Musikalischer Kreuzweg
Johann Sebastian Bach trifft Joseph Führich

Detail der Darstellungen des Führich-Kreuzwegs in der Pfarrkirche St. Johann Nepomuk (Wien 2).
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  • Detail der Darstellungen des Führich-Kreuzwegs in der Pfarrkirche St. Johann Nepomuk (Wien 2).
  • Foto: Pfarre St. Johann Nepomuk / Herbert Tichova
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Die Bilder gelten als weltweit bekannteste Darstellung der 14 Kreuzwegstationen. Vor zehn Jahren waren sie zum Karfreitagskreuzweg mit Papst Benedikt XVI. im Kolosseum in Rom präsent.

Die Rede ist vom Kreuzweg von Joseph Führich (1800 - 1876). Bei einer Kreuzwegandacht am 12. März im Stephansdom stehen Kunstmalerei, Poesie und Orgelkunst im Mittelpunkt.

Inmitten der Fastenzeit lädt der Stephansdom zu einer besonderen Kreuzwegandacht, bei der Kunstmalerei, Poesie und erlesene Orgelkunst zur Passion Jesu Christi verschmelzen. Im Mittelpunkt der Anschauung stehen die berühmten Kreuzwegbilder Führichs. Orgelmusik von Johann Sebastian Bach, Betrachtungen von Bernhard Rittinger und Chormusik mit Texten von Peter Gerloff vertiefen den Blick.

Vor einigen Jahren widmete die Albertina dem Werk eine Ausstellung. Joseph Führich, der „Theologe mit dem Stift“, stammte aus Böhmen und lebte und wirkte ab 1838 bis zu seinem Tod in Wien. Im Auftrag von Kaiser Franz Joseph sollte er auch an der Innenausstattung des Stephansdoms arbeiten. Für die Kirche St. Johann Nepomuk in der Praterstraße in Wien-Leopoldstadt (U1-Station Nestroyplatz) schuf Führich in den Jahren 1844-1846 einen Zyklus von monumentalen Kreuzwegbildern, der zeitgerecht zur Weihe der Kirche im Oktober 1846 fertiggestellt worden war. Die Kunstwerke haben heuer also das 175-Jahr-Jubiläum. – Mehr als 800 Mal (!) wurde Führichs Prototyp von nachfolgenden Künstlern kopiert. In der Erzdiözese Wien u.a. in den Pfarrkirchen Bad Vöslau, Bad Fischau-Brunn, Gallbrunn, Münchendorf, Pottenstein, Tribuswinkel und Wilfersdorf.

Zu den Bildern, die im Sinne einer „Biblia pauperum“ (die bildliche Darstellung biblischer Ereignisse) ausdrucksstark gestaltet sind, verfasste der Kunsthistoriker Bernhard Rittinger Betrachtungen, die den Interessierten in die jeweilige Bildkonzeption einführen und ihn zugleich anhand des im Bild festgehaltenen Geschehens zur Compassion, zum Mitleid(en), anleiten.
Rittinger, ein Ururenkel Führichs, war Leiter des Dom- und Diözesanmuseums und unterrichtete langjährig an der Universität, an der Akademie der bildenden Künste sowie am Sacre Coeur in Wien; im Februar 2000 ist er 54-jährig früh verstorben.
Zur Betrachtung der Malerei in der Aura des Stephansdoms wurde eine entsprechende musikalische Begleitung vorgesehen. Johann Sebastian Bachs Variationen über den Passionschoral „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ zählen zu den Top-Stücken in seinem Orgelschaffen, sie gelten allgemein als „Vollendung der Partitenkunst“. Zur Interpretation wurde der Kirchenmusiker Peter Tiefengraber in den Stephansdom eingeladen. Wenige Tage vor seinem 30. Geburtstag wird er Bachs Werk an den drei Orgeln des Stephansdoms in die Kreuzweg­andacht integrieren.

Die von Bach bearbeitete Melodie „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ war Grundlage zur Neuschaffung von 14 Strophen zu den Kreuzwegstationen, die der deutsche Priester Peter Gerloff auf Einladung der Diözese Eisenstadt im vorigen Jahr verfasste. Gerloff gilt als einer der gefragtesten Kirchenliedautoren unserer Zeit. In Gerloffs Poesie erhebt sich der alte Passionschoral zum Refrain, der den Stationen im schlichten Chorsatz vorangestellt wird und das Geschehen musikalisch skizziert.

Freitag, 12. März, 16.30 Uhr, Stephansdom, Kreuzweg mit Dompfarrer Toni Faber

Via Video-Livestream kann mitgefeiert werden.

Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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