6. Sonntag im JK26: H. Mauritius Lenz
Herr, lähme meine Fäuste

Szene aus dem Film Don Camillo und Peppone. | Foto: Alamy
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In Giovannino Guareschis heiteren Erzählungen über den Priester Don Camillo und seinen Kontrahenten Peppone wird auch eine Beichtszene geschildert. Ein wenig religiöse Tradition hat sich der kommunistische Bürgermeister von Brescello doch bewahrt, sodass er sich in aller Demut im Beichtstuhl hinkniet und seine Sünden bekennt. Dabei kommt unter anderem zur Sprache, dass sich der Pönitent (Beichtende) sogar einmal gegen den hochwürdigen Pfarrer vergangen hat. Der impulsive Gottesstreiter würde ihm die Untat am liebsten sofort mit einem Schlag ins Gesicht vergelten, doch bittet er um Selbstbeherrschung und Mäßigung, indem er fleht: „Herr, lähme meine Fäuste!“

Wer von uns hat nicht schon ähnliche Situationen erlebt? Man würde sich eher in die Zunge beißen, bevor man etwas sagt, das man hinterher bereut. Eine E-Mail oder WhatsApp in emotionaler Erregung verfasst, sollte man besser nicht absenden, sondern abwarten, bis sich das Gemüt wieder beruhigt hat. Man sollte sich auf die Finger klopfen, bevor man durch einen unbedachten Klick womöglich einen großen Schaden verursacht, der nur schwer zu reparieren ist.

Vor Gott brauchen wir uns nicht ängstigen, ihn dürfen wir lieben und ihm vertrauen, denn er will, dass wir ganze, heile Menschen bleiben oder es werden.

Das wird vernünftigen Menschen sehr wohl einleuchten. Aber muss es denn gleich Selbstverstümmelung sein, wie Jesus sie im Matthäus-Evangelium fordert? „Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg!“, mahnt der Herr mit drastischen Worten (Mt 5,30). Wer eine solche Aufforderung befolgen würde, bliebe zwar vor einer sündigen Tat bewahrt, doch wäre es keine hohe Tugend, auf eine Handlung zu verzichten, die man auf Grund der fehlenden Möglichkeit gar nicht begehen könnte.

Angeblich hat der bedeutende Kirchenvater Origenes sich auf das Bibelwort in Matthäus 19,12 „Eunuchen für das Himmelreich“ berufend, sich selbst entmannt, was zur Verurteilung seiner Lehre durch die Kirche führte. Die Kirche hat übrigens jede Art von Selbstverstümmelung immer strikt abgelehnt.

Ich denke mir, dass es Jesus als meisterhafter Erzähler und Prediger verstand, mit dieser Art zu reden die volle Aufmerksamkeit seiner Hörerinnen und Hörer zu gewinnen. Es ist eine orientalische Redeweise, die durch maßlose Übertreibungen die Menschen fesselt und in Spannung hält. Jesu Worte haben die Menschen bestimmt im Innersten getroffen und etwas in ihnen ausgelöst und bewegt, wie sie es heute noch tun, wenn wir sie aufmerksam hören und lesen.

Die Kunst, sie zu leben, besteht wohl darin, Jesu Gebote in das Hier und Heute zu übertragen, sie lebbar zu machen ohne ihren hohen Anspruch zu verringern. Jesu Worte buchstabengetreu umzusetzen, ist eine Sache der Fundamentalisten, die sich bei der Befolgung der Sätze unseres Sonntagsevangeliums vielleicht auch schwer tun werden. Wenn das Evangelium als ein Gesetzestext zu verstehen ist, der wortwörtlich anzuwenden ist, dann lässt er sich nicht wirklich exekutieren.

Jeder muss in sein Herz schauen

Jeder Mensch muss vielmehr in sein Herz schauen und seine Gedanken, Einstellungen und Absichten prüfen. Dorthin kann sich kein Richter und kein Exekutivbeamter so einfach Zugang verschaffen, nur Gott kennt das Innerste des Menschen. Und vor Gott brauchen wir uns nicht ängstigen und verstecken, ihn dürfen wir lieben und ihm vertrauen, denn er will, dass wir ganze, heile Menschen bleiben oder es werden, er will, dass wir das Leben in Fülle haben. Darum ist es gut, wenn wir ihn in unserer Schwäche bitten, er möge auch unsere Fäuste lähmen, damit wir unser Glück nicht auf Unrecht bauen.

Dass manche Menschen sofort in das Herz eines anderen schauen können,
beweist folgender Witz, der am Faschingssonntag an dieser Stelle erlaubt sei. Ein
junger Mann, der nach langer Zeit endlich eine Braut gefunden hat, möchte
diese auch seiner Mutter vorstellen. Die Gelegenheit ergibt sich auf einem Ball,
wo sie in einer Gruppe von Damen zusammensteht. Der Sohn macht die erste
Begegnung etwas spannend und lässt die Mutter raten, welche die Auserwählte
ist. Diese zeigt spontan auf eine der Frauen und sagt: „Die ist es!“, worauf der
Sohn überrascht und erfreut antwortet: „Das stimmt, Mama, wieso hast Du
gerade auf sie getippt?“ „Die war mir gleich unsympathisch!“, erwidert darauf die Mutter.

Szene aus dem Film Don Camillo und Peppone. | Foto: Alamy
H. Mauritius Lenz CanReg. | Foto: zVg
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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