Highlights aus Museum am Dom, Folge 8
Der „rote Hahn“ – die gefährliche Seite des Feuers

Dombrand am 6. Dezember 1962.   
 | Foto: FF St. Pölten Stadt

In der Jahresausstellung „In Feuer geboren“ befasst sich das Museum am Dom neben der christlichen Bedeutung des Elementes auch mit Sakralkunstwerken, die durch Feuer entstanden sind. Die zerstörerische Kraft des Elements wird in Darstellungen von Brandkatastrophen eindrücklich sichtbar.

Den vielen positiven und schöpferischen Facetten des Feuers muss seine ungeheure zerstörerische Seite gegenübergestellt werden. Feuer war und ist für unzählige Tragödien verantwortlich: Außer Kontrolle geratene Brände vernichteten ganze Landstriche und hinterließen eine Spur der Zerstörung und Verwüstung. Auch in der Vergangenheit brachten Brände stets verheerende wirtschaftliche und persönliche Begleitumstände mit sich.
Bildgewaltige Zeugen vieler Brandkata-strophen sind zum Beispiel Votivbilder. Sie werden in einer Notsituation oder als Dank für den erfolgten Beistand an Wallfahrtsorten geopfert. Mit großer Detailfreude erzählen diese Bilder von brenzligen Situationen, die Leib und Leben sowie Haus und Hof bedrohten. Als letzter Ausweg schien den Menschen dieser Zeit die göttliche Fürsprache, da Naturkatastrophen mitunter als Strafe und Gericht Gottes aufgefasst wurden.

Florian – Patron der Feuerwehr

Im Bestand der Pfarre Loosdorf findet sich ein Votivbild, das die Gemeinde Schollach (zu Loosdorf gehörige Ortschaft) 1756 stiftet. Dem Genre des Votivbildes folgend nennt die Inschrift die Ortschaft und das Datum des Brandes. Über einem brennenden Haus, das sich direkt im Ortszentrum befand, sind mittig das Mariazeller Gnadenbild sowie links der heilige Laurentius und rechts der heilige Florian zu sehen. Laurentius ist der Patron der Pfarre Loosdorf und wacht demnach schützend über diese, während Florian als Patron der Feuerwehr im Begriff ist, den Brand zu löschen.

Es war nicht unüblich, je nach Dringlichkeit der Situation, mehrere Heilige anzurufen und diese auch auf den Votivbildern abzubilden. Vor allem größere Gemeinschafen gedachten in zyklisch wiederkehrenden Abständen der glücklichen Rettung und ließen zu diesem Anlass oftmals – wie im Falle Schollachs – in der Vergangenheit gestiftete Bilder später übermalen bzw. erneuern.
Besonders in Städten bestand die Gefahr eines Großbrandes durch die enge Bebauung. Viele Städte, Klöster und Schlösser brannten nieder, weil sich das Feuer ungehindert ausbreiten konnte. Schon im antiken Ägypten und Rom wurden bei Stadtbränden Löscheinheiten eingesetzt. Im 19. Jahrhundert wurden dann Feuerwehren, wie man sie heute kennt, gegründet.

Votivbilder sind bildgewaltige Zeugen vieler
Brandkatastrophen.

Offenes Feuer war bis ins 20. Jahrhundert im Alltag überall zu finden. Eine Unachtsamkeit reichte, um einem Haus, einer Straße oder einer Stadt den „roten Hahn“ aufzusetzen. Auch in der heutigen Landeshauptstadt St. Pölten brannte es mehrmals, wobei auch das ehemalige Kloster, in dem sich das Museum am Dom befindet, immer wieder beschädigt wurde: 1512 brannten die Türme der heutigen Domkirche ab, es wurde nur mehr der bis heute bestehende Südturm wieder aufgebaut. Ein Jahrhundert später, im Jahr 1621, zerstörte ein Feuer Stift und Stadt großflächig.

Bis in die jüngere Vergangenheit passierten solche Katastrophen: Am 6. Dezember 1962 brach im Dachstuhl des Domes ein Brand aus. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen auf den Innenraum verhindern, wodurch die barocke Ausstattung den Brand unbeschadet überstand. Feuchtigkeitsschäden machten allerdings in den Folgejahren eine Generalsanierung der Orgel notwendig.

Besonders tragisch sind Ereignisse, die Menschenleben fordern, etwa der Brand im St. Pöltner Möbelhaus Leiner 1989, bei dem eine Mitarbeiterin starb.

Große Feuerkatastrophen brannten sich in das kollektive Gedächtnis ein, mobilisierten aber auch: So war der Wiederaufbau nach den Bränden des Wiener Stephansdomes 1945 und der Kathedrale Notre-Dame de Paris 2019 mit der großen Unterstützung durch Spenden möglich. Von Maximilian Zach und Barbara Taubinger

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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