Heilige Veronika
Gott hat ein Gesicht – das Schweißtuch der Veronika

Der heiligen Veronika ist eine eigene Kreuzwegstation gewidmet.  | Foto: KNA-Bild
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Es ist wieder „nur eine Legende“. Die unsterbliche Legende vom selbstverständlichen Mut einer Frau. Eine Jüngerin Jesu ist es gewesen, nach anderen Versionen eine von ihm Geheilte, die entschlossen aus der Zuschauermenge heraustrat und dem zur Hinrichtung geführten Jesus Schweiß, Blut und Schmutz vom Gesicht wischte.

Eine schlichte, aber kostbare Geste: Dem geschundenen, verhöhnten, angespuckten Stück Fleisch wird die Menschenwürde zurückgegeben. Zärtlichkeit im Bannkreis zynischer Gewalt. Liebe, wo der blanke Hass regiert. Courage unter den Augen von Besatzungssoldaten, die zu allem fähig sind.
Die Geste wird belohnt: Nach der schon im vierten Jahrhundert bezeugten Legende bleibt auf Veronikas Schweißtuch das Antlitz ihres Freundes sichtbar – bräunlich verfärbt, mit den Spuren der Dornenkrone, aber unverkennbar der Rabbi Jesus in seiner bezwingenden Güte.

Lehren aus der Veronika-Legende

Ein Dreifaches lässt sich aus der Veronika-Legende lernen:

Gottes Gesicht sehen wir, wenn es uns ein anderer Mensch zeigt. Veronika hat ihr kostbares Andenken nicht irgendwo eingeschlossen, sondern andere damit geheilt. Menschen, die Gott begegnet sind, können gar nicht anders, als ihre Erfahrung zu teilen.Gott hat ein Gesicht. Ein Gesicht voller Blut und Tränen. Das Gesicht eines leidenden, Güte und Kraft vermittelnden Menschen. Der Gott der Christen ist kein abstraktes Prinzip, nicht philosophische Weltformel oder höchste kosmische Energie; der Gott der Christen liebt mit Leidenschaft und stirbt aus Liebe.

Das zweite: Gottes Gesicht erblickt, wer aus dem bloßen Zuschauerdasein heraustritt. Wer sich dem Anpassungsdruck und der Gleichgültigkeit verweigert. Dann kommt es zur Berührung zwischen Gott und Mensch - und Gottes Gesicht bleibt im Leben eines solchen Menschen dauerhaft sichtbar.

Das Schweißtuch der Veronika

Veronika – wohl eine Namensbildung nach dem früh verehrten „wahren Bild“ Christi, vera icon – soll mit ihrem Schweißtuch den Kaiser Tiberius geheilt und als Missionarin im südfranzösischen Médoc gewirkt haben, wo sie um 70 starb. Ihre Gebeine werden in Bordeaux verehrt. Um das „wahre“ Schweißtuch der Veronika streiten sich Rom, Mailand und das spanische Jaén.
Gott hat ein Gesicht. Ein Gesicht voller Blut und Tränen. Das Gesicht eines leidenden, Güte und Kraft vermittelnden Menschen. Der Gott der Christen ist kein abstraktes Prinzip, nicht philosophische Weltformel oder höchste kosmische Energie; der Gott der Christen liebt mit Leidenschaft und stirbt aus Liebe.

Autor: Christian Feldmann

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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