Jubiläum
300 Jahre Prandtauer-Kirche

Blick in den Kirchenraum der Prandtauerkirche. 
 | Foto: Homepage Prandtauerkirche
  • Blick in den Kirchenraum der Prandtauerkirche.
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Mitten im Stadtzentrum von St. Pölten, in unmittelbarer Nähe des Rathauses, steht ein barockes Kleinod: die Prandtauerkirche. Benannt nach dem berühmten Baumeister Jakob Prandtauer – dessen Mitwirkung am Bau allerdings fraglich ist – feiert die Kirche am 22. Juni ihr 300-jähriges Bestehen. Gefeiert wird dieses Jubiläum mit einer Festmesse unter der Leitung von Bischof Dr. Alois Schwarz sowie einem feierlichen Festakt.

Die Geschichte der Kirche beginnt mit einer visionären Frau: der jungen, schönen und frommen Fürstin Maria Antonia Josepha Montecuccoli. An dem Ort, an dem einst Häuser ihrer Familie standen, wollte sie ein Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen samt Bau einer zugehörigen Kirche errichten. Den kontemplativen Orden hatte sie noch als Hofdame in Wiener Neustadt kennengelernt und über Jahre hinweg eine Brieffreundschaft mit zwei Ordensfrauen gepflegt. Nach dem frühen Tod ihres Gatten entschloss sich die junge Witwe, den Orden nach St. Pölten zu holen.

Doch der Weg dorthin war steinig. Kaiser Joseph I., der Passauer Bischof, der Stadtkämmerer und selbst ihre eigene Mutter, die sie lieber erneut verheiratet gesehen hätte, – stellten sich gegen das Vorhaben. Doch Maria Antonia setzte sich durch.

Die ursprünglichen Baupläne stammten wohl von einem Ordensbaumeister und wurden von Baumeister Matthias Steinl überarbeitet. Ob und wie Jakob Prandtauer an den Plänen mitgewirkt hat, ist heute fraglich – dennoch trägt die Kirche seinen Namen. 1712 war das Kloster soweit fertiggestellt, dass die Karmelitinnen einziehen konnten. Die Weihe der Kirche erfolgte erst 1725 – mit einem großen Fest, die Kosten übernahm, wie schon die gesamten Baukosten, die Fürstin.

Das Kloster hatte nur eine kurze Blütezeit: Bereits 1782 wurde es im Zuge der josephinischen Reformen aufgelöst. Die rund 20 Ordensfrauen mussten St. Pölten verlassen, das wertvolle Inventar ging an den kaiserlichen Hof nach Wien, das restliche Mobiliar wurde verkauft – ebenso wie das Kirchengebäude selbst. Das Militär nutzte die Kirche fortan als Lagerhalle.

Die Geschichte der Kirche beginnt mit einer visionären Frau.

Bis 1934 diente die Kirche als „Stadl“, wie DDr. Reinhard Knittel, heutiger Rektor der Kirche, berichtet. In den 1930er-Jahren gab es Überlegungen, das Gebäude als Kino oder Museum zu nutzen – doch dafür fehlten die Mittel. Schließlich übernahm die Diözese das Gebäude für Schulgottesdienste. Mit diesem Zeitpunkt wurde die Prandtauerkirche eine Rektoratskirche, die bis 1943 von Karl Borromäus Frank geleitet wurde. Ihm folgte später Msgr. Karl Heinrich, unter dessen Leitung das Kirchengebäude 1964 schließlich von der Stadt im Tausch gegen ein Kirchengrundstück erworben werden konnte. Heinrich leitete die Rektoratskirche bis 1993.

Seit 1996 steht die Prandtauerkirche unter der Leitung von Reinhard Knittel, der auch Offizial (Vorsteher des Kirchengerichts) der Diözese St. Pölten ist. Unter seiner Ägide wurden zahlreiche Sanierungen und Restaurierungen durchgeführt: So wurde der Kunststeinfussboden durch einen zweifärbigen Marmor ersetzt, die registerstärkste Orgel Niederösterreichs wurde angeschafft, der Holzaltar konnte durch einen barocken Altar aus der Pfarre Aschau (OÖ) ersetzt werden; zwei Seitenaltäre aus dem ehemaligen Karmelitinnenkloster St. Theresien in Regensburg wurden übernommen. Aktuell steht die Sanierung des Kirchturms an.

Heute wird in der Prandtauerkirche die heilige Messetraditionellen lateinischen Form gefeiert – dies erlaubte Papst Benedikt XVI. 2007; Papst Franziskus schränkte die Feier der sogenannten Alten Messe ein und bestimmte, dass dieser Ritus nur noch mit Erlaubnis des Ortsbischofs gefeiert werden kann.

Die Prandtauerkirche hat sich als kultureller Veranstaltungsort etabliert – mit Operettenaufführungen, Orgelkonzerten sowie als Unterrichtsort für das Konservatorium. Im Rahmen des Festivals Musica Sacra findet heuer erstmals ein Konzert in der Prandtauerkirche statt. Und die Gründerin, Maria Antonia Josepha Montecuccoli, hat ihre letzte Ruhe in ihrer Kirche gefunden: Der Sarg der Fürstin ist in einer Seitennische rechts hinter dem Haupteingang aufgestellt. 

Kurz notiert 

Festmesse am 22. Juni, 9.30 Uhr, mit Bischof Dr. Alois Schwarz; Messe in D von Antonin Dvorak; anschließend Festakt und Buffet.
Rektoratskirche. Nach dem Kirchenrecht wird dem Rektor eine Kirche übertragen, die weder Pfarr- noch Kapitelkirche ist. Der Rektor untersteht direkt dem Diözesanbischof, der ihm den ihm zukommenden Aufgabenbereich zuweist.

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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