Die Seele Europas
Identität stärken statt Misstrauen schüren

Feiern wir das positive Einigkeit zur Stärke der katholischen Identität bei Moderator Bergauer, Abt Pius, Chefredakteurin Lauringer, Bischof Schwarz und EU-Mandatar Mandl.
  • Feiern wir das positive Einigkeit zur Stärke der katholischen Identität bei Moderator Bergauer, Abt Pius, Chefredakteurin Lauringer, Bischof Schwarz und EU-Mandatar Mandl.
  • Foto: Ev a Demmerle
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Wo der Glaube auszieht, zieht der Aberglaube ein

– in Anlehnung an den deutschen Romantiker Joseph von Eichendorff (1788–1857), herrschte Einigkeit bei der Enquete am vergangenen Freitag in Stift Lilienfeld.
Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz, SONNTAG-Chefredakteurin Sophie Lauringer und EU-Abgeordneter Lukas Mandl diskutierten die Frage „Seelenloses Europa?“.

Zur Enquete hatte der wertkonservativ-europaorientierte christliche St.-Georgs-Orden bewusst drei Personen aus Kirche, Presse und Politik eingeladen. Der Untertitel lautete:
„Betrachtungen zur Relevanz des Christentums in Politik und Gesellschaft“.
„Religionen stiften Identität und schaffen eine Widerstandskraft, die zur seelischen Stärke verhilft“, davon ist Bischof Alois Schwarz überzeugt. Er will Mut machen zur Erneuerung christlicher Werte.

Wie soll das gehen?
„Europa braucht eine spirituelle Infrastruktur. Diese spirituelle Infrastruktur schafft Ressourcen für moralische Werte und diese Werte strukturieren unseren Entscheidungsraum.“ Darum schätzt Schwarz das reiche Brauchtum und wertvolle Traditionen.

Wo sei heute das Tischgebet selbstverständlich?
Man könne doch einfach darauf hinweisen. Schwarz freut sich auch, dass dieses Jahr wieder ein Christbaum im Europaparlament in Brüssel aufgestellt wird. Ein schönes Zeichen, auch wenn man im Abstimmungsverhalten der Parlamentarier nicht immer merken würde, wer sich als Christ oder Christin bekennen würde. Ergänzend sagte er:
„Wir sind eine Religion des Erinnerns. Das ist unsere Stärke und das brauchen wir auch in Europa. Wenn wir unsere Seele als Seele gestalten wollen, die unverletzlich und ewig ist, dann brauchen wir diese von Gott gestiftete Zuwendung, die uns stärkt.“

In den Medien dem anderen Beachtung schenken

Wie sieht dieser christliche Anspruch in der Medienwelt aus?
Sophie Lauringer verwies als Journalistin auf den vom Vatikan initiierten Welttag der sozialen Kommunikation, der in diesem Jahr am 29. Mai begangen wird. Alljährlich veröffentlicht dazu der Papst ein Statement.

In der heurigen Botschaft rät Papst Franziskus dazu, mit dem Ohr des Herzens zu hören, denn das Hören betriŽt nicht nur den Gehörsinn, sondern die gesamte Person: „Der wahre Sitz des Hörens ist das Herz.“
Gute Kommunikation versucht hingegen nicht, das Publikum mit effektheischenden Sprüchen zu beeindrucken, mit dem Ziel, den Gesprächspartner lächerlich zu machen, sondern schenkt den Beweggründen des anderen Beachtung. Doch Franziskus bedauert: So viel im Vorhinein aufgestautes Misstrauen gegenüber „offizieller Information“ hat auch zu einer „Infodemie“ geführt. Medien ringen daher zunehmend um Glaubwürdigkeit und Transparenz.

Sein und Schein in der Politik

Der bekennende Christdemokrat Lukas Mandl bedauert die Krise des Vertrauens gegenüber der Politiker und der Politik. In seinen Gedanken unter dem Titel „Sein und Schein“ betonte er einerseits, „dass der Parlamentarismus eine große Entwicklung für unsere Gesellschaft ist.“ Anderseits sind Werte und Wertehaltungen oft nicht materiell messbar. Dabei brauche es immaterielle Werte zum Bewältigen von Krisen, ist der EU-Politiker überzeugt.

Was wünscht sich Mandl?
„Ich rate dazu, dass sich Europa verstärkt auf seine jüdisch-christlichen Wurzeln besinnt und beruft, und in der politischen Praxis benötige es mehr Transparenz, denn diese ist eine Voraussetzung für Vertrauen. Eine Orientierung bietet einer der Gründungsväter der Europäischen Union: Robert Schuman (1886–1963), für den seit 2004 ein Seligsprechungsverfahren in der katholischen Kirche läuft, benannte drei Punkte für einen christlichen Politiker: Man müsse entdramatisieren, nicht zurückschlagen und den eigenen Humor bewahren. Der Abend endete in diesem Sinn mit einem Gebet „für alle Menschen und alle, die unserem Herzen nahe sind“, sowie mit der Einladung, die persönlichen Werte auch öffentlich zu zeigen nach dem Motto: „Feiern wir das Positive“.

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Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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