Weihnachtspredigten Papst Leo und Bischof Alois
"Gott wird Mensch - in einer zerrissenen Welt"
- Bischöfliches Hochamt am Christtag im Dom zu St. Pölten.
- Foto: Sonja Planitzer
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Im Mittelpunkt der Predigten zu Weihnachten standen die Menschwerdung Gottes und der Wunsch nach Frieden. Papst Leo XIV. hat am Christtag mit Nachdruck die Sinnlosigkeit von Kriegen gegeißelt. Insbesondere verwies er auf das Schicksal junger Menschen, „die zum Kriegsdienst gezwungen werden und dort an der Front die Sinnlosigkeit dessen erkennen, was von ihnen verlangt wird, und auch die Lügen, von denen die großspurigen Reden derer, die sie in den Tod schicken, triefen“. Viele „wehrlose Bevölkerungen“ litten unter den zahlreichen noch andauernden oder schon beendeten Kriegen, die Trümmer und offene Wunden hinterlassen.
Weiter erinnerte er an die Zelte der Menschen in Gaza, die seit Wochen Regen, Wind und Kälte ausgesetzt seien, ebenso wie die Zelte vieler anderer Geflüchteter und Vertriebener auf allen Kontinenten. Dasselbe gelte für „die notdürftigen Unterschlupfe Tausender Obdachloser in unseren Städten“. Viele Menschen weltweit seien „ihrer Würde beraubt und zum Schweigen gebracht“, beklagte der Papst.
Weihnachten ermutige jedoch zum Handeln, denn Gott sei als wehrloses Kind Mensch geworden, das auf die Hilfe und Fürsorge anderer angewiesen ist. „Wenn die Hilflosigkeit anderer unser Herz berührt, wenn der Schmerz anderer unsere felsenfesten Überzeugungen zum Einsturz bringt, dann beginnt schon der Friede“, führte Leo aus.
Retter und Heiler
An das wehrlose Kind, das damals in Betlehem zur Welt kam, erinnerte auch Bischof Alois Schwarz in seiner Predigt am Heiligen Abend im Dom zu St. Pölten. „Gott blickt mit den Augen eines Kindes in seine Welt. Er kommt in unsere Welt, wo es Krieg gibt, Unruhe, chaotische Zustände, Leiderfahrungen, konfliktreiche Auseinandersetzung. Er kommt in unsere Welt, um sich darin als Retter und Heiler zu erweisen“, so der Bischof, der die Gläubigen auch an die Worte von Angelus Silesius erinnerte: „Und wäre Christus tausendmal in Betlehem geboren und nicht in dir, so wärest du doch verloren.“ Die Geburt Jesu Christi in Betlehem und in uns selbst gehöre zusammen, betonte Schwarz. Denn Gott wolle in uns geboren werden.
„Christen können sagen: Unser Gott ist Mensch geworden, einer von uns.“
Am Christtag erinnerte der Bischof daran, dass Weihnachten „nicht bloß eine fromme Erzählung ist“, sondern Wahrheit. „Unserem Gott ging es darum, sich hineinzulieben in eine Welt – nicht nur durch das Wort, sondern durch seinen Sohn.“ Und weiter: „Christen können sagen: Unser Gott ist Mensch geworden, einer von uns.“ Das sei einzigartig und eine Aussage, die andere Religionen nicht sagen können. Gott sei aus der Transzendenz heraus in die Wirklichkeit eines konkreten Lebens gestiegen und habe den Weg über den Tod zum ewigen Leben gewiesen.
Dabei wies der Bischof auf die besondere Rolle der Musik gerade zu Weihnachten hin. Die Engel, so Schwarz, haben damals auf den Hirtenfeldern gesungen „Ehre sei Gott in der Höh ...“ Musik beginne dort, wo das Wort nicht mehr reiche. Sie ordne das Innere und bringe das Zerrissene zusammen. „Es ist sicher kein Zufall, dass wir gerade zu Weihnachten gerne singen oder zumindest gerne dem Gesang zuhören. Die Menschen haben danach eine eigene Sehnsucht“, dankte Schwarz dem Domchor, dem Domorchester und Domkapellmeister Valentin Kunert für die Aufführung der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart während der Messe am Christtag und Organist Ludwig Lusser für sein Orgelspiel.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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