Mariä Empfängnis
Der „Sünden-Lockdown“ ist durchbrochen

Der Bildtypus der „Anna Selbdritt“ ist ein Stück erzählte Theologie der Menschwerdung des Gottessohnes Jesus Christus.
Bild: „Heilige Anna Selbdritt“ aus der Schächer-Kapelle Ehrenstetten (um 1520, heute im Augustinermuseum Freiburg).
 | Foto: KNA
  • Der Bildtypus der „Anna Selbdritt“ ist ein Stück erzählte Theologie der Menschwerdung des Gottessohnes Jesus Christus.
    Bild: „Heilige Anna Selbdritt“ aus der Schächer-Kapelle Ehrenstetten (um 1520, heute im Augustinermuseum Freiburg).
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Am 8. Dezember feiert die katholische Kirche – wie auch die anglikanische Kirche – das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ durch ihre Mutter Anna („Mariä Empfängnis“).

Gerade jetzt erleben wir in der Pandemie und im Lockdown hautnah das Ansteckungspotenzial eines möglicherweise todbringenden Erregers. Jeder kann jederzeit mit dem Covid-19-Virus angesteckt werden, aber auch andere damit anstecken. Die Pandemie übergreift Kontinente, niemand ist vor dem Virus gefeit. Das kann uns helfen, einen zentralen Begriff zu verstehen, der eng mit dem Hochfest der „ohne Makel der Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ verbunden ist – jenen der „Erbsünde“. Dieser besagt ja, dass wir alle in eine Geschichte von Schuld und Sünde verstrickt sind und uns nicht aus eigener Kraft befreien können. Kein Mensch lebt in einem Zustand paradiesischer Unschuld. Alle Menschen sind von der Sünde Adams, die zur Vertreibung aus dem Paradies führte und den Tod brachte, „infiziert“. Die Folge des Sündenfalls war demnach ein ziemlich harter „Lockdown“.

Im Grunde sehnen sich alle Menschen nach einem wirksamen Schutz gegen Covid-19. In tatsächlich kurzer Zeit ist es gelungen, Impfstoffe zu entwickeln, auch wenn das Virus noch manche Tücken hat. So ähnlich zeigt uns auch die Erbsünde unsere Ohnmacht und Erlösungsbedürftigkeit. Doch dabei bleibt es nicht. Gott selbst – so lehrt es die Kirche – hat uns ein wirksames Heilmittel geschenkt: Er hat den Teufelskreis durchbrochen, indem er Maria in ihrer ganzen Existenz, von ihrer Empfängnis an, von der Erbsünde befreit hat. Dieses Geheimnis feiert die Kirche am 8. Dezember – einen Sieg der Liebe über Sünde und Tod. Gott hat sich dabei ganz auf Maria verlassen, die mit ihrem Ja als Antwort auf die Verkündigung des Engels einwilligte, die Mutter des Erlösers zu werden.

Erzählte Theologie der Menschwerdung

Der Inhalt dieses Festtages ist in eine Familiengeschichte gekleidet. Die legendenhafte Erzählung von den Eltern Marias – Joachim und Anna – findet sich im apokryphen (d. h. nicht in die Heilige Schrift des Neuen Bundes aufgenommenen) „Protoevangelium des Jakobus“. Anna ist dort dem alttestamentlichen Vorbild der kinderlosen Hanna nachgezeichnet, die nach geradezu exzessivem Gebet im Tempel zur Mutter des Propheten Samuel wird.
In der Legende kündigt ein Engel sowohl Anna als auch Joachim die Geburt eines Kindes an. Am Eingang zum Jerusalemer Tempel, der „Goldenen Pforte“, umarmen einander daraufhin Joachim, der 40 Tage in der Wüste gefastet hat, und Anna. Das verheißene Kind Maria wird geboren. Die Empfängnis Marias am Beginn ihrer irdischen Existenz im Schoß ihrer Mutter Anna ist die entscheidende Schnittstelle dieses Festes. Folglich ist genau neun Monate darauf, am 8. September, das Geburtsfest Marias.

Um diese Familiengeschichte rankt sich die Darstellung von Anna, Maria und dem Kind Jesus in der Kunst, wo dieser Bildtypus unter der Bezeichnung „Anna Selbdritt“ bekannt ist. Anna wird oft als alte Frau stilisiert. Leonardo da Vinci, dem wir das Titelbild dieser Ausgabe von „Kirche bunt“ verdanken, hat dieses Motiv in eine liebevolle, von Wärme durchströmte Familienszene verwandelt. Das Lamm ist nicht zufällig dabei. Es erinnert ja an das Wort, das Johannes der Täufer über Jesus sagte: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29). Auch das gehört wohl bewusst zur Botschaft des Bildes: Jesus und das Lamm sind im unteren Teil der Szene – die Menschwerdung Jesu ist die Konsequenz dessen, was Gott in der Erwählung Marias begonnen hat. Er erniedrigt und „entäußert“ sich in seinem Sohn und bereitet dadurch den Weg zur Erlösung des ganzen Menschengeschlechts – der „Pandemie“ des Bösen zum Trotz.

Diesen Hoffnungskeim der Erlösung feiert die Kirche also mit dem Marienfeiertag am 8. Dezember. Papst Pius IX. hat den Glaubenssatz von der unbefleckten Empfängnis Marias, der „Immaculata Conceptio“, am 8. Dezember 1854 in den Rang eines unfehlbaren Dogmas erhoben. Wir werden daran aber auch in jedem „Gegrüßet seist du, Maria“ erinnert, wenn es heißt, dass sie „voll der Gnade“ ist. Als „Begnadete“ redet sie der Engel an, der die Geburt Jesu ankündigt. Der griechische Ausdruck kecharitomene (von charis = Gnade) beinhaltet, dass sie vollständig und dauerhaft mit Gnade ausgestattet ist. Und damit steht sie – im Gegensatz zu Adam und Eva – am Beginn eines neuen Menschengeschlechts. Zwar stehen weiterhin alle Menschen durch ihre Geburt unter der Erbsünde, durch das Sakrament der Taufe im Glauben an Jesus Christus wird diese aber vergeben – der Lockdown ist gebrochen.

Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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