Dr. Franz Schmatz
Die Mitte der Nacht ist der Anbruch des neuen Tages
- Den neuen Morgen in Dankbarkeit zu begrüßen, kann das Dunkel der Nacht mildern.
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Nur im Dunkel der Nacht kann man den Sternenhimmel sehen. Der Psychotherapeut und Theologe Dr. Franz Schmatz reflektiert über die Sorgen, die uns in Nachtstunden quälen. Teil 2 von 4.
Kennen Sie auch jene quälenden Stunden in der Nacht, die von Albträumen, Ängsten, Sorgen und Schmerzen geprägt sind? Nachtstunden, in denen wir das Gefühl haben, sie seien endlos? Da gibt es dann nur eine Sehnsucht, die Nacht möge enden und der neue Tag anbrechen.
Vom Verstand her wissen wir, dass jede Nacht sicher zu Ende geht, und dass die Mitte der Nacht tatsächlich den Anbruch des neuen Tages bringt. Nur können wir das, wenn wir mitten im Dunkel der Nacht stehen, nicht glauben und vom Gefühl her einfach nicht erfahren. Und mitten im tiefsten Dunkel hilft es uns auch nicht, wenn uns jemand erzählt, dass bald der neue Tag anbrechen und das Licht die Oberhand gewinnen wird.
Das kennen jene besonders, die im Trauerprozess, in schwerer Krankheit, in totaler Vereinsamung, in erdrückender Sinnleere oder in Verlassenheitsängsten stehen.
Dunkle Nacht,
anbrechender Morgen
Sollen wir also das Bild vom anbrechenden Morgen auf dem Hintergrund der dunklen Nacht (z. B. in der Begleitung) gar nicht ansprechen? Oh doch! Nur nicht als Vertröstung, als schnellen Ratschlag oder Hinweis ohne eigene Empathie.
Ich habe in dunklen Nächten schwerer Krankheit Nächte erlebt, in denen mir nichts vom anbrechenden Morgen in den Sinn gekommen ist, aber ebenso Nächte, wo mir die Erwartung des neuen Morgens Kraft zum Durchhalten und Ertragen geschenkt hat.
Eine gute Basis kann sein, im Alltag immer wieder einmal den Morgen bewusst zu erleben: z. B. für einige Minuten den Sonnenaufgang bestaunen; den neuen Morgen in Dankbarkeit begrüßen; eine kleine Morgenmeditation gestalten; die frische Morgenluft bewusst einatmen oder den Morgentau spüren. Solche und ähnliche wiederkehrende Rituale aus bewusstem Innehalten können sich in mir einprägen und mir so vertraut werden, dass ich auch auf sie zurückgreifen kann, wenn ich im Dunkel der Nacht bin.
Mir hilft auch, wenn ich am Abend den Tag bewusst beende und dabei einige Momente benenne, für die ich danken möchte.
Das nimmt manche Last des Tages weg. Auch die Versöhnung mit all dem Erlebten bringt Erleichterung. Und die Bitte in der Meditation, dass die Nacht bei allem Dunkel gut werden möge.
Nur vor dem Hintergrund der Nacht können wir den Tag erfahren.
Grundsätzlich stehen wir natürlich auch immer vor der Herausforderung, uns mit der Polarität des Lebens und im Leben anzufreunden. Dunkel und Licht sind nun einmal, auch symbolhaft, die beiden Pole, die in Spannung zu einander stehen, sich wechselseitig bedingen und Lebendigkeit bewirken.
Nur vor dem Hintergrund der Nacht können wir den Tag erfahren. Das Dunkel der Nacht ermöglicht es uns, den Sternenhimmel zu bewundern. Und die Mitte der Nacht gebiert praktisch den anbrechenden Morgen, der uns das Licht schenkt.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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