Ostermontagsevangelium
Emmaus ist näher als man denkt

Wanderweg nach Emmaus. | Foto: Andrea Krogmann/KNA

Der Ort Emmaus ist vielen Christen vom Ostermontagsevangelium bekannt. Wo sich dieser genau befindet, ist nicht eindeutig. Warum das Wissen darum auch gar nicht so wichtig ist, zeigt eine Spurensuche.

Drei Orte im Heiligen Land beanspruchen heute für sich, jenes Emmaus zu sein, von dem der Evangelist Lukas im 24. Kapitel seines Evangeliums berichtet. Lukas nennt den Ort ein Dorf und erzählt, dass es sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist (Lk 24,13). Das Stadion ist ein Längenmaß aus römischer Zeit und 60 Stadien entsprechen umgerechnet ungefähr 11,5 Kilometern. Vielleicht war Emmaus zur damaligen Zeit einer der vielen Vororte von Jerusalem.

Heute jedenfalls ist die Identifikation des historischen Ortes nicht mehr eindeutig möglich, da es im Umkreis von zwölf Kilometern einige Siedlungen gibt, die infrage kommen würden. Da ist zunächst das Dorf Abu Gosch: Hier soll sich das biblische Kirjat-Jearim befunden haben – es handelt sich also um jenen Ort, an dem gemäß der Erzählung des ersten Samuelbuches (7,1) die Bundeslade für einige Zeit untergebracht war. Die Sache hat nur einen Haken: In der Antike trug das Dorf nicht den Namen Emmaus, weshalb eine Identifikation mit dem Emmaus des Lukasevangeliums doch eher unwahrscheinlich ist.

Der zweite denkbare Ort ist El Qubeibeh, das sich heute im Westjordanland nahe Ramallah befindet. Erst die Franziskaner setzten El Qubeibeh im 13. Jahrhundert mit dem neutestamentlichen Emmaus gleich.

Emmaus ist mit Sicherheit nicht nur ein einziger Ort.

Und schließlich eine dritte Möglichkeit: Emmaus-Nikopolis. Gesichert ist, dass der Ort schon zu biblischer Zeit Emmaus hieß. Allerdings stimmt die Entfernung nicht: Laut zweier Landkarten aus römischer Zeit lag Nikopolis nämlich rund 30 Kilometer von Jerusalem entfernt. Schon der Schriftsteller Eusebius von Cäsarea erkannte in Nikopolis jenes Emmaus, aus dem Kleopas stammte
.
Die drei möglichen Orte machen deutlich: Emmaus ist nicht nur dort, wo die Jünger dem auferstandenen Herrn begegneten, sondern auch dort, wo wir heute im Alltag mit dem Auferstandenen in Berührung kommen. Und das ist mit Sicherheit nicht nur ein einziger Ort. KNA/Fabian Brand

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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