"Danken wir, dass wir in Frieden leben dürfen"
Schönborn-Festmesse im Zeichen des Dankes

Kardinal Christoph Schönborn bei der Predigt während der Dankmesse im Wiener Stephansdom. Seit mehr als drei Jahrzehnten prägte der Erzbischof die katholische Kirche in Österreich und zählt als Theologe und Intellektueller zu den profiliertesten Vertretern der Weltkirche.
 | Foto: Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub
  • Kardinal Christoph Schönborn bei der Predigt während der Dankmesse im Wiener Stephansdom. Seit mehr als drei Jahrzehnten prägte der Erzbischof die katholische Kirche in Österreich und zählt als Theologe und Intellektueller zu den profiliertesten Vertretern der Weltkirche.
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Im Zeichen tiefer Dankbarkeit, nachdenklicher Rechenschaft und gläubiger Hoffnung hat Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom mit 4.000 Gästen den Dankgottesdienst angesichts seiner Emeritierung rund um seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Bei der Festmesse im Beisein der Spitzen von Staat, Kirchen und Religionsgemeinschaften im Stephansdom richtete der Kardinal in seiner Predigt „einen dankbaren Blick auf unser Land, auf Österreich“, aber auch auf die „tieferen Quellen der Hoffnung“ anhand der biblischen Texte der Feier. „Ohne das gute, gelebte Miteinander hätte ich nie meinen Dienst tun und mein Amt aktiv ausüben können, aus dem ich mich nun bald verabschiede“, sagte der Kardinal rückblickend auf seine fast 30 Jahre als Wiener Erzbischof.

„Ein Herz für Flüchtlinge haben“

Einmal mehr plädierte der Kardinal eindringlich für ein „Gelingen des gesellschaftlichen Miteinanders von Eingesessenen und Dazugekommenen“, das „entscheidend für unsere Zukunft“ sei. Auf seine persönliche Lebensgeschichte als Flüchtlingskind verweisend, sagte der Kardinal: „Ein Herz für Flüchtlinge zu haben, gehört zur Menschlichkeit. Es kann auch unser Schicksal werden.“ Und an anderer Stelle betonte der Wiener Erzbischof: „Mitgefühl ist das, was erst eine Gesellschaft menschlich macht. Unbarmherzigkeit vergiftet die Gesellschaft und uns selbst.“

„Danken wir, dass wir in Frieden leben dürfen. Es ist keine Selbstverständlichkeit.“

„Ich empfinde heute besonders schmerzlich den Kontrast zwischen dem freudigen Fest des Dankes, das wir feiern, und dem großen Abschied, den in unserem Land so viele Menschen meist stillschweigend von der Kirche vollziehen, allein 2023 waren es 85.000“, sagte der Kardinal eingangs in seiner betont nachdenklichen Predigt, in der er eine „ehrliche Bilanz“ ziehen wolle. Auch er selbst schulde Gott gegenüber Rechenschaft über seinen Dienst. Nüchtern diagnostizierte Schönborn: „Wir nähern uns einem weit verbreiteten religiösen Analphabetismus“, der aber auch eine Chance für ein neues Suchen nach Sinn und ein Entdecken des Glaubens sein könne.

Trotz der zahlreichen Kirchenaustritte sei es dennoch „seltsam“, dass sich zwei Drittel der Bevölkerung „wünschen, dass Österreich weiter ein christliches Land bleibt. Wie soll das alles zusammengehen?“ Und Schönborn weiter: Was bedeutet es, dass ganz Österreich, die Menschen dieses Landes, den Dom nach dem Krieg – trotz allgemeiner Armut – in so schneller Zeit wieder aufgebaut haben, fast gleich schnell, wie ganz Frankreich, das säkulare Land, seine vom Brand schwer betroffene Notre-Dame wieder aufgebaut hat? Was zeigt sich da an Hoffnung, an Lebendigkeit?“ Vor diesem Hintergrund empfahl der Wiener Erzbischof eine Grundhaltung der Dankbarkeit: „Danken wir, dass wir in Frieden leben dürfen. Es ist keine Selbstverständlichkeit.“

„Pontifex austriacus“

Mit Kardinal Schönborn feierten am Altar u. a. alle amtierenden österreichischen Bischöfe und Weihbischöfe, allen voran Bischof Alois Schwarz und Weihbischof Anton Leichtfried. Die Diözese St. Pölten gehört zur Kirchenprovinz Wien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte Kardinal Christoph Schönborn in seiner Ansprache am Ende des Dankgottesdienstes als Brückenbauer in Religion, Gesellschaft und Politik. Er bezeichnete den Erzbischof als „Pontifex austriacus“ und löstet damit spontanen Applaus aus. Van der Bellen wörtlich: „Sie sind ein Mann des Zuhörens, ein Mann des Dialogs, ein Mann des Friedens.“ Van der Bellen: „Wann immer nötig, standen Sie auf der Seite der Schwachen, der Ausgegrenzten, der Benachteiligten. Nicht immer zur Freude der politisch Mächtigen.“

Zu Redaktionsschluss dieser „Kirche bunt“-Ausgabe wurde erwartet, dass Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des Kardinals zu dessen 80. Geburtstag am 22. Jänner annimmt.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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