Papstamt
Papst Leo XIV. ins Amt eingeführt
- Papst Leo XIV. bei der feierlichen Messe zur offiziellen Einführung in sein Amt am 18. Mai auf dem Petersplatz im Vatikan.
- Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
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Am Sonntag, 18. Mai, wurde Leo XIV. offiziell in sein Amt als 267. Papst eingeführt. In seiner Predigt vor Hunderttausenden Menschen, darunter zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter von Königshäusern, rief der Papst zu mehr Einigkeit auf und geißelte die Folgen von Kapitalismus, Machtgier und Krieg.
Zeitgleich zur Amtseinführung von Papst Leo XIV. im Vatikan läuteten die Glocken in Österreichs Kirchen. Bei der feierlichen „Messe zum Beginn des Petrusdienstes des Bischofs von Rom“ auf dem Petersplatz wurden dem 69-Jährigen die päpstlichen Insignien überreicht: das Pallium und der Fischerring. Die Messe wurde von 200 Kardinälen und 750 Bischöfen und Priestern mitzelebriert. Anwesend waren auch 400 Diakone und Priester, die die Kommunion verteilten.
Das Papstamt ist gekennzeichnet durch aufopfernde Liebe
„Ich wurde ohne jeglichen Verdienst ausgewählt und komme mit Furcht und Zittern zu euch als ein Bruder, der sich zum Diener eures Glaubens und eurer Freude machen und mit euch auf dem Weg der Liebe Gottes wandeln möchte, der möchte, dass wir alle eine einzige Familie sind“, sagte Leo XIV. in seiner auf Italienisch gehaltenen Predigt, die mehrfach von Applaus unterbrochen wurde.
Das Papstamt sei gekennzeichnet durch „aufopfernde Liebe“, wie Jesus es einst Pet-rus aufgetragen hatte. Die Kirche von Rom habe den Vorsitz in der Liebe, und ihre wahre Autorität sei die Liebe Christi. „Es geht niemals darum, andere durch Zwang, religiöse Propaganda oder Machtmittel zu vereinnahmen, sondern immer und ausschließlich darum, so zu lieben, wie Jesus es getan hat.“
Ein Nachfolger Petri müsse „die Herde weiden, ohne je der Versuchung zu erliegen, ein einsamer Anführer oder ein über den anderen stehender Chef zu sein, der sich zum Beherrscher der ihm anvertrauten Menschen macht“, sagte Leo XIV. Im Gegenteil, von ihm werde verlangt, dem Glauben der Brüder und Schwestern zu dienen, indem er mit ihnen gemeinsam auf dem Weg ist: „Denn wir alle sind durch unsere Taufe dazu berufen, das Haus Gottes in geschwisterlicher Gemeinschaft, im Einklang des Heiligen Geistes und in einem Zusammenleben in Verschiedenheit aufzubauen.“
„Die Kirche besteht aus all denen, die mit ihren Brüdern in Eintracht leben und den Nächsten lieben“, zitierte der erste Augustinermönch auf dem Stuhl Petri den heiligen Augustinus und fügte hinzu: „Ich würde mir wünschen, dass dies unser erstes großes Verlangen ist: eine geeinte Kirche, als Zeichen der Einheit und der Gemeinschaft, die zum Ferment einer versöhnten Welt wird.“
Es geht nur darum, „so zu lieben, wie Jesus es getan hat“.
Der neue Papst sprach von „zu viel Zwietracht, zu viele Wunden, die durch Hass, Gewalt, Vorurteile, Angst vor dem anderen und durch ein Wirtschaftsmodell verursacht werden, das die Ressourcen der Erde ausbeutet und die Ärmsten an den Rand drängt“. Leo XIV. rief dazu auf, Einheit, Gemeinschaft und Geschwisterlichkeit zu fördern. „Wir möchten der Welt mit Demut und Freude sagen: Schaut auf Christus! Kommt zu ihm! Nehmt sein Wort an, das erleuchtet und tröstet! Hört auf sein Angebot der Liebe, damit ihr zu seiner einen Familie werdet: In dem einen Christus sind wir eins.“
An alle Menschen, ganz gleich welchen Glaubens oder noch auf der Suche, appellierte er, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, um eine neue friedliche Welt aufzubauen. „Brüder und Schwestern, dies ist die Stunde der Liebe! Die Liebe Gottes, die uns zu Brüdern und Schwestern macht, ist der Kern des Evangeliums“, sagte Leo.
Vor Beginn der Messe stieg Leo XIV. gemeinsam mit den zehn Oberhäuptern der katholischen Ostkirchen zum Petrusgrab unter dem Zentralaltar des Petersdoms hinab. Dort nahmen Diakone das dort zuvor aufbewahrte Pallium – die weiße Wollstola des Papstes mit Kreuzen –, den Fischerring und das Evangeliar für den Papst und trugen es in Prozession durch die Basilika zum Altar auf den mit Blumen geschmückten Petersplatz. Während der Prozession wurde die „Laudes Regiae“ – Lobpreis zu Christus, dem König – gesungen.
Pallium und Ring
Das Pallium ist eine Stola aus Schafswolle mit schwarzen Kreuzen, die an die Wundmale Jesu erinnern sollen, und symbolisiert das Hirtenamt des Papstes. Der Fischerring erinnert an den Apostel Petrus. Er war laut der biblischen Erzählung Fischer und erhielt von Jesus den Auftrag, „Menschen zu fischen“ – sie für den christlichen Glauben zu begeistern.
Nach dem Evangelium legte der französische Kardinal Dominique Mamberti aus der Klasse der Kardinaldiakone dem neuen Papst das Pallium auf die Schultern. Der kongolesische Kardinal Fridolin Ambongo Besungu aus der Ordnung der Kardinalpriester sprach anschließend ein Gebet, bevor der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle Leo XIV. den Fischerring ansteckte. Bewusst wurden damit Kardinäle aus drei verschiedenen Kontinenten ausgewählt.
Zwölf repräsentativ für Stand und Herkunft ausgewählte Angehörige des Volkes Gottes versprachen danach in einem eigenen Ritus dem neuen Papst Treue. Unter ihnen waren ein Ehepaar, zwei Jugendliche, drei Kardinäle, der Bischof der peruanischen Diözese Callao, ein Priester, ein Diakon sowie Generaloberin Oonah O‘Shea von den Schwestern von Notre Dame de Sion und Jesuitengeneral Arturo Sosa als Präsident der Weltverbände der Ordensoberen.
„Ich würde mir wünschen, dass dies unser erstes großes Verlangen ist: eine geeinte Kirche.“
Aus der Welt-Ökumene waren unter anderem der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomaios, der griechisch-orthodoxe Jerusalemer Patriarch Theophilos, Metropolit Nestor vom russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchat und Heinrich Bedford-Strohm als Vorsitzender des Zentralausschusses des Weltkirchenrats (ÖRK) präsent. Insgesamt nahmen mehr als 80 Vertreter aus anderen christlichen Kirchen an der Feier zur Amtseinführung des Papstes teil. Auf dem Petersplatz waren auch der Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Di Segni, und mit ihm zwölf weitere Vertreter des Judentums sowie Vertreter des Islam und anderer Glaubensgemeinschaften anwesend.
Anlässlich der Amtseinführung waren 150 Delegationen aus aller Welt nach Rom gereist. Unter ihnen waren Staatsoberhäupter, Regierungschefs sowie mehrere regierende Monarchen. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie Vizepräsident James David Vance und Außenminister Marco Rubio aus den USA waren zu den Feierlichkeiten angereist. Selenskyj und Vance empfing Papst Leo XIV. später einzeln in Audienz. Der Vatikan beschrieb die Gesprächsatmosphären im Anschluss als „herzlich“, dabei sei es auch um aktuelle internationale Fragen und Konflikte gegangen.
Selenskyj und seine Frau dankten dem Papst bei ihrer Begegnung für die Behandlung ukrainischer Kinder in der Klinik Bambino Gesu in Rom, und dass sich der Vatikan als Ort für mögliche direkte Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew angeboten habe. Ein Angebot, das möglicherweise angenommen werden könnte, denn nach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Russland-Präsident Wladimir Putin, meinten beide, dass sie sich Verhandlungen über eine Waffenruhe in der Ukraine im Vatikan vorstellen könnten.
Bundeskanzler Christian Stocker, der die österreichische Delegation anführte, traf mit Leo XIV. bei dem Empfang für die Staats- und Regierungschefs persönlich zusammen und lud den Papst nach Österreich ein. KAP/Red.
Lesen Sie auch unseren Beitrag zu Papst Leo XIV. auf den Seiten 12 und 13.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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