Oster-Interview mit Bischof Alois Schwarz
Glaube an Auferstehung lässt uns das Dunkle unserer Zeit bestehen
- Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz
- Foto: Diözese St. Pölten
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Im Oster-Interview spricht Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz über Hoffnung in Zeiten voll Krisen, Kriegen und sozialer Spannungen. Dabei geht er u. a. auch auf Themen ein, wie den „Fake news“ zur Zeit Christi, welche Rolle Maria im Ostergeschehn hat und wie sich die Rolle der Frauen in der Kirche in der nächsten Zeit verändern wird.
Wir leben in einer Krisenzeit: Kriege, Teuerungen, gesellschaftliche Spaltung. Verdunkeln diese Dinge den Glauben an die Auferstehung?
Bischof Alois Schwarz: Es ist tatsächlich eine sehr befremdende Zeit geworden. Viele Menschen nennen sie dunkel, traurig, aggressiv, düster oder dergleichen. Es ist ein unglaublich kostbares Geschenk, einen Glauben haben zu können, denn gerade der Glaube an Gott, an Jesus Christus und den Heiligen Geist lässt uns hoffen. Der Glaube an die Auferstehung wird durch die Dunkelheit unserer Zeit nicht verdunkelt, sondern lässt uns das Dunkle unserer Zeit bestehen. Menschen, die ihr Leben aus dem Glauben gestalten, leben in der Hoffnung, dass Gott alles zum Guten führen wird und dass letztlich das Licht stärker sein wird als alle Finsternis der Welt.
Auferstehung geht nicht ohne Tod. Mit allen möglichen Mitteln versuchen die Menschen heute, ihr Leben, ihre Jugend zu verlängern. Wie steht die Kirche zu diesen Dingen?
Bischof Schwarz: Aus meiner Sicht geht es hier um grundsätzliche Überlegungen der Dankbarkeit und Zufriedenheit. Wir Menschen leben hier in Europa mit einer starken Orientierung an Wohlstand, Bequemlichkeit und der Vorstellung, dass der Mensch alles selbst bestimmen kann und vor allem darf. Es geht in vielen Bereichen darum, dass der Mensch das Maß aller Dinge und Lebenseinstellungen bzw. der gelebten Werte geworden ist. An die Stelle Gottes, so beobachte ich, tritt immer häufiger der Mensch selbst. Darin erkenne ich eine Gefahr. Die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel erinnert uns daran, wohin der Wunsch führen kann, „wie Gott sein zu wollen“. Die Kirche kann deshalb diese Bestrebungen zum Schutz für den Menschen nicht gutheißen.
Es wird das erste Ostern für Papst Leo als Pontifex sein. Gibt es etwas, worauf wir gespannt sein dürfen, auch im Gegensatz zu seinem Vorgänger?
Bischof Schwarz: Es liegt mir fern, Erwartungen an Papst Leo XIV. zu stellen, geschweige denn diese zu äußern. Aus meiner Sicht lebt der Heilige Vater sein Amt spirituell, sehr besonnen und überzeugend. Seine Worte zu den unterschiedlichen Themen sind wohlüberlegt und präzise. Das schätze ich sehr an ihm. Auch ich lasse mich überraschen, welche Botschaft er für uns zum heurigen Osterfest haben wird.
Ostern ist das Fest der Erlösung, die wir von Gott geschenkt bekommen und nicht aus uns selbst erlangen können. Ist so etwas in einer Welt, in der die Sünde keine Kategorie mehr zu sein scheint und darüber hinaus Selbstbestimmung wichtiger als das meiste andere ist, noch vermittelbar?
Bischof Schwarz: Das Wort „Sünde“ stößt bei manchen Menschen auf Ablehnung und Widerstand. Doch dahinter verbirgt sich der heute so modern gewordene Begriff des Fehlerbewusstseins. Jedes gesunde, soziale Miteinander lebt davon, dass Menschen sich Fehler eingestehen können. Wer sich Fehler eingestehen kann, dem ist der Wunsch und die Bitte um Vergebung beim Anderen selbstverständlich. Wer zudem aus dem Glauben lebt, weiß, dass wir dort, wo wir einander Liebe schuldig geblieben sind, auch Gott diese Liebe schuldig bleiben. Deshalb ist das Sakrament der Versöhnung letztlich ein heilendes und stärkendes Sakrament, das uns ermöglicht, durch Gott und im Namen Gottes – als von Schuld erlöste Menschen – wieder neu auf die Mitmenschen zugehen zu können. Es ermöglicht einen neuen Anfang.
Vor seinem Tod gab Jesus am Kreuz seinem Lieblingsjünger Johannes Maria zur Mutter. Welche Rolle spielt Maria im Ostergeschehen und wie können wir mit ihr und durch sie zu einem tieferen Verständnis von Ostern gelangen?
Bischof Schwarz: Wir lernen von Maria den von Gott bestimmten Weg durchzu,halten. Diese Haltung spiegelt sich im Leben Jesu wider, das im Kreuz seinen Höhepunkt findet. Gleichzeitig ist die Mutterschaft Marias, die Jesus, den Sohn Gottes geboren hat, ein wesentlicher Aspekt in der Ostergeschichte. Maria ist, in Erfüllung des göttlichen Plans, die Trägerin des göttlichen Lebens, das sie im Stall von Betlehem zur Welt brachte. Beim Ostergeschehen verwandelt Gott das vom Tod beendete Leben Jesu neu. Man könnte sagen: Betlehem und Ostern sind zwei große „Geburtsmomente“ – Wandlungen des Lebens durch Gottes Handeln. Maria ist Teil des göttlichen Plans, den sie erkannt hat und für den sie gelebt hat.
Die ersten, die Zeugen der Auferstehung wurden, waren Frauen. Wie wird sich die Rolle der Frau in der Kirche in nächster Zeit verändern?
Bischof Schwarz: Ich würde sagen: Es ist die geistliche Sensibilität, die Frauen zu ersten Zeugen der Auferstehung werden ließ. Es braucht Menschen, die intuitiv Dinge erfassen können, unabhängig von Amt und Funktion. Die Rolle der Frau in der Kirche sollte sich dahingehend verändern, dass man Frauen als wichtige Gesprächspartnerinnen in Entscheidungsprozesse einbindet, auch über den Kreis der kirchlichen Mitarbeiterinnen hinaus. Es braucht eine ausgewogene Verteilung der (leitenden) Aufgaben zwischen Männern und Frauen.
Ramadan und Fastenzeit haben dieses Jahr fast gleichzeitig begonnen. Wie bewerten Sie den Zusammenhalt von Christen und Muslimen in Österreich?
Bischof Schwarz: Es gibt viele wunderbare Erlebnisse mit Menschen aus der muslimischen Glaubensgemeinschaft, für die ich als Bischof sehr dankbar bin. Überall dort, wo der Islam als Religion gelebt wird, gibt es unzählige positive und wertschätzende Erfahrungen im interreligiösen Miteinander. Dort aber, wo wir den Islam bzw. das Christentum als politisches Mittel zum Zweck einsetzen, dort verhärten sich die Fronten und es wird Spaltung und Ablehnung produziert. Das bedauere ich sehr, denn der Zusammenhalt wird dann empfindlich gestört. Deshalb ist Wertschätzung und Respekt von beiden Seiten notwendig.
Schon direkt nach der Auferstehung Jesu kursierten die „Fake News“: Die Hohepriester verbreiteten das Gerücht, die Jünger hätten den Leichnam Jesu gestohlen und er sei gar nicht auferstanden (Mt 28,11-15). Bis heute bleibt die Auferstehung ein schwer zu fassendes und erfassendes Ereignis – und für manche auch unglaubwürdig. Was kann man den Menschen, die nicht glauben, entgegnen?
Bischof Schwarz: Wenn man schon einmal erlebt hat, dass ein Mensch, der einem sehr nahestand, gestorben ist, dann weiß man, dass man mit diesem Menschen auch über den Tod hinaus im Gespräch verbunden ist. Manche sagen sogar, er oder sie ist wie ein Schutzengel für mich geworden. All das sind Zeichen, dass die Verbindung eines Menschen über den Tod hinaus bestehen bleiben kann. Das heißt, das Leben geht – wenn auch in einer anderen, noch nie zuvor dagewesenen Form – weiter. Dazu muss ich noch nicht glauben können. Da gibt es viele Menschen, die das bereits erfahren haben. Seit Jesu Tod aber wissen wir, dass Jesus uns hier auf Erden nicht zurücklässt. Unser Weg auf Erden wird einst bei Gott im Himmel seine Beheimatung finden – und das ist unser Glaube. Freilich, es ist eben nicht das Wissen, sondern der Glaube, dass es so sein wird. Das glauben zu können, ist ein Geschenk.
Neben den liturgischen Pflichtterminen: Wie verbringen Sie Ostern?
Bischof Schwarz: In der intensiven Auseinandersetzung mit den Schrifttexten der jeweiligen Tage und im gemeinsamen Feiern der Liturgie. Deshalb freue ich mich sehr auf das Osterfest, wenn ich mich auch heuer wieder hineinbergen darf in die Lebendigkeit und Lebensfreude unseres Gottes. Interview: Sonja Planitzer
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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