Kirchliche und pfarrliche Beteiligung
Gedenken an Ende des NS-Grauens

Pfarrgemeinderatsobmann-Stv. Wolfgang Kainzner vor der bekannten Friedensskulptur in Erlauf vom Treffen der Generäle Dritschkin und Reinhart. In der Friedensgemeinde gibt es weitere Gedenkstätten sowie Friedenspark und -museum.
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  • Pfarrgemeinderatsobmann-Stv. Wolfgang Kainzner vor der bekannten Friedensskulptur in Erlauf vom Treffen der Generäle Dritschkin und Reinhart. In der Friedensgemeinde gibt es weitere Gedenkstätten sowie Friedenspark und -museum.
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Rund um den 8. Mai wird an das Ende des Zweiten Weltkriegs und damit auch an das Ende der nationalsozialistischen Gräueltaten erinnert. Auch kirchliche Persönlichkeiten und Pfarren nahmen an Gedenkfeierlichkeiten teil.

Victoria König und Thomas Banasik waren bei der diesjährigen Gedenk- und Befreiungsfeier im früheren KZ Mauthausen für die Katholische Jungschar der Diözese St. Pölten dabei. Das Thema der Feierlichkeiten „Vernichtete Vielfalt“ erinnerte an die vielfältigen Opfergruppen, die die Nationalsozialisten verfolgt, interniert und ermordet haben. So gedachte die Jungschar explizit auch der Kinder und Jugendlichen.

Der frühere Betriebsseelsorger Franz Sieder arbeitet seit Jahrzehnten mit bei Amnesty International und bei der kirchlichen Friedensbewegung Pax Christi. Der Holocaust ist für den Priester das größte Verbrechen, das es in der Menschheitsgeschichte gegeben hat: „Unsere Generation kann nichts dafür für die Verbrechen von damals, aber das Gedenken und das Erinnern kann uns helfen, wachsam zu sein, dass sich nicht Ähnliches in der Geschichte wiederholt.“ Wir sollten unseren Blick nicht nur auf den Krieg richten, sondern besonders auch auf den Vorkrieg, so Sieder. Es sei wichtig, wachsam zu bleiben und alle Anzeichen von Antisemitismus zu erkennen und zu bekämpfen.

Bei einem Bildstock in Eisenreichdornach bei Amstetten wurde von Pfarrer P. Hans Schwarzl, Landtagspräsident Karl Wilfing und Vertretern der Gemeinde und des Mauthausen-Komitees aufgerufen, für Freiheit und Demokratie einzustehen. Dort wurden am 20. März 1945 34 Häftlinge vom KZ Mauthausen, die zu Aufräumarbeiten beim zerbombten Bahnhof gezwungen worden waren, durch einen alliierten Luftangriff getötet – nachdem sie zuvor nicht in den sicheren Bunker gelassen worden waren. Pfarrangehörige können sich noch an die entsetzlichen Ereignisse erinnern. Ein Zeitzeuge ist Emil Landsmann, der als Ministrant beim Begräbnis der katholischen Belgier dabei war. Deren Nachfahren konnten heuer coronabedingt nicht zur Feier nach Amstetten kommen. Salesianerpater Schwarzl sprach dabei einen geistlichen Impuls.

Friedensgemeinde Erlauf

Die Erinnerungskultur ist auch Wolfgang Kainzner, Pfarrgemeinderatsobmann-Stellvertreter in Erlauf, ein großes Anliegen. Sein Heimatort ist berühmt für ein besonderes Ereignis: In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 trafen sich in Erlauf erstmals der sowjetische General Dmitri Dritschkin und der US-amerikanische General Stanley Reinhart und feierten gemeinsam den Waffenstillstand, der die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges in Europa beendete. 20 Jahre später brachten ausgerechnet zwei jüdische Emigranten, Ernst Brod aus Erlauf und Frank Schanzer aus dem Nachbarort Pöchlarn, die Erinnerung an dieses historische Treffen der Generäle nach Erlauf zurück. Ernst Brod entdeckte die Aufzeichnungen an dieses Treffen in einer Front-Broschüre der US Armee beim Recherchieren in einem Archiv und Frank Schanzer, der in dieser US Division im Krieg diente, bestätigte ihm das Ereignis. Die Friedensgemeinde eröffnete 2015 ein eigenes Friedensmuseum, das an dieses denkwürdige Treffen der Generäle und an die Bedeutung des Friedens erinnert. Im Zuge der historischen, teils kontroversiellen Recherchen kamen auch Details über ein NS-Arbeitslager zum Vorschein. Man solle auch die letzten NS-Verbrechen etwa im nahen Mank oder Hof­amt-Priel nicht vergessen, so Kainzner.

Der frühere Erlaufer Kulturreferent verweist darauf, dass neben vielen Vereinen die Pfarre vor der Corona-Zeit beim jährlichen Friedensfest eingebunden wurde: In der Kirche wurden hochkarätige Friedenskonzerte veranstaltet und das Friedensfeuer, das von allen Ortsteilen herbeigetragen wurde, wurde vom Pfarrer gesegnet. Wichtig sei, dass die Erinnerung von einer breiten Bevölkerungsschicht und von der Jugend getragen wird.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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