Highlights aus Museum am Dom, Folge 7
Glasmalerei - facettenreiches Bildmedium

Glasmalerei ,,Maria mit dem Dinde und hl. Leonhard" gehörte einst zur Pfarre Lunz. | Foto: Museum am Dom
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  • Glasmalerei ,,Maria mit dem Dinde und hl. Leonhard" gehörte einst zur Pfarre Lunz.
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In der Jahresausstellung „In Feuer geboren“ befasst sich das Museum am Dom neben der christlichen Bedeutung des Elementes auch mit Sakralkunstwerken, die durch Feuer entstanden sind. Dazu gehören auch Glasmalereien, die dieser Beitrag behandelt.

Glasmalereien vereinen Nutzen, Kunst und Lehre in einem Medium: Sie schützen den Innenraum vor direkten Witterungseinflüssen und durch wechselnde Lichtverhältnisse zu unterschiedlichen Tageszeiten wird zudem eine stimmige, teils mystische Atmosphäre im Kirchenraum geschaffen. Nicht zuletzt visualisieren die sakralen Darstellungen der Glasmalereien bedeutende biblische wie außerbiblische Szenen und brachten den einst oft leseunkundigen Gläubigen das Heilsgeschehen näher.

Selbst in Malschichten – etwa bei Wandmalereien oder Leinwandgemälden – findet Glas Verwendung: So wurde das zu feinstem Pulver vermahlene Kobaltglas, die sogenannte „Smalte“, in der Barockzeit als wichtiges Blaupigment eingesetzt; das ebenfalls aus gefärbtem und pulverisiertem Glas hergestellte „Ägyptischblau“ lässt sich bereits ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. in Ägypten nachweisen.

Ein diffiziles Handwerk

Glas wird in erster Linie aus Quarzsand gewonnen. Dieser wird mit anderen Stoffen erhitzt, die unterschiedliche Funktionen wie z. B. eine Herabsetzung des Schmelzpunktes oder eine Stabilisierung des Gefüges bewirken. Beim Abkühlen erstarrt die Schmelze zu einem glasigen Netzwerk. Für die Farbgebung der Glasscheiben sorgen färbende Metalloxide.
Die gewonnenen bunten Glasscheiben werden gebrochen und je nach Bildkomposition zusammengestückelt. Danach erfolgt die Bemalung der bunten Glasscheiben: Mit Schwarzlot, einem niedrigschmelzenden Glaspulver unter Zusatz eines feuerfesten Pigments (Eisenoxid), werden u. a. Konturen und Gesichter auf die entsprechenden Scheiben gemalt und anschließend eingebrannt. Mithilfe einer Gänsefeder werden charakteristische Ornamente (Lilien, Palmetten etc.) eingeritzt. Der Verbindung der einzelnen Glasstücke dienen Bleiruten, die an entsprechenden Punkten verlötet werden.
Im Mittelalter wie auch heute werden die Glasscheiben in Glashütten hergestellt; die Glasmalereien von ausgebildeten Glasmalerinnen und Glasmalern ausgeführt.

Eine der bedeutendsten
Glasmalereien ist jene des
heiligen Stephanus, einst
Element der gotischen Pfarr-
kirche St. Stephan in Eggenburg.

Im Museum am Dom werden zurzeit spätmittelalterliche Glasmalereien präsentiert, die zum Teil bereits im ersten Sammlungskatalog des Diözesanmuseums von 1893 vermerkt sind. Es handelt sich dabei um qualitativ hochwertige Exponate, die aus Pfarrkirchen der Diözese St. Pölten stammen und aufgrund von Neuverglasungen im späten 19. Jahrhundert entnommen werden mussten.

Eine der bedeutendsten Glasmalereien ist jene des heiligen Stephanus. Sie bildet ursprünglich ein Element der gotischen Pfarrkirche St. Stephan in Eggenburg und wurde im Zuge einer Umgestaltung entfernt. Interessanterweise hat die Stephanusscheibe (um 1520) als einzige spätgotische Glasmalerei die (teilweise wieder rückgeführte) Barockisierung der Pfarrkirche überlebt. Dies ist vermutlich auf die Darstellung des Kirchenpatrons zurückzuführen: Das Glasgemälde gibt den Heiligen mit seinen kennzeichnenden Attributen in Form von Steinen wieder, da er der Legende nach das Martyrium erlitten hat, indem er zu Tode gesteinigt wurde.

Typische Merkmale mittelalterlicher Glasmalerei wie die nachgemalten Konturen in Schwarzlot und mit Feder eingravierte Ornamente werden auf der Glasmalerei vereint. Selbiges trifft auf die Darstellung „Maria mit Kind und hl. Leonhard“ (nach 1500) aus der Pfarrkirche Lunz zu. Neben ihrer künstlerischen Qualität ist es vor allem die anspruchsvolle wohl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stattfindende Restaurierung: Neutrale und farblich angepasste Einstückelungen ergänzen die einst gebrochenen Glasscheiben. Felix Renner

Glasmalerei ,,Maria mit dem Dinde und hl. Leonhard" gehörte einst zur Pfarre Lunz. | Foto: Museum am Dom
Die Glasmalerei "Hl. Stephanus" befand sich in der Pfarrkirche Eggenburg. | Foto: Museum am Dom
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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