Allerseelen 2025: Manuel Sattelberger
Gott hat uns das Leben geschenkt
- Friedhof in Zwettl: „Was wir sind, werdet ihr sein.“
- Foto: Manuel Sattelberger
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Heuer fällt das Hochfest Allerseelen auf einen Sonntag! Gott sei Dank, denn der Allerseelen-Tag steht oft im Schatten des Allerheiligen-Festes! Für mich sind diese beiden Tage wie die zwei Seiten einer Medaille, auf beiden Seiten ist eine große Hoffnung eingeprägt.
Je älter ich werde, ich bin ja auch schon 44 Jahre alt, desto mehr berührt mich ein Spaziergang durch meinen Heimatfriedhof in Petzenkirchen. Mit vielen Namen auf den Grabsteinen verbinde ich ganz konkrete Mitmenschen! Dort finde ich das Grab meines verunglückten Bruders Dominik, die Gräber meiner Großeltern, meiner Onkeln und Tanten, das Grab meines geschätzten Heimatpfarrers, die Gräber von Schulkollegen und Freunden und deren Familienangehörigen, die Gräber meiner Nachbarn, Menschen denen ich im Alltag begegnet bin, die zu meinem Leben dazugehört haben!
Ihnen, aber auch allen, die ich nicht kenne, die keiner (mehr) kennt, außer Gott, ist dieser Allerseelen-Tag gewidmet. Ich kann unserer christlich-österreichischen Trauerkultur viel abgewinnen, denn es gibt diese Erinnerungstage, die uns einladen, uns kollektiv zu erinnern, für unsere Verstorbenen zu beten. Auch zu trauern ist wichtig, Trauer ist ein Zeichen von Liebe und Beziehung! Ich persönlich finde den ALLER-Seelentag und den ALLER-Heiligentag besonders bedeutungsvoll, denn wenn wir für ALLE beten, können wir niemanden übersehen oder vergessen. Denn ich glaube daran, dass Gott alle in seinem liebenden Blick hat!
Seit zwei Jahren bin ich Kaplan in den Pfarrgemeinden Zwettl-Stadt, Friedersbach und Großglobnitz im Waldviertel. Wenn man in Zwettl den Friedhof auf der Syrnau betritt, steht groß am Torbogen: „Wir waren, was ihr seid!“ Verlässt man den Friedhof wieder, steht auf der anderen Seite: „Ihr werdet, was wir sind!“ Wie mit dieser Botschaft umgehen? Sollen wir Angst bekommen, vor dem Stündlein, das uns schlägt, oder liegt darin eine christliche Kraft, eine Zuversicht und Hoffnung? Ich glaube, dass uns die Lesungstexte des Allerseelen-Tages helfen, diese Sätze besser zu verstehen:
Das Buch Ijob schenkt uns ein überwältigendes Glaubensbekenntnis. Es klingt für mich wie ein Refrain, der über dem Allerseelenfest steht: „Ich weiß, dass mein ERLÖSER lebt!“ Ich bewundere den armseligen Ijob, dass er trotz aller Schicksalsschläge den Glauben an Gott nicht verliert! Trotz aller Zumutungen, Heraus- und Überforderungen schenkt er Gott ein übergroßes Maß an Vorschussvertrauen!
Botschaft der Toten an die
Lebenden: Wir waren, was ihr seid! Ihr werdet, was wir sind!
Im Römerbrief des Apostel Paulus lesen wir, dass wir bei allem, was wir „tun“, in Gott sind, ob wir leben oder ob wir sterben, wir tun es in und mit Gott! Jahrhunderte haben sich Menschen vor dem „Richterstuhl Christi“ gefürchtet. Ich fürchte mich nicht, denn ich glaube daran, dass uns Christus AUF-RICHTEN, EIN-RICHTEN, ALLES ZURECHT-RICHTEN wird! Das ist meine große Hoffnung!
Ich will, dass du lebst!
Vom GERICHT spricht auch Jesus im Johannes-Evangelium, dass sich der Glaubende nicht davor fürchten muss, weil er ja auf Gottes Wort gehört hat, sein Leben darauf ausgerichtet hat! Gott hat immer das letzte Wort, er hat auch in unserem Leben und Sterben das vollendende Wort: Ich will, dass du lebst, du Mensch das ewige Leben hast! Meine Lieben, bitte fürchtet euch nicht vor Gott, als wäre er ein „Gespenst“ oder etwas Schreckliches, im Gegenteil, haben wir EHRFURCHT vor Gottes Barmherzigkeit! Er hat uns dieses Leben geschenkt, damit wir aus unserer Lebenszeit etwas machen, sie gestalten, dieser Welt guttun, heilsam – im
Sinne von „heilig“ – zu leben!
Der Himmel wartet schon auf uns
Von all den vielen bekannten und unbekannten Seligen und Heiligen, möchte ich mit einem Zitat des jungen Heiligen Carlo Acutis meine Gedanken abschließen: „Unser Ziel muss das Unendliche sein, nicht das Endliche. Das Unendliche ist unsere Heimat. Der Himmel wartet schon immer auf uns!“
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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