Gedanken zum Muttertag
Wenn wir unsere Mamas feiern ...

Selber Mama: Ich hab dich lieb auch an allen anderen Tagen.
2Bilder
  • Selber Mama: Ich hab dich lieb auch an allen anderen Tagen.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sophie Lauringer

Der Muttertag ist ein Fixpunkt im Kalender. Am zweiten Sonntag im Mai werden die Mütter und Omas gefeiert, ob sie wollen oder auch nicht. Der Ehrentag wurde von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbraucht. Der Handel freut sich jährlich über hohe Umsätze, denn am Muttertag wird gerne und viel ge- und beschenkt. Persönliche Betrachtungen – zwischen Freude, Distanz und mancher Verkitschung.

Die Geschichte des Ehrentages für alle Mütter ist herzbewegend: Als Anna Jarvis‘ Mutter im Mai 1905 in Grafton im US-Bundesstaat Massachusetts verstarb, hatte die Tochter ein Ziel: Mütter sollten noch zu Lebzeiten geehrt werden und nicht erst nach ihrem Tod.

So feierte sie am zweiten Todestag ihrer Mutter einen Gedenkgottesdienst. Der Pfarrer predigte über die Rolle der Mutter in der Gesellschaft. Schon im darauffolgenden Jahr wurde allen Müttern am zweiten Maisonntag eine Andacht gewidmet. Vor der Kirche ließ Anna 500 weiße und rote Nelken, die Lieblingsblumen ihrer Mutter, verteilen. Bald fand sie Gleichgesinnte und bereits 1914 wurde der Muttertag zum ersten Mal als nationaler Feiertag in Amerika begangen. Später distanzierte sich Anna von der Kommerzialisierung des von ihr herbeigesehnten Ehrentages und wollte ihn wieder abschaffen – das freilich misslang gänzlich.

Der Muttertag erfreut sich weltweit größter Beliebtheit und ist noch immer populärer als der von den Kommunisten eingeführte Frauentag am 8. März. Daran konnte auch die NS-Propaganda nichts ändern, die besonders kinderreiche Frauen mit dem „Mutterkreuz“ ehrte. Meine Urgroßmutter, in der Familie respektvoll „Ura“ genannt, hatte sich diese Auszeichnung mit ihren acht Kindern verdient. Das vergilbte schwarz-weiße Bild der alten Frau mit dem Kreuz und dem verlegenen Blick fand ich immer befremdlich.

Als Volksschulkind servierte ich ihr (vertrockneten) Käsetoast zum Frühstück.

Bei uns zu Hause hatte ich jedoch immer den Eindruck, dass meiner Mutter der Tag wichtig war. Sie pflegte mir stets zu sagen, dass Kinder das Wichtigste auf der Welt seien. Und so bemühte ich mich nach meinen Möglichkeiten, ihr eine Freude zu bereiten. Als Volksschulkind servierte ich ihr (vertrockneten) Käsetoast zum Frühstück und besorgte vom gesparten Taschengeld eine kleine Porzellanfigur. Sie stellte den Kitsch direkt neben die teuren Sammelstücke, das rechne ich ihr bis heute hoch an.

Als meine Mutter sehr jung starb, wusste ich mit dem Muttertag wenig anzufangen. Was sollte ich tun, wenn rund um mich herum Blumen besorgt und Mütter und Omas verschiedener Generationen zum Essen ausgeführt wurden? So entwickelte ich eine Distanz zum hohen Ehrentag, bis ich mit dem Besuch meiner Tochter im Kindergarten vom Muttertags-Geschehen eingeholt wurde. Da gab es aufgefädelte Ketten aus Nudeln und entzückende Gedichte: „Den Stein da habe ich selbst gemacht. Er soll dir sagen, ich hab’ dich lieb auch an allen anderen Tagen!“ Unzählige Male musste ich die Zeichnung auf einem Button an meiner Jacke erklären. Nicht wegz„Den Muttertag kannst du mir nicht nehmen. Du feierst mit.“udenken ist der Schnuller an meinem Schlüsselbund.


Den Muttertag kannst du mir nicht nehmen. Du feierst mit.

Heute, weitere 20 Jahre später, denkt meine Tochter jährlich an den Muttertag, auch wenn sie um meine fehlende Empathie weiß. Das finde ich bemerkenswert und das berührt mich. So gibt es heuer einen Brunch, den die Mutter ihres Freundes mir gegenüber eingefordert hat: „Den Muttertag kannst du mir nicht nehmen. Du feierst mit.“ Und zugegeben: Natürlich freue ich mich über die Blumen und die Aufmerksamkeit, warum auch nicht?

Wussten Sie, dass ...

▶ der Muttertag in Österreich 1924 von Marianne Hainisch (1839–1936) eingeführt wurde.
Der Sohn der Frauenrechtlerin, Michael, war erster Bundespräsident in der Ersten Republik.
▶ der österreichische Film „Muttertag – die härtere Komödie“ alljährlich im ORF ausgestrahlt wird. Auch dieses Jahr steht der Streifen am 8. Mai ab 20:15 Uhr auf dem Programm. Vorsicht: Die bitterböse Satire trifft nicht jeden Geschmack!
▶ die Caritas einen „Schlafplatz für eine Mutter mit Kind“ als Geschenk anbietet. Die Kosten: EUR 33,–: weitere Geschenkideen zum Muttertag

Selber Mama: Ich hab dich lieb auch an allen anderen Tagen.
Festgehalten von Mutti: Kinder sind das Wichtigste auf der Welt.
Autor:

Sophie Lauringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ