Nächstenliebe in kalter Zeit
"Wärmestuben" und "Weihnachten für Einsame"

Nächstenliebe konkret: Schwester Michaela SSM dienstags beim „Simmeringer Nachtmahl“.
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  • Nächstenliebe konkret: Schwester Michaela SSM dienstags beim „Simmeringer Nachtmahl“.
  • Foto: Peter Welkhammer
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Ob das „Simmeringer Nachtmahl“ der Pfarre Altsimmering oder die „Wärmestube“ der Pfarre Hütteldorf: Unsere Pfarren leisten auch in Corona-Zeiten und gerade jetzt in der kalten Jahreszeit Außergewöhnliches im Hinblick auf die Nächstenliebe.

Ein kalter Dienstagabend um 17 Uhr in der Pfarre Altsimmering (Wien 11). Eine Gruppe von Menschen bleibt in der Simmeringer Kobelgasse vor dem Haus Nummer 13 vor einem geöffneten Fenster stehen.

Das „Simmeringer Nachtmahl“ öffnet hier jeden Dienstag seine Pforten, seit der Corona-Pandemie allerdings nur mehr ein Fenster. „Wir haben meisten die gleichen Gäste, mehr Inländer als Ausländer, junge wie alte Menschen, mehr Männer als Frauen. Alle sind sehr freundlich und dankbar. Unlängst hat einer von ihnen unseren beiden Chefköchinnen Blumen gebracht“, beschreibt Diakon Franz Schamml die Situation beim dienstäglichen „Simmeringer Nachtmahl“.

„Die ohnehin nicht leichte Situation der Menschen, die zum Nachtmahl kommen, wird durch die Corona-Pandemie noch verschärft“, berichtet Diakon Schramml: „Durch die wirtschaftlich angespannte Situation verlieren eher schlecht qualifizierte Beschäftigte ihre Arbeit, besser qualifizierte werden eher nur in Kurzarbeit geschickt.

Die Not nimmt insgesamt zu.“ So kommen derzeit jeden Dienstag um 17 Uhr etwa 20 bis 30 Menschen in die Pfarre Altsimmering zum „Nachtmahl“, die Tendenz ist eher steigend.

Lebensmittelsackerl statt Abendessen
Da seit dem ersten Lockdown im März nicht mehr so wie die letzten 15 Jahre vorher im Pfarrzentrum ein richtiges Abendessen gekocht werden darf, gibt es Lebensmittelsackerl mit haltbaren Lebensmitteln durch das Fenster ausgegeben.

Brot, Wurst, Käse, Obst vom Garten der Familie Kratochwil und Gemüse, das von der Gärtnerei Monika und Karl Kasehs gespendet wird. „Auch unsere Schwestern von unserem Kloster der Schmerzhaften Mutter in Simmering unterstützen uns sehr“, sagt Diakon Schramml. Zusätzlich kochen die beiden „Chefköchinnen“ Gerti Dolecek und Maria Zahnt jedes Mal. „Da gibt es einmal eine Suppe oder Nudeln mit Gemüse oder Pasta asciutta oder Ähnliches, das zum Aufwärmen mitgenommen werden kann“, berichtet Franz Schramml.

Dank der Spenderinnen und Spender gibt es momentan genug Vorräte, sodass niemand hungrig weggehen muss. „Aber wenn jetzt im Winter mehr Menschen um Essen kommen, kann dieser Vorrat schnell zur Neige gehen“, fürchtet Schramml.

Caritas: ein Grundauftrag einer Pfarre

Anfang Dezember in der Pfarre Hütteldorf (Wien 14): der erste Wärmestuben-Tag. Es gibt an diesem Tag Chili con Carne und einen Nudel-Gemüse-Eintopf für die Vegetarier, außerdem Sandwiches, Kaffee, Tee und Kuchen.

„Wir hatten heute zwar schon 24 Gäste, aber halt über den Tag verteilt und sie sind alle nicht lang geblieben“, berichtet Lilli Donnaberger von der Pfarre. Sie organisiert und betreut die Wärmestube, unterstützt von Martina Zaussinger, die bei den „Stadtmenschen“ arbeitet. „Wir kennen uns vom Regionalforum 14 und haben gemeinsam im Frühjahr mit der Essensausgabe begonnen“, sagt Donnaberger: „Zur Betreuung hat sich ein bunt gewürfeltes Team zusammengefunden, zusammengesetzt aus Mitgliedern unserer Pfarrjugend, Personen, die Martina von ihrer Arbeit kennt, und anderen, die so dazugestoßen sind.“

Die Wärmestube ist Teil des Caritas-Projektes „Wärmestuben in den Pfarren“. „Wir bekommen verschiedene Materialien von oder über die Caritas. Vor allem mal die Hygiene-Artikel für Corona (Gesichtsmasken, Desinfektionsmittel und so), und dann auch Sachspenden, die Firmen an die Caritas spenden. Besonders angenehm für uns waren die Gastrogutscheine im Sommer. Da wurden ziemlich viele an die Caritas gespendet, die sie an uns weitergegeben hat. Da konnten wir bei den Restaurants der Umgebung Mahlzeiten bestellen, die sie dann pünktlich zu unserer Essensausgabe geliefert haben. Das war für die Klimaoase, jetzt gibt’s die ja leider nicht mehr“, erzählt Donnaberger.

Der wertmäßig größte Anteil sind die Lebensmittel, aus denen die Mahlzeiten gekocht werden und die den Gästen nach Hause mitgegeben werden. Dies sind Spenden von Supermärkten. „Zwei Frauen aus unserer Pfarre haben da zu einigen Supermärkten (hauptsächlich Hofer-Filialen, aber auch andere) aufgebaut und holen regelmäßig von ihnen, was sie halt abgeben. Entweder kurz bevor (oder manchmal auch nachdem) sie ablaufen oder auch aus anderen Gründen“, berichtet Donnaberger: „Manchmal bekommen wir von Privatpersonen für uns gebackene Kuchen. Alle diese Lebensmittel sind reichlich und wir müssen nur sehr wenig zukaufen. Daher brauchen wir auch nur wenig Bargeld. Manchmal bekommen wir auch Geldspenden für das Projekt.

Bisher sind wir mit allen diesen Spenden ausgekommen und haben keinerlei zusätzliche Finanzierung benötigt. Sollte das einmal der Fall sein, können wir das vom Caritasbudget der Pfarre begleichen. Ich bin im Leitungsteam unserer Pfarrcaritas.“

Die Wärmestube in Hütteldorf gibt es grundsätzlich jeden Samstag, mit Ausnahme von manchen Tagen, an denen der Pfarrsaal anderweitig benötigt wird. Die Idee dahinter? Donnaberger: „Die ist doch eigentlich selbstverständlich: Caritas ist ein Grundauftrag für uns als Pfarre, also auch die Sorge für die Benachteiligten in unserer Umgebung. Das ist zwar jetzt durch Corona mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden, aber andererseits gerade jetzt noch viel wichtiger, weil ja durch die Corona-Einschränkungen noch viel mehr Menschen auf solche Hilfen angewiesen sind. Einerseits auf die Essensausgabe, und wenn’s im Winter noch kälter wird, auch auf den Aufenthalt im warmem Saal. Wahrscheinlich war das warme Wetter Anfang Dezember der Grund, dass da noch nicht so ein großer Andrang war.“

Es kommt immer „eine bunte Mischung von Menschen mit oder ohne eigene Wohnung, aus Österreich und verschiedenen umliegenden Ländern, Männern und Frauen“. Donnaberger: „In Zeiten wie diesen ist’s mir einfach wichtig, die Möglichkeiten, die ich in meinem Umfeld hab’, zu nutzen, um halt zumindest für einige Menschen die Situation zu verbessern. Und nachdem ja mehrere Pfarren das tun, werden damit insgesamt doch ziemlich viele Menschen erreicht.“

Wärmestuben der Caritas:
www.caritas-wien.at/waermestuben

Nächstenliebe konkret: Schwester Michaela SSM dienstags beim „Simmeringer Nachtmahl“.
Nächstenliebe konkret: Wärmestube Hütteldorf (Wien 14)
Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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