nach ihrer Hinrichtung wurde sie rehabilitiert. So wurde Johanna zur Heldin der Franzosen und der Kirche. Papst Benedikt XV. sprach das tapfere Bauernmädchen 1920 heilig. Schriftsteller wie William Shakespeare, Friedrich Schiller und auch der Kommunist Bert Brecht beschäftigten sich in ihren Werken mit Johanna. Ingrid Bergman und Milla Jovovich spielten die Rolle der Heiligen in bekannten Kinoverfilmungen.

Johanna muss sterben. So folgt ein zweiter Inquisitionsprozess gegen die „unbelehrbare Häretikerin“, der mit dem Todesurteil endet. Johannas Mission ist zu Ende – aber ihr Vorbild wirkt weiter.

Der Historiker Günther Haller schreibt in der „Presse Geschichte Frankreich“: „Bis heute faszinieren jedoch Jeannes Auftreten vor Gericht, ihre Geradlinigkeit, ihre blüffende Klugheit, ihre überwältigende Glaubenssicherheit, sie hat die europäische Literatur vielfach inspiriert. Mut zu individueller Entscheidung und Widerstand gegen erdrückende Weltanschauungen, das kann auch in der Gegenwart vorbildhaft wirken.“

Autor:

Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ