Wort zum Sonntag - von GR Robert Dublanski
Die Kirche und ihre Berufung

Auch wir sollen heute wie die Apostel für Jesus, unseren Retter, Zeugnis abzulegen. Im Bild die Taufe eines Erwachsenen in der Osternacht in einer Pariser Kirche.
  • Auch wir sollen heute wie die Apostel für Jesus, unseren Retter, Zeugnis abzulegen. Im Bild die Taufe eines Erwachsenen in der Osternacht in einer Pariser Kirche.
  • Foto: Corinne Simon/KNA
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Was oder wer ist die Kirche? Unsere ersten Gedanken gelten vielleicht dem Tempel, den wir besuchen und der uns mit seinem Turm wie ein Zeigefinger zum Himmel und zu Gott weist. Es sei jedoch daran erinnert, dass die Kirche die Gemeinschaft der Getauften ist. Das Gebäude, in dem sich diese Gemeinschaft versammelt, um das Wort Gottes zu hören und die Sakramente zu feiern, wird auch Kirche genannt. Über die Kirche können wir
weiters sagen, dass sie eine Gemeinschaft gesandter Menschen ist. Und mit welcher Nachricht wurde sie gesandt?

Jesus kümmert sich um alle

Die Aussendung der Apostel im Evangelium dieses Sonntags war nicht nur für einen Ort, eine Gruppe von Menschen oder für eine bestimmte Zeit gedacht. Das Wort Gottes ist immer noch lebendig, daher ist es auch heute noch gültig und an jeden Menschen gerichtet. Diese Wahrheit zu erfahren und so herauszufinden, was bzw. wer die Kirche ist, ist für uns eine echte Herausforderung. Da lohnt es sich zu erklären, wie dieser Prozess in unserer Zeit vor sich geht.

Nachfolgende Generationen von Christen gewöhnen sich von Kindheit an an die Kirche, bereits in ihrem Haus, das in der Antike „die kleine Kirche“ genannt wurde. Sie gehen durch ihre eigene Kirche und Gemeinde ins Erwachsenenleben. Schließlich begegnen sie der Ortskirche in der Person des Bischofs mit seinem Lehrstuhl (Kathedra). Bei jeder heiligen Messe beten sie für ihren Hirten, indem sie seinen Namen gemeinsam mit dem Namen des Papstes nennen. Auf diesem Felsen Petri entdecken sie schließlich die Schönheit und die Weite der Universalkirche, die alle umfasst und niemand ausschließt.

Zusammen mit dem Inhalt der Gebete lernen sie die Wahrheiten des Glaubens, einschließlich der Wahrheit über die Kirche, dass sie eine ist, heilig und apostolisch. Die Kirche hat wie ein Mensch ihre Kindheit und Jugend. Zuerst wurde sie von Christus in einzelnen Etappen gebaut, darunter: die Verkündigung des Evangeliums (Sendung, um das Evangelium zu verkünden), dann die Wahl des Kollegiums der Zwölf, die Einsetzung der Eucharistie und der Auftrag, sie zum Gedächtnis zu feiern. So erlebte die Kirche, geboren aus Leben, Leiden, Tod und Auferstehung Christi, am Pfingsttag ihren Aufbruch in die Welt.

Die Jugend der Kirche wurde stark vom Kon­text der drei damaligen Kulturwelten beeinflusst: die jüdische Welt mit ihrer monotheistischen Religion, aus der das Christentum erwuchs; die griechische Philosophie mit ihrer beharrlichen Suche nach Wahrheit und den Versuchen, die Welt, Gott und den Menschen zu verstehen; und die Strukturen des Römerreichs mit seinem Recht, seiner Verwaltung und Politik.

Wenn wir die Geschichte der Kirche verfolgen, werden wir sehen, dass zwischen der ursprünglichen und der heutigen Kirche eine organische Einheit besteht. Im Laufe ihrer Geschichte hat die Kirche einen Weg des Wachstums und der Evolution beschritten. Dabei gibt es eine Identität zwischen dem, was früher war und dem, was heute existiert. Aus diesem Grund forderte das Zweite Vatikanische Konzil sowohl eine Rückkehr zu den Quellen (approfondimento) wie auch ein aggiornamento, also Hinwendung zur Gegenwart, in der die Kirche die Zeichen der Zeit sieht, die sie herausfordern. Die Kirche gehört nicht uns, sondern Christus, daher macht der Glaube an die Gegenwart des Heiligen Geistes sie nicht zu einem versteinerten Organismus und zu einem Mausoleum Gottes, sondern er wacht ständig in den menschlichen Seelen, wie Romano Guardini einmal schrieb, trotz der Tatsache, dass einige den Niedergang der Kirche verkündeten.

Endzeitpropheten erklärten, dass die christliche Zivilisation sich selbst überlebt hätte. Die Medizin, die die Kirche im Laufe der Jahrhunderte gebracht hatte, sei ausgelöscht und habe an Wert verloren. Nicht nur Friedrich Nitzsche verkündete den Tod Gottes und das Ende der Kirche, auch andere. Einige Stränge der Philosophie des 20. Jahrhunderts wollten sich gänzlich vom Gottesproblem befreien – es kam anders. In einer säkularisierten Gesellschaft erleben wir einen immer stärker werdenden Hunger nach Gott, gefolgt von dem Wunsch, den Ort seiner Gegenwart zu entdecken.

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Kirche, wenn sie ihre Kindheit und Jugend hat, sicherlich nie alt wird, denn in jeder Generation entdecken wir unsere eigene Frische und Schönheit wieder. Jede Taufe gibt der Kirche Kindheit und Jugend, und Christus hört nie auf, seine Apostel zu senden. Auch wir sollen uns unter ihnen sehen. Wie die Apostel, von denen wir in diesem Evangelium hören, ist heute jeder von uns gesandt, um für Jesus, unseren Retter, Zeugnis abzulegen.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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