Highlights aus Museum am Dom, Folge 6
Emaille - zwischen Kunsthandwerk und Kochgeschirr

Reliquienkästchen, Limoges, um 1200, MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien. | Foto: Museum am Dom
3Bilder
  • Reliquienkästchen, Limoges, um 1200, MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien.
  • Foto: Museum am Dom
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

In der Jahresausstellung „In Feuer geboren“ befasst sich das Museum am Dom neben der christlichen Bedeutung dieses Elementes auch mit Sakralkunstwerken, die durch Feuer entstanden sind. Eine der ältesten Kunsthandwerkstechniken, bei der Feuer eine wichtige Rolle spielt, ist die Emaille-Kunst.

Die Email oder Emaille ist ein vielfältiger Begriff: Beide Schreibweisen sind korrekt und bezeichnen ein Kunsthandwerk, das bereits vor mehreren tausenden Jahren im heutigen Ägypten und Griechenland bekannt war. Die kürzere Schreibweise benennt zudem ein heute wichtiges Kommunikationsmittel: das Email hat aber nichts mit Feuer zu tun – wir bleiben zur besseren Unterscheidung daher bei der längeren Variante.

Was ist Emaille?

Das Wort „Emaille“ leitet sich vom mittelhochdeutschen „smelzan“ ab, was „schmelzen“ bedeutet. Es ist eine Glasmasse, die in zerkleinerter Form (häufig als Granulat oder feingeriebenes Pulver) auf einen Metallträger aufgebracht und unter Hitze aufgeschmolzen wird. Aus diesem Grund kann das Material auch als „Glasschmelz“ bezeichnet werden. Emaille braucht also immer ein Trägermaterial, ist so hart wie Glas, bis zu sehr hohen Temperaturen hitzebeständig und schützt das darunterliegende Metall vor Korrosion.
Ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum bekannt, verbreitet sich die Emaille-Kunst im Mittelalter auch im europäischen Zentralraum. Eines der bekanntesten Herstellungszentren von Emaille ist die französische Stadt Limoges im nordwestlichen Zentralmassiv. Sie liegt in einer Gegend reicher Rohstoffvorkommen, die man für die Herstellung des Glasschmelzes braucht. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden in dieser Region Kirchengeräte in anspruchsvoller Emaille-Technik hergestellt. Vom 15. bis 17. Jahrhundert entstehen dort auch Emaille-Gemälde, deren Herstellungsverfahren als „Limoges-Technik“ bekannt ist.

In der Ausstellung des Museums am Dom sind mehrere Objekte aus Limoges zu sehen. Besonders eindrucksvoll ist ein kleines Reliquienkästchen in Form eines Hauses. Es beherbergte ursprünglich die Reliquien der heiligen Valeria (der Patronin von Limoges) sowie des heiligen Dionysius von Paris (dem Patron Frankreichs), die darauf in blauer Emaille-Technik dargestellt sind. Beide Heiligen gehören zu den sogenannten „Cephalophoren“, was „Kopfträger“ bedeutet und ein Hinweis auf ihr Martyrium ist: Sie wurden geköpft, lebten danach aber noch weiter und werden deshalb häufig mit ihrem Kopf in der Hand dargestellt.

Seit über 2.000 Jahren werden Metallobjekte mit Emaille verziert - eine Kunstform, die nach wie vor bedeutend ist.

In erster Linie dient Emaille als Verzierung und ist daher untrennbar mit der Goldschmiede-Kunst verbunden. Nur selten steht es als selbstständige Kunstform im Mittelpunkt: Ein herausragendes Beispiel dafür ist der sogenannte Verduner Altar aus dem Stift Klosterneuburg. Dieses vom französischen Goldschmied Nicolas von Verdun im 12. Jahrhundert geschaffene Werk war ursprünglich die Kanzelverkleidung in der Stiftskirche. Erst im 14. Jahrhundert wurde es durch eine Erweiterung zum heutigen großen Altar umgearbeitet. In der Ausstellung ist ein Emaille-Altar zu sehen, der in Anlehnung an den Verduner Altar im 20. Jahrhundert entstanden ist: Der Künstler Erich Hamann schuf den Altar zwischen 1953 und 1956 und griff dabei die Farb- und Formensprache des mittelalterlichen Vorbildes auf.

Seit über 2.000 Jahren werden Metallobjekte mit Emaille verziert – auch in der Gegenwart hat die Kunstform nach wie vor Bedeutung, wie der ausgestellte Altar und andere zeitgenössische Emaille-Objekte veranschaulichen. Die uns heute bekannte Funktion von Emaille als Überzug und Schutz von metallischen Gegenständen wie Kochgeschirr ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts – und macht es möglich, dass Emaille heute in fast jedem Haushalt zu finden ist (ebenso wie das Kommunikationsmittel mit ähnlicher Schreibweise).
Von Manuela Rechberger

Reliquienkästchen, Limoges, um 1200, MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien. | Foto: Museum am Dom
Emaille-Altar, Erich Hamann, 1953–1956, Universität f. angew. Kunst Wien © Museum am Dom | Foto: Museum am Dom
Monstranz, Bruder Bernward Schmid OSB, 1962, Konvent der Ursulinen, Graz  | Foto: Museum am Dom
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ