Priesterstudientagung & Mariazell-Wallfahrt
Vom Know-how der Bauernschaft lernen

Priesterstudientagung in St. Pölten | Foto: Wolfgang Zarl
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Sowohl bei der Bauernbundwallfahrt nach Mariazell als auch bei der Priesterstudientagung in St. Pölten gab es einen fruchtbaren Austausch zwischen Priestern und Bauernvertretern.

Fast direkt von der großen, 79. Niederösterreichischen Bauernbundwallfahrt nach Mariazell kamen die beiden NÖ Landwirtschaftskammer-Vertreter Paul Nemecek und Reinhard Polsterer als Referenten zur Priesterstudientagung ins St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt (15. bis 19. September). Thema: „Heute Pfarrer sein“. Immer wieder verwiesen sie bei ihren Ausführungen auf die Wallfahrt.

Wallfahrt ist „Kraftquelle“

Unter dem Motto „Wertschätzung“ stand vom 13. bis 14. September die Wallfahrt des Bauernbundes nach Mariazell. Dem abschließenden Festgottesdienst in der Basilika stand der Lilienfelder Abt Pius Maurer vor. Die Christen seien von ihrem Ursprung her berufen, in unserer Gesellschaft eine aufbauende Rolle zu leben, so Abt Pius. Schon am Samstagabend feierte die Landjugend eine Wallfahrermesse in der Basilika mit anschließender Lichterprozession.

Bauernbundobmann Stephan Pernkopf bezeichnete die Wallfahrt als „Kraftquelle“ und „Ort der Dankbarkeit für unsere Heimat und für alles, was wir gemeinsam aufgebaut haben“. Zugleich gelte es, die Zukunft mit Mut zu gestalten. Pernkopf erinnerte auch an das Hochwasser vor einem Jahr und dankte allen Einsatzkräften. Unter den vielen Wallfahrern waren auch die Minister Norbert Totschnig und Klaudia Tanner.

Die Bauernbundwallfahrt geht zurück auf ein Gelöbnis von Leopold Figl und Josef Reither. Im Zweiten Weltkrieg und in KZ-Gefangenschaft gelobten die beiden, dass sie Niederösterreichs Bauern nach Mariazell führen würden, wenn Österreich von der Terrorherrschaft des NS-Regimes befreit und wieder Freiheit erlangt. Erstmals einlösen konnten Figl, damals Bundeskanzler, und NÖ-Landeshauptmann Reither ihr Gelöbnis 1947.


Herausforderung Aggiornamento


Die Priesterstudientagung für Priester und Diakone, deren Familienname mit den Buchstaben M bis R beginnt, thematisiert die derzeitige pastorale Situation. Eröffnet wurde sie mit einleitenden Worten von Bischof Alois Schwarz, Weihbischof Anton Leichtfried und Hauptorganisator Christian Ebner. Weihbischof Anton betonte, dass sich der Beruf des Pfarrers in den letzten Jahren sehr geändert habe. Bei der Priesterstudientagung solle mit renommierten Referenten besprochen werden, was es brauche, um im Heute gut und gerne Pfarrer zu sein.

Dazu brauche es auch einen Blick auf die Gesellschaft und auf die Welt. Die Landwirtschaftskammer-Vertreter Nemecek und Polsterer zeigten sich erfreut, dass – wenn die Rahmenbedingungen passen – auch zahlreiche Jugendliche Gottesdienste besuchen. Als Beispiele nannten sie die Mariazell-Wallfahrt, an der Jahr für Jahr immer mehr junge Leute teilnehmen würden, oder die Jahresmitgliederversammlung der Landjugend in Wieselburg, bei der etwa 1.000 Mitglieder mit Pfarrer Hans Wurzer Gottesdienst feiern.

"Megatrends"

Zu berücksichtigen seien gesellschaftliche „Megatrends“, die Herausforderungen darstellen: Individualisierung (Wer übernimmt noch Verantwortung für andere?), Radikalisierung (die eine Wahrheit wird mit voller Härte vertreten), Konnektivität (Sehnsucht nach Verbindung und Begegnung), Gendern (Wie kann man die Rolle der Frauen in der Kirche noch erklären?), Spiritualtität (verstärkt auch von anderen Anbietern), Regionalität (vor Ort zu sein, ist unschlagbar), Gesundheit (Trend des bewussten Verzichts), Konservatismus (Suche nach geordneten Verhältnissen in unruhiger Welt – Rückbesinnung auf die Familie), Neo-Ökologie (Schöpfungsverantwortung).

Eine besondere Herausforderung sei das Aggiornamento: Wie erneuert, öffnet und passt man eine Organisation an neue Zeiten an? Dies betreffe sowohl landwirtschaftliche Organisationen als auch die Kirche. Es gelte, seine Strukturen ständig zu hinterfragen: Was vor 70 oder 100 Jahren gepasst hat, sei im Jetzt vielleicht überholt. Wie und was wir glauben sei in das Heute zu bringen, diese Herausforderung stelle sicher immer wieder neu. Foto:

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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